Verzögerung an Fockenbollwerkstraße  Hiobsbotschaft für Großbaustelle in Aurich

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 05.10.2022 07:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fockenbollwerkstraße ist im Moment eine Großbaustelle. Foto: Luppen
Die Fockenbollwerkstraße ist im Moment eine Großbaustelle. Foto: Luppen
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Die Bauarbeiten an der Fockenbollwerkstraße ziehen sich womöglich bis 2024 in die Länge und werden deutlich teurer. Grund ist ein plötzlicher Sinneswandel der Stadt Aurich.

Aurich - An einer Großbaustelle in Aurich droht Ungemach, wenn nicht gar eine „mittlere Katastrophe“, wie es hinter vorgehaltener Hand heißt: Der Umbau der Fockenbollwerkstraße wird womöglich einige Monate länger dauern als geplant und um einiges teurer – und das nicht etwa, weil die Arbeiter in Verzug wären oder das Material knapp würde, nein: Der Stadt Aurich ist auf einmal aufgegangen, dass der mehr als 50 Jahre alte Regenwasserkanal nun doch erneuert werden soll, inklusive der Hausanschlüsse. Es geht um einen rund 550 Meter langen Abschnitt auf der Nordseite der Straße. Offiziell bestätigen will das noch niemand, doch die Redaktion hat es aus zwei zuverlässigen Quellen erfahren.

Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) wiegelt ab. „Es gibt dort ein Thema, das ist in der Tat so“, sagte er am Dienstag auf Anfrage. „Aber ob das Auswirkungen hat, müssen wir klären. Dazu sind wir in Gesprächen.“ Für diese Woche seien mehrere Termine mit den Planern und den ausführenden Firmen anberaumt. „Dann müssen wir schauen, ob das ein Thema ist oder nicht.“ Ziel sei immer noch, „dass wir das Ganze zeitgerecht fertig bekommen“, so Feddermann. Dazu könne er sich voraussichtlich erst in der kommenden Woche äußern.

„Da ist Druck auf dem Kessel“

Bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und bei der Firma Strabag, die die Arbeiten ausführt, herrscht dem Vernehmen nach Entsetzen, da damit die ganze Planung über den Haufen geworfen würde. Der Zustand des Regenwasserkanals sei lange bekannt, heißt es. Er sei nicht mehr tragbar. Dennoch habe die Stadt keinen Auftrag erteilt, den Kanal zu erneuern. Woher der plötzliche Sinneswandel rührt, sei unklar.

Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Grafik: Will
Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Grafik: Will

Über das Thema ist nach Informationen dieser Zeitung in der vergangenen Woche im Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt gesprochen worden. Der VA ist das höchste Organ nach dem Rat. Er tagt stets nicht öffentlich. Dem Vernehmen nach geht es jetzt um die Schuldfrage und um Haftungsfragen. „Da ist Druck auf dem Kessel“, heißt es. Schlimmstenfalls müsse die Baustelle vorübergehend stillgelegt werden. Auch eine Vollsperrung der Straße könne nicht ausgeschlossen werden. Momentan ist sie nur halbseitig gesperrt. In Richtung Innenstadt (Ostertorkreuzung) kann die Baustelle passiert werden, damit Feuerwehr und Rettungsdienst weiterhin schnelle Ausrückzeiten sicherstellen können. Der Verkehr aus Richtung Leer und Wittmund wird weiträumig umgeleitet.

Eine der meistbefahrenen Straßen

Mit 15.000 Autos und 2500 Fahrrädern am Tag gehört die Fockenbollwerkstraße zu den meistbefahrenen Straßen Aurichs. Die rund 600 Meter lange Straße im östlichen Stadtgebiet ist Teil der Landesstraße 34. Seit Juni wird sie erneuert. Sie erhält eine neue Fahrbahn, neue Rad- und Gehwege. Einige Parkstreifen fallen weg. Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Platz. Außerdem wird aus dem Knotenpunkt am östlichen Ende (Richtung Krankenhaus) ein Kreisverkehr. Das alles dauert bis Ende 2023 – wenn der Zeitplan nicht über den Haufen geworfen werden muss.

In Richtung Innenstadt ist die Straße trotz der Bauarbeiten befahrbar. Foto: Luppen
In Richtung Innenstadt ist die Straße trotz der Bauarbeiten befahrbar. Foto: Luppen

Frank Buchholz, der die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich leitet, will sich an Spekulationen über eine Verzögerung nicht beteiligen. „Momentan liegen wir sehr gut in der Zeit.“ Die Arbeiten am neuen Geh- und Radweg auf der Südseite seien in vollem Gange. Als Nächstes werde die Fahrbahn in Angriff genommen. Ende November solle der Asphalt eingebaut werden. Da das auf der Südseite der Fahrbahn passiert, wären etwaige Arbeiten am Regenwasserkanal davon unberührt.

„Die großen Staus sind nie eingetreten“

Auch mit den Umleitungen funktioniere es im Großen und Ganzen gut, sagt Buchholz. „Die großen Staus, die wir befürchtet haben, sind nie eingetreten.“ Er könne jedoch nicht sagen, wie es nach dem Jahreswechsel weitergeht, sagt der Behördenleiter. Dann sollen laut Plan Gehweg, Radweg und Fahrbahn auf der Nordseite der Fahrbahn erneuert werden – dort, wo besagter Regenwasserkanal verläuft.

Im ehemaligen Fahrradgeschäft „Drahtesel“ hat die Straßenbaubehörde ein Baustellenbüro eingerichtet. Die Sprechzeiten sind mittwochs von 9 bis 10 Uhr, vor der Baubesprechung der beteiligten Unternehmen. Die Behörde hat zudem eine Website eingerichtet, auf der tagesaktuell über die Bauarbeiten und ihre Begleiterscheinungen wie Verkehrsführung und Lieferverkehr berichtet wird. Dort können auch Fragen gestellt werden. Von Verzögerungen ist dort nicht die Rede – noch nicht.

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