Innovativ, hochmodern, ökologisch wertvoll  In Leer soll ein Stadtviertel der Extra-Klasse entstehen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 29.09.2022 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch ist hier nur grüne Wiese, innerhalb der nächsten 20 Jahre soll südlich der Eisinghausener Straße ein innovatives Stadtviertel entstehen. Foto: Ortgies
Noch ist hier nur grüne Wiese, innerhalb der nächsten 20 Jahre soll südlich der Eisinghausener Straße ein innovatives Stadtviertel entstehen. Foto: Ortgies
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So groß wie 90 Fußballfelder, energetisch, ökologisch und technisch erste Sahne – in Leer soll ein ganz besonderes Stadtviertel entstehen. Das Beste: Die Stadt kostet es fast nichts.

Leer - „Das ist ein richtig großes Ding, wie es das in Leer wahrscheinlich noch nicht gegeben hat“: Bürgermeister Claus-Peter Horst gerät ins Schwärmen, wenn er von dem Projekt erzählt, zu dem jüngst die Politik ihr grundsätzliches Einverständnis gegeben hat: Südlich der Eisinghausener Straße und östlich der Eisenbahnstrecke in Richtung Emden soll ein großes, neues und hochmodernes Stadtviertel entwickelt werden. 63 Hektar – so groß wie 90 Fußballfelder – soll es umfassen.

Was und warum

Darum geht es: Südlich der Eisinghausener Straße soll ein innovatives, hochmodernes und ökologisch wertvolles Stadtviertel entstehen.

Vor allem interessant für: alle, die nach Leer ziehen oder in Leer in einem innovativen Quartier wohnen wollen, Firmeninhaber

Deshalb berichten wir: Bürgermeister Horst hatte im Wahlkampf angedeutet, eine Fläche im Auge zu haben, auf der Großes entstehen könnte. Jetzt ist er mit der Sprache herausgerückt.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

„Energetisch, ökologisch, technisch, verkehrstechnisch: Wir wollen den allerhöchsten Standard, den es gibt“, sagt Horst. Das sei auch mit dem Investor so abgestimmt. Das ist die Niedersächsische Landesgesellschaft (NLG), eine GmbH, die zu 52 Prozent dem Land Niedersachsen gehört und zu 48 Prozent unter anderem Landkreisen, Städten und Gemeinden. Sie habe sich von der Gesamtfläche schon 39 Hektar gesichert und stehe im Gespräch mit den übrigen Grundstückseigentümern, berichtet Horst.

Verschiedenste Wohnformen

Er kündigt an, dass es in dem neuen Wohngebiet verschiedenste Wohnformen geben werde, vom generationsübergreifenden Wohnen über andere Wohngemeinschaften bis zu klassischen Ein- und Mehrfamilienhäusern. Auch die politische Forderung nach mindestens einem Viertel der Wohnfläche als Sozialem Wohnungsbau werde erfüllt werden. Die vorhandenen Waldstrukturen blieben erhalten. Auch sonst werde es viel Grün geben.

Zu dem Gebiet soll auch ein Gewerbegürtel gehören, der sich vom Gewerbegebiet auf der anderen Seite der Heisfelder Straße nach Osten entwickeln wird. Anders als in dem Gewerbegebiet werde es aber nur eine Reihe von Firmen geben, die sich entlang der Eisinghausener Straße aufreihen werden, so Horst. Damit könne Leer einen Bedarf stillen, der bisher unbedient geblieben sei: „Im Gewerbegebiet Benzstraße finden Betriebe Platz, die vor allem die Nähe zur Autobahn und viel Platz beispielsweise für große Hallen brauchen. Auf der Nesse fühlt sich die boomende IT-Branche wohl. Aber Betrieben, die von der Innenstadtnähe profitieren, mehr als ein Bürogebäude brauchen und dazu noch ein hohes Gestaltungsniveau haben, haben wir bisher keine geeigneten Plätze anbieten können.“ Es gebe Interessenten für diese Flächen, die energieautark arbeiten wollten und womöglich noch Energie in das angrenzende Wohngebiet abgeben könnten.

Konzept der Schwammstadt

Schon im Bürgermeister-Wahlkampf im vergangenen Jahr hatte Horst davon gesprochen, wie wichtig es sei, dass bei der Stadtentwicklung darauf geachtet werde, dass Regenwasser nicht überall direkt in die Kanalisation abgegeben werde, sondern eine Zeit lang im Gebiet gehalten werden könne, beispielsweise durch wenig Versiegelung, kleine und große Rückhalteflächen, durch durchlässige Böden, die eine Versickerung möglich machen, oder durch begrünte Dächer, die die Verdunstung fördern. Fachleute sprechen vom Konzept der Schwammstadt (englisch: Sponge-City). „Das soll hier zum Einsatz kommen“, so Horst, der schon seit längerem ein Auge auf die Fläche geworfen hatte.

Ebenfalls im Wahlkampf hatte er angedeutet, dass er Pläne für ein neues Gewerbegebiet habe, über die er damals aber noch nicht reden wollte, da er noch Gespräche führen müsse. „Ja, das Gebiet hatte ich gemeint“, sagt er heute. Grundsätzlich gebe es wenige Bereiche, in die sich Leer noch entwickeln könne. Marschböden wie westlich von Multi-Süd oder Wallhecken-Areale wie im Nordosten seien problematisch. Das neue Gebiet dagegen mache eine Entwicklung für bestimmt 20 Jahre möglich.

Wie genau das aussehen könnte, werde nun von der NLG gemeinsam mit Stadtverwaltung und Politik erarbeitet. „Wir geben die Rahmenbedingungen vor, die NLG setzt die dann um“, kündigt Horst an. Große Kosten für die Stadt gebe es keine. „Das wird richtig gut“, sagt Horst.

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