Hamburg  Warum es schwieriger werden wird, einen günstigen Kredit zu bekommen

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 04.10.2022 10:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Lebenskosten steigen - das kann die Kreditwürdigkeit in den Keller ziehen. Foto: imago images/Michael Weber
Die Lebenskosten steigen - das kann die Kreditwürdigkeit in den Keller ziehen. Foto: imago images/Michael Weber
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Laut Sparkassenverband braucht ein Haushalt ein Nettoeinkommen von 3600 Euro, nur um seine Ausgaben zu decken. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern.

Seit Jahren steigen die Mieten, seit einigen Monaten kommen hohe Inflation sowie stark steigende Kosten für Energie und Lebensmittelpreise dazu. Das Ergebnis: Nach Berechnungen des Sparkassenverbands können 60 Prozent der Haushalte in Deutschland nicht mehr sparen. Selbst bei einem Haushaltsnettoeinkommen von 3600 Euro bleibt nichts mehr übrig, so der Verband.

Die Kostenentwicklung erschwert jedoch nicht nur den Alltag. Dorothea Mohn, Finanzexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband, sagte unserer Redaktion: „Die Preissteigerungen wirken grundsätzlich negativ auf die Kreditwürdigkeit.“ Je höher die Lebenshaltungskosten, desto weniger bleibt vom Einkommen übrig. Das verfügbare Einkommen eines Antragstellers entscheidet jedoch mit darüber, wie kreditwürdig er ist. Das bedeutet: Ein hohes Einkommen oder viel Eigenkapital werden immer wichtiger für gute Konditionen. Ist beides nicht vorhanden, droht häufiger die Absage eines Kreditanbieters.

Bevor eine Bank einen Kredit vergibt, muss sie per Gesetz – Paragraf 505a BGB – die Kreditwürdigkeit des Antragsstellers prüfen. Das soll Kreditinstitute vor Zahlungsausfällen und Verbraucher vor Überschuldung schützen.

Bei Immobilienkrediten sind Banken bereits strenger geworden. In einer dpa-Umfrage aus September gaben mehrere Banken an, dass sie Pauschalen für Lebensunterhaltungskosten bei der Kreditprüfung mittlerweile höher ansetzen. Das könne problematisch für die Anschlussfinanzierung nach der Zinsbindung werden, wenn Banken möglicherweise viel höhere Zinsen verlangten, warnte Dorothea Mohn.

Interhyp, Deutschlands größter Vermittler privater Baufinanzierungen, beobachtet ein verändertes Verhalten der Banken. Die Pauschalen bei der Haushaltsrechnung für die Lebenshaltung- und Bewirtschaftungskosten sowie die Kfz-Pauschalen seien um 10 bis 15 Prozent erhöht worden, sagt die Vorständin für das Privatkundengeschäft, Mirjam Mohr. Teils reagierten Banken auch auf strengere Vorgaben der Finanzaufsicht Bafin, die ihnen neue Kapitalpuffer für Wohnimmobilienkredite vorgeschrieben hat.

Bei der Deutschen Bank etwa spielen die höheren Verbraucherpreise bei der Kreditvergabe eine Rolle. Ein Sprecher sagte: „Aufgrund der stark gestiegenen Inflationsrate, getrieben insbesondere von hohen Energiepreisen, mussten wir unsere Mindestanforderungen an Lebenshaltungs- und Bewirtschaftungskosten im Rahmen der Bonitätsbetrachtung nach oben anpassen.“ Eine erhöhte Ablehnungsquote beobachte man noch nicht.

Für die Commerzbank teilte ein Sprecher dagegen mit: „Gestiegene Finanzierungskosten und Lebenshaltungskosten führen derzeit dazu, dass möglicherweise nicht jeder Finanzierungswunsch erfüllt werden kann.“ Die steigenden Energiekosten und sonstige von der Inflation beeinflussten Ausgaben würden „über höhere Haushaltspauschalen berücksichtigt“.

Die Direktbank ING teilte mit: „Auch die Lebenshaltungskosten prüfen wir bei Anträgen aktuell besonders.“ Die Ablehnungsquote sei jedoch bisher kaum verändert.

Um die eigene Kreditwürdigkeit zu verbessern, rät Verbraucherschützerin Dorothea Mohn zum einen: „Ausgaben senken und Einnahmen erhöhen – sofern das möglich ist.“ Zum anderen sollten Verbraucher überprüfen, ob ihre Daten bei der Auskunftei Schufa korrekt sind. Denn auch der sogenannte Schufa-Score spielt eine Rolle für eine Kreditvergabe.

Die Deutsche Bank empfiehlt „den Einsatz von ausreichendem Eigenkapital und/oder – soweit möglich - eine höhere Tilgung“.

Dorothea Mohn befürchtet, dass mehr Verbraucher die Dispokredite ihre Konten nutzen müssen – für die in der Regel hohe Überziehungszinsen anfallen. Wegen der Preiserhöhungen hält die Verbraucherschützerin außerdem „noch aggressivere“ Werbung für kreditfinanzierte Käufe mit Ratenzahlungen, steigende Kreditzinsen, mehr Kreditausfälle sowie einen Anstieg bei Privatinsolvenzen für möglich.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die Kreditinstitute deshalb auf, im Fall von Zahlungsschwierigkeiten flexible Lösungen mit den Kreditnehmern zu finden. „Dabei darf der Kredit aber nicht für den Verbraucher teurer werden“, so Dorothea Mohn. Außerdem will der Verband, dass wucherische Zinsen und Kreditkosten gesetzlich ausgeschlossen werden. Das ist unter anderem Teil der EU-Verbraucherkreditrichtlinie, die gerade in Brüssel verhandelt wird.

(Mit Material von dpa.)

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