Kolumne „Artikel 1, GG“  Vegetarisch, vegan oder wie auch immer

Canan Topçu
|
Eine Kolumne von Canan Topçu
| 05.10.2022 09:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topçu
Canan Topçu
Artikel teilen:

Das Zusammenleben werde immer komplizierter, schreibt unsere Kolumnistin. Diesmal geht es um unser Essverhalten.

Unter meinen Freunden gibt es etliche, die kein Schweinefleisch, dann welche, die grundsätzlich kein Fleisch essen, und solche, die auf jegliche tierische Lebensmittel verzichten, also vegan sind. Ich habe es mir abgewöhnt, mit Vegetariern und Veganern über Lebensmittel im Allgemeinen und Ernährung im Besonderen zu diskutieren. Lade ich zum Essen ein, ist mir wichtig, dass keiner der Gäste hungrig nach Hause geht. Ich achte darauf, dass für alle was dabei ist. Wobei es mir als leidenschaftliche Köchin eigentlich keinen Spaß macht, beim Zusammenstellen des Menüs besonderen Augenmerk auf Zutaten zu legen. Früher waren lediglich das Saisonale und der Preis der Zutaten Kriterien. Heute gilt es zu bedenken, ob Gäste vegan oder vegetarisch essen, ob sie diese oder jene Unverträglichkeit haben.

Das Zusammenleben wird immer komplizierter! Das dachte ich einmal mehr am Montag beim Geburtstagsbrunch meiner Freundin. Es war – natürlich – auch auf ihrem Büfett für jeden was dabei. Also auch veganes und vegetarisches Backwerk. Und es gab – aus meiner Sicht – einen unnötigen Zwist mit einem orthodoxen Veganer.

Der herkömmlich zubereitete Käsekuchen stand neben der veganen Schwarzwälder Kirschtorte. Nichts ahnend griff ich zum Tortenschieber, der so genannten Schwarzwälder Kirschtorte, nahm mir damit ein Stück vom Käsekuchen und legte den Tortenschieber wieder zum veganen Backwerk. Das hätte ich nicht machen dürfen! Der Veganer erklärte mir, nun könne er den Tortenschieber nicht mehr benutzen, weil sich ja darauf Reste vom Käsekuchen befänden. Schlagfertig, wie ich sein kann, erwiderte ich unwirsch: „Geht’s noch? Man kann es auch übertreiben! In dem Käsekuchen ist kein Gift!“ Akzeptiert und mich entschuldigt hätte ich mich wohl, wenn Lebensmittelallergie der Grund für solch ein rigides Verhalten ist – oder ein religiöser. Vielleicht muss ich mein Denken justieren, damit ich gelassener werde, in dem ich vegane Ernährung auch als eine Form von religiöser Praxis bewerte.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Ähnliche Artikel