Kolumne „Für die Ehre“  Bitte einfach höflich bleiben

Manuel Goldenstein
|
Eine Kolumne von Manuel Goldenstein
| 08.10.2022 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Artikel teilen:

Samstags geht es in unserer Kolumne immer ums Ehrenamt. Diesmal geht es um Erlebnisse, die so mancher Ehrenamtler beim Spendensammeln macht.

„Na, kommt ihr wieder betteln?“ – Das ist ein Satz, den viele Mitglieder der Feuerwehren in Ostfriesland jetzt wieder zu hören bekommen, von ein paar wenigen Bürgern. Die traditionelle Sammlung der Feuerwehren für das Blindenhilfswerk in Ostfriesland läuft wieder.

Von Jahr zu Jahr hört man aus immer mehr Regionen, dass weniger Türen geöffnet werden oder man unverschämt abgewimmelt wird. „Fragen darf man und kostet nichts“, sagt meine Oma immer – doch an mancher Tür kostet es Nerven! Kein Wunder also, wenn sich immer weniger Feuerwehren an der Sammlung beteiligen. Ein Einfaches „Nein, ich möchte nicht spenden“, würde ausreichen.

Hoch hält jedoch ein Großteil der Bevölkerung den Anstand der regionalen Unterstützung – durch die Gabe einer Spende und vieler netter Worte für uns als Feuerwehr. Die Lust der Sammler wird durch Pöbler geschmälert und das führt dazu, dass die junge Generation, die für solche Aktionen schon schwer zu motivieren ist, sich noch weniger beteiligt. Besonders jetzt in der Zeit von Inflation und Abzocke, kann es jeder verstehen, wenn man keine Spenden geben möchte, zumal viele Bürger nun selbst finanzielle Hilfen benötigen.

Es gibt aber immer Menschen, die noch viel mehr gebeutelt sind, als man selbst. Das hält auch die Sammler der Feuerwehren über Wasser. Trotzdem ist die Etikette gegenüber allen Menschen gefragt. Doch wer lernt es überhaupt, etwas nett abzulehnen? Die wenigsten Menschen, und dabei ist es einfach und ehrlich.

Stattdessen wird ruppig oder über Ausreden abgelehnt. Aber bitte nicht mit dem Ehrenamt! Wenn wir bei Wind und Wetter losziehen, geht es uns nicht allein um die Sammlung, sondern auch um den netten Bürgerkontakt. Wir beantworten Fragen und führen auch nette Gespräche.

Wir stehen während der Sammlung nicht nur für die Minderheit der Sehbehinderten ein: Wir stehen in dem Moment ein für die Feuerwehr und alle Menschen, die uns brauchen. Das geht manchmal schneller, als man denkt.

kolumne@zgo.de

Ähnliche Artikel