Tourismus in Ostfriesland Übernachtungszahlen an der Küste sind gesunken
Im Juli sind die Übernachtungszahlen in der Region Ostfriesland gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. Woran liegt das? Und was gedenkt die Branche dagegen zu tun?
Ostfriesland - Der Juli dieses Jahres lief in der Region touristisch gesehen nicht so gut wie der Juli im Jahr 2021. Das belegen die Zahlen des niedersächsischen Landesamts für Statistik. Im ganzen Bundesland wurden die Übernachtungszahlen erhoben und mit den Vorjahreszahlen verglichen.
Auffällig dabei: Während landesweit die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr anstiegen, fielen sie lediglich an der ostfriesischen Nordseeküste. Der größte Gewinner im Landesvergleich ist die Region Hannover/Hildesheim mit einem Zuwachs von 45,5 Prozent. Ostfriesland hingegen hat 4,3 Prozent weniger Übernachtungen aufzuweisen.
Kein Alarmismus aufgrund der Statistik von Nöten
Als einen der Gründe für diese Entwicklung an der Nordseeküste nennt Kerstin Kontny, Tourismusreferentin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg, den Umstand, dass es Fluch und Segen zugleich sei, dass der vergangene Sommer sehr gut gelaufen sei. Man hätte aufgrund der damals geltenden Corona-Beschränkungen bei Auslandsreisen einen Trend zum Urlaub in Deutschland gesehen, wovon auch Ostfriesland als Tourismusregion profitiert habe, so Kontny. Nun habe sich der Effekt umgekehrt: „Reisen ins Ausland sind wieder möglich, und das nutzen die Leute. Menschen, die vielleicht letztes Jahr noch in der Region waren, fliegen vermehrt dieses Jahr in den Urlaub andernorts.“ Grund zur Panik sieht Kontny angesichts der Zahlen nicht.
Mit Blick auf den bevorstehenden Winter und die hohen Energiepreise sei fraglich, ob es sich für die Betriebe überhaupt lohnt, zu öffnen, so die IHK-Referentin. Zudem sei für Hotelbetreiber vieles unklar: Wie sollen sie für die kommenden Monate kalkulieren, wenn sie nicht einmal annähernd wissen, wie hoch die Nebenkostenabrechnung ausfallen wird? Auch wüssten sie nicht, ob öffentliche Einrichtungen – zu denen auch so manche Sauna gehöre – geschlossen werden. Auch das hätte unmittelbaren Einfluss auf die Tourismuszahlen – denn schwinden die Angebote für die Gäste, werde der Reiseort auch weniger besucht, so Kontny.
Die Branche muss wieder attraktiver werden
Erich Wagner, Vorsitzender des Dehoga-Bezirksverbands Ostfriesland, führt den Rückgang der Übernachtungszahlen auch auf die wirtschaftliche Situation der Unternehmen zurück – nicht nur in den vergangenen Wochen. Einige Hotels und Gaststätten hätten aufgrund der Corona-Krise schließen müssen, so Wagner. Das führe ihm zufolge auch zu geringeren Übernachtungszahlen als im Vorjahr. Eine weitere Schließungswelle befürchte er aber nicht, denn „ohne großartige Corona-Beschränkungen sollte es gehen, Schließungen zu verhindern“, sagt Wagner. Er wünscht sich mehr Flexibilität in der Branche: „Man sollte in der Zukunft mehr auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Angestellten eingehen.“ Man habe in Betrieben, die dies schon forcierten, sehr gute Erfahrungen gemacht. „Wenn jemand mal drei Wochenenden am Stück frei braucht, dann geht das. Das wird dann im Team aufgefangen.“ Es mache den Job im Hotel- und Gastgewerbe attraktiver und könne dem Fachkräftemangel, der ebenfalls für Schließungen sorge und gesorgt habe, entgegenwirken.
Die Krisen stimmen Wagner sogar etwas optimistisch, was die Entwicklung der Übernachtungszahlen für den Monat Juli im kommenden Jahr angeht: „Ich gehe davon aus, dass die Krisen dafür sorgen, dass auch die Preise für Flüge und Pauschalreisen wieder ansteigen werden. Das wird zu einem Effekt führen, dass wieder mehr im Inland geurlaubt wird.“
Übernachtungszahlen aus dem Juli sind irreführend
Auch die Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG), Wiebke Leverenz, gibt eine Einschätzung zu den Zahlen des Landes: „Ich würde die Zahlen nicht als Einbruch bezeichnen.“ Sie unterlägen immer Schwankungen. Zudem sei es irreführend, einen Monat isoliert als Referenzwert für qualitative Aussagen über den Gesamtzustand der ostfriesischen Tourismusbranche zu betrachten. „Allein durch Verschiebungen der Sommerferien von Jahr zu Jahr sind die Zahlen auf einen Monat gesehen nicht vergleichbar“, sagt sie. Etwa sei es sehr relevant, wann in Nordrhein-Westfalen Schulferien seien. Darüber hinaus weist Leverenz darauf hin, dass die Zahlen im Vorjahr sehr gut ausgesehen und sogar die aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 überstiegen hätten. Dadurch sei es schwer gewesen, das hohe Niveau aus 2021 in diesem Jahr wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen.
Mit Blick auf den Winter äußert sich Leverenz auch zu konkreten Maßnahmen: „Wir haben keine politische Handhabe, können also nicht so direkt und so unmittelbar helfen wie die Politik. Wir machen vor allem Marketing.“ Man wolle der Branche aber dennoch Hilfestellungen geben, in etwa Rechtsberatung für Unternehmen einholen und diese dann massenwirksam verbreiten.