Osnabrück  Jetzt noch ein Haus kaufen? Drei Experten sagen, ob sich das lohnt

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 06.10.2022 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wer sich ein Haus kaufen will, muss sich mit hohen Immobilienpreisen und steigenden Zinsen auseinandersetzen. Foto: Imago Images
Wer sich ein Haus kaufen will, muss sich mit hohen Immobilienpreisen und steigenden Zinsen auseinandersetzen. Foto: Imago Images
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Die Immobilienpreise sind hoch, Zinsen und Baupreise steigen. Sollten Interessierte da aktuell noch ein Haus kaufen oder doch lieber warten? Wir haben drei Experten gefragt.

Die Unsicherheit am Immobilienmarkt ist derzeit groß: Die Immobilienpreise bewegen sich seit geraumer Zeit auf hohem Niveau. Nun steigen auch noch die Zinsen, Energie- und Baupreise ebenfalls, Handwerker und Material sind teilweise schwer zu bekommen. Wer investieren will, fragt sich unlängst: Sollte man da jetzt noch ein Haus kaufen oder doch lieber warten? Wir haben drei Experten gefragt:

Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft:

„Der Blick zurück tut jetzt natürlich weh, weil ein Immobilienerwerb vor einem Dreivierteljahr aufgrund der günstigen Finanzierung deutlich erschwinglicher war als heute. Betroffene müssen aber langfristig denken: Wer ein Eigenheim kaufen möchte, der sollte sowieso eine Perspektive von am besten 10 Jahren haben und vorhaben dort längerfristig zu wohnen.

Für Verbraucher, die auch aktuell einen Hauskauf noch finanzieren können, lohnt sich der Erwerb durchaus immer noch, denn langfristig sind mit weiteren Wertsteigerungen bei Immobilien zu rechnen, gerade in den Großstädten. Ich würde es also keinem ausreden. Es ist wie an der Börse, der beste Einstiegszeitpunkt ist vorbei, aber es kann sich trotzdem noch lohnen.

Zumal das Problem beim Hauskauf ja ist: Je länger man wartet, umso kürzer ist die Zeit, in der man die Immobilie abbezahlen kann. Viele verfolgen das Ziel bis zum Renteneintrittsalter die Immobilie abbezahlt zu haben. Wer jetzt fünf Jahre wartet, bewirkt entsprechend eine monatlich deutlich höhere Tilgungslast.

Und die Hoffnung, dass die Immobilienpreise womöglich bald sinken, teile ich nicht. Meiner Meinung nach werden sie nur dann fallen, wenn die Zinsen jetzt noch deutlicher steigen. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass wir noch ein Zinsniveau von über vier oder fünf Prozent sehen werden. Sollte dies aber der Fall sein, haben Kaufinteressierte wiederum das Problem höherer Finanzierungskosten. Insofern lohnt sich das Warten nicht wirklich.”

Stefan Adam, Finanzexperte und Honorarberater bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen:

„Keine Frage, die Gemengelage, mit der wir es gegenwärtig am Immobilienmarkt zu tun haben, ist für Kaufinteressierte schwierig: Die steigenden Baukosten und Zinsen lassen eine eigene Immobilie für viele in weite Ferne rücken, zumal auch die Immobilienpreise nach wie vor hoch sind.

Die Preise für privates Wohneigentum werden meiner Meinung nach vorerst auch auf hohem Niveau bleiben, da es nach wie vor stark nachgefragt wird. Die Nachfrage nach Immobilien ist zwar leicht gesunken, nur gibt es jetzt vielleicht nicht mehr 50 Interessenten für ein Objekt, sondern 10.

Insofern ist die Strategie abzuwarten, bis die Preise womöglich wieder fallen, in meinen Augen nicht empfehlenswert, zumal die Frage nach dem idealen Zeitpunkt eines Kaufes sowieso keiner seriös beantworten kann. Stattdessen kommt es bei der Überlegung Hauskauf ja oder nein im Grunde immer wieder auf den gleichen Knackpunkt zurück: Kann ich mir so ein Projekt wirklich leisten? Dies gilt aktuell mehr denn je.

Hat man keinen soliden Finanzierungsplan, sollte man sich im Zweifelsfall gegen Eigentum entscheiden. Für diese Entscheidung können sich Betroffene beispielsweise auch einen fixen Zeitpunkt setzen: Man gibt sich zwei oder drei Jahre Zeit und sollte bis dahin nicht das passende, finanzierbare Objekt gefunden worden sein, wohnt man eben weiter zur Miete. Das ist ja kein Makel, entspricht nur eben nicht unbedingt der Wunschvorstellung von vielen.

Wer es sich hingegen leisten kann, der kann kaufen. Dabei gilt die alte Regel: Neben den Kaufnebenkosten sollten mindestens 20 Prozent des Kaufpreises mit Eigenkapital gedeckt werden.“

Max Herbst, Gründer der FMH Finanzberatung:

„Wer sich bereits intensiv mit dem Immobilienkauf beschäftigt, sollte jetzt nicht einfach alles stoppen. Ich würde empfehlen, weiter das ideale Objekt zu suchen, zu vergleichen und zu verhandeln. Dies gilt auch für die Finanzierungsgespräche. Man weiß ja nicht, wann die Bauzinsen wieder billiger werden und man weiß auch nicht, wie weit sie noch nach oben gehen. Es könnten auch bald fünf Prozent und mehr sein.

Um so besser ist es vielleicht sogar, jetzt mögliche Preiszugeständnisse beim Objekt zu bekommen und eine möglichst flexible Finanzierung zu finden – bestehend aus einer Zinsbindung von 15 Jahre fest mit einer großzügig ausgelegten Option, die Tilgung zu verändern. Es kommen auch wieder andere Zeiten.

Wer allerdings davon ausgeht, dass die hohen Bauzinsen nur eine begrenzte Zeit auf diesem Niveau sein werden, könnte überrascht werden, denn die Inflation wird nicht so schnell wieder auf zwei oder drei Prozent fallen. Hohe Inflation und Arbeitskräftemangel sind keine positiven Aussichten auf sinkende Zinsen und viele Neubauten.“

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