Reiseführer im Vergleich Alt, neu oder digital – woher gibt es die besten Reisetipps?
Reiseführer und Ausflugstipps sind nur etwas für Touristen? Von wegen, auch für Einheimische kann sich ein Blick in die Ausflugstipps lohnen.
Krummhörn - Wer plant, zu verreisen, informiert sich vorab, wohin es sich überhaupt lohnt zu fahren. Erster Anlaufpunkt ist heutzutage dabei vor allem das Internet. Aber auch gedruckte Reiseführer werden immer noch gebraucht und können selbst Einheimische überraschen – manchmal lohnt sich auch ein Blick in fast vergessene Ausgaben.
Für Ostfriesland insgesamt gibt es einige gedruckte Reiseführer, manche mit und manche ohne Karten. Um trotz der gedruckten Form nicht seine Aktualität zu verlieren, bietet zum Beispiel der Reiseführer von Marco Polo die Verbindung zu einer kostenlosen Touren-App. Aber braucht es die gedruckte Version überhaupt noch? Wir haben einen Vergleich zwischen Informationen aus dem Internet, einem neuen Reiseführer für die Krummhörn und einem alten Reiseführer für Ostfriesland von um 1900 gezogen.
Unübersichtlichkeit des Online-Angebots
Auf der Touristikwebsite Tripadvisor – übersetzt Ausflugsratgeber –, die Nutzern Erfahrungsberichte bietet, um den Urlaub zu planen, gibt es ganze 70 Restaurant-Empfehlungen für die Krummhörn. Dafür aber nur neun Sehenswürdigkeiten, wenn man denn die Tourist-Info Pewsum im Rathaus dazuzählen möchte. Die Ostfriesland Tourismus GmbH hat ebenfalls einige Sehenswürdigkeiten zusammengetragen. Zwölf Stück sind auf der Website zu finden – allerdings mit Fokus auf Greetsiel und Campen.
Bei der Website des Routenplaners Komoot gibt es immerhin „Die 20 schönsten Ausflugsziele rund um Krummhörn“, aufgeteilt in Fahrrad- und Wander-Highlights. Beim Durchsehen merkt man jedoch schnell, dass sich hier einige Ziele doppeln, da verschiedene Nutzer Einträge für den Pilsumer Leuchtturm oder den Greetsieler Hafen angelegt haben.
Ein einziger Reiseführer für die Krummhörn
Für die Krummhörn selbst gab es bisher, so die Buchhandlung Lesezeichen in Emden, keinen eigenen Reiseführer. „In diesem Zusammenhang darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass es unzählige Reiseführer über Ostfriesland gibt, in denen die Krummhörn eine große Rolle spielt“, findet Wiebke Leverenz von der Ostfriesland Tourismus GmbH.
Seit August gibt es nun „111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss“. Ein etwas anderer Reiseführer, denn statt Ausgeh-Tipps geht es rein um besondere Orte, die in anderen Reiseführern oft vergessen oder übergangen würden, so Bernd Flessner, der das Buch zusammen mit seiner Tochter Hannah Fleßner geschrieben hat (Lesen Sie hier das Interview dazu). Die besondere Herangehensweise hält auch für Einheimische garantiert die ein oder andere Überraschung bereit.
So war die Krummhörn vor 120 Jahren
Gleiches gilt für einen recht genau 120 Jahre alten Reiseführer: den „Führer durch Ostfriesland, die Nordsee-Bäder, Jever u. Umgebung“ von Albert Stockvis, erschienen im Emder Schwalbe-Verlag. Die Texte zeigen, wie sehr sich Reiseführer in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben. Nicht nur werden heute wohl kaum noch Reiseführer „huldvollst“ dem „Fürsten zu Inn- und Knyphausen“ gewidmet. Auch die Stärke des fast 200 Seiten starken Werkes, in dem es nur eine sehr überschaubare Anzahl an Abbildungen gab, dürfte heutzutage aufgrund der Textfülle abschrecken. Dafür bietet der Reiseführer auf den wenigen Bildern manchmal Einblicke in orte, die entweder nicht mehr existieren oder nicht mehr zugänglich sind. Insgesamt 20 Routen quer durch Ostfriesland und Friesland hat Stockvis gesammelt. Wichtig für die heutige Krummhörn: Route 12 „Emden-Pewsum-Greetsiel“. Empfohlen wird die Kleinbahn von Emden nach Pewsum und von dort mit dem Omnibus nach Greetsiel. Alternativ könnte man von Emden ins Fischerdorf auch mit dem Motorboot „Juliana“ gelangen.
Doch welche Sehenswürdigkeiten empfiehlt Stockvis 1902? Definitiv mehr als heutzutage „Tripadvisor“, aber nicht so viele wie die „111 Orte“. Zu nennen ist hier Uttum (ansehnliches Kirchdorf, Molkerei, Mühle“), Jennelt („freundliches Kirchdorf mit Mühle“) mit dem „Sarg des Feldmarschalls Dodo von Knyphausen, oder die „stattliche Kirche“ in „Gross-Midlum“, bis man im „ansehnlichen Flecken“ Pewsum ankommt. Groothusen, Woquard, Manslagt, Visquard, Dykhusen, Eilsum und eigentlich auch alle anderen Orte der heutigen Krummhörn werden ebenfalls, mindestens kurz, erwähnt. Und in Greetsiel mit seiner „Seebadeanstalt“ werden sogar Arzt und Apotheke erwähnt. Der große Vorteil: Den Reiseführer gibt es kostenlos als PDF im Bibliothekssystem der Ostfriesischen Landschaft. Also, warum nicht einmal am Wochenende vergleichen, wie sich die Krummhörn oder andere Teile Ostfrieslands in 120 Jahren verändert haben?
Fazit zu Reisetipps in digitaler und gedruckter Form
Lohnt sich jetzt ein Blick in einen gedruckten Reiseführer oder reicht das Internet? Die Antwort ist recht eindeutig: Reiseführer sind immer noch wichtig, denn kaum ein anderes Angebot bündelt so gezielt die gewünschten Informationen. Aber es kommt auf den Reiseführer und den Zweck an.
Auch für Einheimische kann sich daher der Blick in den Reiseführer lohnen. Manchmal auch zur eigenen Erheiterung, denn: Sowohl bei Reiseführern als auch noch mehr bei Seiten im Netz gibt es die Exemplare, deren Autoren offenbar noch nie vor Ort waren. Machen Sie sich mal den Spaß und suchen nach Ihrem Heimatdorf. Besonders schöne Fundstücke der Unkenntnis nehmen wir gerne unter red-emden@zgo.de entgegen.
Gedruckte Reiseführer haben noch lange nicht ausgedient. Das bestätigen Ergebnisse einer Umfrage, die die Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) in diesem Sommer mit 1023 Urlauberinnen und Urlauber durchgeführt hat. Im Rahmen der Befragung ging es sowohl um die Printprodukte der Tourismus GmbH als auch um eine allgemeine Einschätzung. „Wenn es um die beliebteste Informationsquelle für Reisen geht, nimmt mit 76 Prozent die Webseite der Tourismusorganisation Platz 1 ein, 66 Prozent nutzen gerne die Prospekte der Tourismusorganisation und Platz 3 belegen Reiseführer und Reiseliteratur mit 46 Prozent“, teilt Sprecherin Wiebke Leverenz die Ergebnisse der Umfrage mit. „Hier zeigt sich ganz klar auch immer noch eine große Relevanz bei den Printprodukten.“ „Dass gedruckte Reiseführer nach wie vor beliebt sind, erkennt man auch daran, dass es fortlaufend neue Veröffentlichungen gibt und dies auch auf eine entsprechende Nachfrage hindeutet“, erklärt Leverenz. „Sie spielen bei der Urlaubsplanung vom heimischen Wohnzimmer aus eine wichtige Rolle. Zudem dienen sie als allgemeine Reiseinspiration und unterstützen den Gast während des Aufenthaltes bei der Gestaltung des Urlaubsprogramms“, meint die Sprecherin. OTG selbst bringe jedes Jahr kostenfreie Printprodukte mit einigen Tipps für Touristen heraus. Die Auflage dabei liege bei 50.000 Exemplaren. Das Internet macht den gedruckten Empfehlungen für Reisen zwar Konkurrenz, dennoch scheint eine Koexistenz möglich. Der Aspekt der Aktualität sei bei der Konzeption eines Reiseführers aber von vorneherein zu berücksichtigen. „Natürlich hat man im Internet andere Möglichkeiten der Verknüpfung und der direkten Berücksichtigung von Neuerungen, aber es existieren viele Highlights und Geheimtipps, die immer Gültigkeit haben und nie an Relevanz verlieren“, findet Leverenz. Bei vielen Reiseführern werde die Aktualität meist durch eine Neuauflage nach zwei bis drei Jahren gewährleistet. Dabei würden nicht nur ältere Menschen Reiseführer kaufen, wobei das bei klassischen Varianten tendenziell schon so sei, schätzt die Tourismus-Sprecherin. Allerdings habe sich die Form auch ein wenig gewandelt. Das Angebot sei facettenreicher geworden: „In den letzten Jahren sind viele Veröffentlichungen dazu gekommen, wie ‚Die besten Plätze für …‘, ‚Die schönsten Ausflugsziele in …‘, ‚99 Plätze…‘ und so weiter“, zählt Leverenz auf. „Diese Art der Informationsvermittlung zeigt sich bei den Urlaubern zunehmend beliebt und spricht durchaus jüngeren Zielgruppen an.“Neue Formate sprechen an
111 kleine Geschichten aus der Krummhörn und wie es dazu kam
Greetsiel hat jetzt eine eigene „App“
Diese Ausflugsziele in Ostfriesland sind laut Tripadvisor beliebt