Energiepreise  Gewinn von EWE bricht um 50 Prozent ein

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 29.09.2022 11:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zieht eine gemischte Bilanz: EWE-Chef Stefan Dohler. Foto: Dittrich/DPA/Archiv
Zieht eine gemischte Bilanz: EWE-Chef Stefan Dohler. Foto: Dittrich/DPA/Archiv
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Die EWE hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von fast 140 Millionen Euro erwirtschaftet – weniger als die Hälfte als im Vorjahreszeitraum. Dennoch rät der Konzern seinen Kunden zum Energiesparen.

Ostfriesland/Oldenburg - Der Oldenburger Energiekonzern EWE hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit schweren finanziellen Einbrüchen zu kämpfen gehabt. Eine Besserung ist kurzfristig nicht in Sicht. „Ich habe solche Verwerfungen in der Finanzwelt noch nicht erlebt – auch nicht in der Finanzkrise“, sagte EWE-Finanzvorstand Wolfgang Mücher am Donnerstagmorgen bei einer digitalen Bilanzpressekonferenz in Oldenburg.

Konkret geht es beim Energieversorger EWE um einen Rückgang des sogenannten operativen Ebit, also im Prinzip des Gewinns, um mehr als die Hälfte. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erwirtschaftete die EWE nach eigenen Angaben 136,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 286,8 Millionen Euro.

Gemeinschaftsunternehmen mit Enercon fährt dicke Gewinne ein

Noch bedrohlicher klingen die Zahlen, wenn man ausschließlich auf das Kerngeschäft blickt, also den klassischen Energievertrieb und -handel: Danach weist EWE im ersten Halbjahr einen Verlust in Höhe von 176,2 Millionen Euro aus. Dass unterm Strich dennoch ein positives Ergebnis steht, liegt allein an Alterric, einem Gemeinschaftsunternehmen von EWE und der Aloys-Wobben-Stiftung (Enercon), das mit Windkraft-Strom wegen der steigenden Preise derzeit dicke Gewinne einfährt.

EWE-Vorstandschef Stefan Dohler sprach angesichts der weiter steigenden Energiepreise von einem „Huckel“ in den nächsten beiden Wintern, den Deutschland überwinden müsse. „Erst 2024 wird sich die Preissituation deutlich entlasten“, sagte Dohler am Donnerstag.

Geld wird am Ende auch bei den beteiligten Kommunen fehlen

Verlierer sind schon jetzt die an EWE beteiligten Kommunen. Denn die Dividende, die EWE am Ende dieses Jahres auszahlen kann, dürfte spürbar unter den insgesamt 84 Millionen Euro des Jahres 2021 liegen.

Es gab am Donnerstagmorgen aber auch gute Nachrichten aus dem Hause EWE. Die Versorgung mit Gas ist für diesen Winter offenbar gesichert. Die von EWE genutzten eigenen Speicher seien zu mehr als 99 Prozent gefüllt. „Mit diesen gut gefüllten Speichern leisten wir einen Beitrag, um auch bei weiter ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland eine Gasversorgung im Winter zu gewährleisten“, sagte Dohler.

Vorbereitung für Betrieb des LNG-Terminals in Wilhelmshaven

Es seien aber zusätzlich erhebliche Anstrengungen im Bereich der Einsparungen erforderlich. Das galt vor allem als Appell an die Wirtschaft. Die privaten Haushalte hätten Einsparungen im kleinen zweistelligen Prozentbereich erreicht, sagte der EWE-Chef. Im Gewerbebereich sei dies noch nicht gelungen.

Hoffnung bereitet den Oldenburgern vor allem das Geschäft mit erneuerbaren Energien – sozusagen das Gegenteil des Gasgeschäfts. Das aktuell in Wilhelmshaven entstehende LNG-Terminal leiste einen wesentlichen Beitrag, um schnell unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden, so das Unternehmen. Das dort anlandende Flüssig-Erdgas werde durch den Fernleitungsnetzbetreiber OGE und EWE zu Speicheranlagen und weiterführenden Transportnetzen geleitet. Dafür plane EWE im Raum Sande eine eigene Leitung an die neue OGE-Pipeline, um die Speicherstandorte Jemgum und Huntorf anzuschließen. Die EWE-Leitung soll auf einer Länge von rund 70 Kilometern im Erdreich durch landwirtschaftliche Grundstücke von rund 1000 Eigentümern verlaufen.

EWE setzt weiterhin auch auf „grünen“ Wasserstoff

„Mit unserer Leitung sorgen wir dafür, dass rund vier Millionen Haushalte im Nordwesten und darüber hinaus sicher mit Energie versorgt werden können“, sagte Dohler. „Dieses Projekt genießt absolute Priorität – und wir streben an, bereits im kommenden Jahr die Leitung in Betrieb zu nehmen.“ Perspektivisch könne EWE die Pipeline auch für grünen Wasserstoff nutzen. Das Unternehmen errichte also nicht nur eine kurzfristige Lösung, sondern einen zentralen Baustein einer zukünftig nachhaltigen und klimaschonenden Energieversorgung.

Auch den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft setzt EWE weiterhin mit Partnern um. „Grüner Wasserstoff wird wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Energieversorgung sein“, sagte Dohler. „Wir setzen ihn schon heute ein.“ Gemeinsam mit Partnern bringe man beispielsweise Wasserstoffbusse und -müllfahrzeuge auf die Straße. Kürzlich sei ein „Meilenstein“ beim Wasserstoffspeicher im brandenburgischen Rüdersdorf erreicht worden. Außerdem unterstütze EWE in Bremen das Stahlwerk dabei, auf eine grüne Energieversorgung umzustellen.

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