Photovoltaik-Ausbau in Emden Mit kleinen Schritten zur großen Energie-Kehrtwende
Mit ihrer Forderung nach einem „Solar-Booster“ drängt die Politik in Emden auf den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dächern. Wie zäh die Umsetzung ist, zeigt das neue Festspielhaus.
Emden - Mit großem Tamtam hatten die Fraktionen des Emder Rates der Stadtverwaltung im Sommer Beine machen wollen: In einem Acht-Punkte-Plan forderten die Vertreter aller Parteien und Gruppen deutlich mehr Tempo beim Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden. Die Rede war von einem „Solar-Booster“. Man wolle keinen „Stillstand“ mehr, sagte die Vorsitzende der SPD-Fraktion Maria Winter. Am Mittwoch nun stellte die Verwaltung im Betriebsausschuss Gebäudemanagement im Ratssaal vor, wie die geforderte Klima-Offensive auf den Dächern vonstatten gehen soll.
Zuvor waren in den vergangenen Monaten im Gebäudemanagement (GME) von Klimamanager Christoph Runden für größere Anlagen mit Spitzenleistungen ab 40 Kilowatt (kW) verschiedene Varianten durchgerechnet worden. Nummer eins: Die Stadt nimmt den Ausbau über das GME selbst in die Hand, inklusive Planung, Finanzierung und Betrieb. Nummer zwei: Man setzt auf die Stadtwerke als stadtnahes Partnerunternehmen. Und drittens: Man sucht sich zur Umsetzung externe Partner, also nicht-öffentliche Investoren oder Unternehmen.
Es geht nicht ohne Partner
Am Ende folgte der Ausschuss einstimmig der Empfehlung von Christoph Runden, der im Namen der Stadt die Kooperation mit den Stadtwerken favorisiert. Das heißt: Bei Photovoltaik-Anlagen bis zu einer Spitzenleistung von 40 kW soll das GME den Ausbau mit Eigenmitteln selbst vorantreiben. Für die größeren Projekte soll sich der städtische Eigenbetrieb nach geeigneten Partnern umsehen und dabei vor allem die Stadtwerke aufsuchen.
Ob sich der erhoffte „Solar-Booster“ auf diese Weise einstellt, ist allerdings zweifelhaft. So dämpfte Stadtbaurätin Irina Krantz noch in der Ausschusssitzung allzu hohe Erwartungen: Die Stadtwerke, sagte sie, könnten „nur ein größeres Invest pro Jahr“ umsetzen. Auch dort sind die Kapazitäten begrenzt.
Neues Dach bleibt ungenutzt
Wie schwerfällig die große Kehrtwende in Energiefragen im öffentlichen Raum ist, zeigt darüber hinaus das Beispiel Festspielhaus. Das ehemalige Neue Theater im Emder Kulturviertel wird derzeit für rund 4,7 Millionen Euro kernsaniert und umgebaut. Das Ziel: Der Veranstaltungssaal soll auch energetisch zukunftsfit gemacht werden. Dafür werden Wände gedämmt, Fenster ausgetauscht und eine neue Lüftungsanlage eingebaut. Aber obwohl das neue Dach des neuen Foyers für die Installation von Photovoltaik-Anlagen geeignet ist, bleibt die Fläche ungenutzt.
Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle der Stadt dazu, dass „gemäß der Förderrichtlinien“ kein Zuschuss für den PV-Ausbau zu erwarten gewesen wäre. Ohne Aussicht auf Drittmittel für die Errichtung einer 29 kW starken Anlage hat sich die Stadt bei der ursprünglichen Sanierungsplanung gegen eigene Investitionen entschieden. Neben fehlender finanzieller Unterstützung verweist die Pressestelle auch auf rechtliche Rahmenbedingungen, die ihr die Eigeninitiative erschwerten.
Weil die von einer PV-Anlage auf dem Dach gewonnene Energie ohne teuren Speicher nicht im Festspielhaus verbraucht werden könne, müsste der Strom eingespeist werden. Stattdessen wolle man warten, bis „im Zuge technischer Weiterentwicklungen und der Schaffung praktikabler rechtlicher Rahmenbedingungen“ der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um eine PV-Anlage „nachzurüsten“, so die Stadt. Im Übrigen werde gegenwärtig „an einer Gesamtlösung für das Kulturviertel Emden gearbeitet“, lässt die Pressestelle wissen.