Personalengpässe Immer wieder werden ostfriesische Rettungswagen abgemeldet
Ostfriesische Rettungsdienste müssen aufgrund von Personalausfällen immer wieder Fahrzeuge abmelden. Es gibt offenbar zu wenig Reservekräfte. Wie dramatisch sind die Versorgungsengpässe in der Region?
Ostfriesland - Bei der Rettungsdienst-Versorgung in Ostfriesland gibt es Personalengpässe. Im Juli berichtete unsere Zeitung aus dem Gesundheitsausschuss des Auricher Kreistags, dass im ersten Halbjahr phasenweise „mehr als ein Drittel“ der Rettungsdienst-Mitarbeiter ausgefallen sei – so schilderte es Ordnungsamtsleiter Marcel Schäfer vor dem Gremium.
Anfang September berichtete unserer Zeitung aus dem Ausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice des Emder Rates: „Tatsächlich fällt es Rettungsdiensten immer schwerer, allen Anforderungen schnellstmöglich gerecht zu werden, bestätigt Andree Heinks, Geschäftsführer und Leiter der Rettungsdienstgesellschaft DRK/Stadt Emden. Als Grund nennt er steigende Einsatzzahlen und längere Fahrtwege sowie eine stark angespannte Personallage.“
Wird Rettungskräften beim DRK mit Kündigung gedroht?
Kurz vorher, Ende August, hatte sich ein Hinweisgeber bezüglich des DRK-Rettungsdienstes im Kreis Leer in unserer Redaktion gemeldet: Bei den Rettungswagen der Leeraner Wache gebe es am nächsten Tag Besetzungsprobleme – auch in Weener sei mit einer Abmeldung zu rechnen, schrieb er. Die Rettungsdienstleitung versuche nun Druck aufzubauen, um Leute zu finden: „Man droht mit Kündigung, wenn man keinen Dienst übernimmt.“
Daraufhin hat unsere Zeitung eine Anfrage an den DRK-Rettungsdienst gerichtet. Die Frage, ob Beschäftigten mit Kündigung gedroht worden sei, falls sie keine Dienste übernähmen, verneinte Geschäftsführer Markus Wucherpfennig. Sollte es solche Drohungen ohne seine Kenntnis gegeben haben, bitte er um Hinweise aus der Belegschaft, betonte er in einem Telefonat.
Personalengpässe gibt es auch beim Rettungsdienst im Kreis Leer
Von Personalengpässen berichtet derweil auch Wucherpfennig. Aufgrund der erhöhten Personalausfälle wegen Corona-Infektionen „war es nicht zu 100 Prozent möglich, alle Schichten zu besetzten“. Die Folge: „Von verspätetem Dienstbeginn bis hin zum Ausfall von einzelnen Schichten sind wir leider betroffen gewesen.“ Der Stellenschlüssel, wie er sich aus der Rettungsdienstbedarfsplanung ergebe, ist laut Wucherpfennig erfüllt.
Der Krankenstand habe in den vergangenen Monaten „an einzelnen Tagen bei höchstens 14 von insgesamt 120 Mitarbeitenden“ gelegen, so der Rettungsdienst-Geschäftsführer des DRK. Monatlich seien rund 700 Schichten zu besetzen: „Davon konnten im April drei, im Mai sechs, im Juni neun, im Juli sechs und im August vier nicht besetzt werden.“
Wie viele Rettungswagen fallen ostfrieslandweit aus?
Wie dramatisch sind die Engpässe in der Rettungsdienst-Versorgung? Um ostfrieslandweit einen Überblick zu bekommen, hat unsere Zeitung Ende August bei den Rettungsleitstellen in Emden und Wittmund angefragt, welche Ausfälle bei Rettungswagen, Notarztwagen und Krankentransportwagen seit 1. April zu verzeichnen waren und ob es Kapazitätsengpässe gab.
Die Stadtverwaltung Emden nannte Mitte September fahrzeugtypenübergreifend einen Gesamtwert: „Im Zeitraum vom 1. April 2022 lag die geplante Vorhaltung bei 16.026 Stunden.“ Dabei sei es zu einer Unterschreitung „von nur 80 Stunden“ gekommen, „was einen Anteil von nur 0,5 Prozent ausmacht“.
Es gibt nicht genug Rettungskräfte als Reserve
Fahrzeugabmeldungen könnten in Ausnahmefällen nicht verhindert werden, wenn ein Besatzungsmitglied krankheitsbedingt kurzfristig ausfalle: „Aufgrund der hohen Einsatzbelastung ist es gegenwärtig deutlich schwerer, unter Einhaltung der Arbeitszeitvorschriften Ersatzpersonal einzuplanen“, so die Stadtverwaltung. Eine „Rund-um-die-Uhr Vorhaltung von Ersatzkräften“ sei aufgrund der Ausbildungserfordernisse nicht darstellbar: „Zudem entstünden dadurch zusätzliche Kosten für Rufbereitschaftsdienste.“ Aber: „Ein Indiz für Engpässe ist die Nichteinhaltung der Hilfsfrist. Diese wird bei uns eingehalten.“
Antworten der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland in Wittmund stehen noch aus. „Die Auswertung der Fahrzeugabmeldungen ist leider sehr umfangreich“, so der Leiter Tomke F. Albers. Sie würden zwar täglich dokumentiert, aber nicht auf statistisch auswertbare Weise. Eine bereits angekündigte Beantwortung der Fragen musste er krankheitsbedingt verschieben.
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Personalnot – ostfriesische Rettungsdienste melden Fahrzeuge ab