Schließungen angekündigt  Politiker im Landkreis Leer kritisieren die Sparkasse

Karin Lüppen Tobias Rümmele
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Von Karin Lüppen und Tobias Rümmele
| 27.09.2022 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Sparkasse wird für ihre Schließungen kritisiert. Foto: Ortgies
Die Sparkasse wird für ihre Schließungen kritisiert. Foto: Ortgies
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Die Entscheidung des Kreditinstituts, acht Standorte bis Ende März zu schließen sorgt für große Enttäuschung. Einige Politiker glauben, dass die Schließungen dauerhaft sein werden.

Landkreis Leer - Die Ankündigung der Sparkasse Leer-Wittmund, eine Reihe von Filialen vorübergehend oder dauerhaft zu schließen, sorgt bei Lokalpolitikern im Landkreis Leer für Kritik. Die Bank hatte diesen Schritt mit der Einsparung von Energie über die Wintermonate begründet und eine Wiedereröffnung einiger Filialen im März 2023 in Aussicht gestellt.

Was und warum

Darum geht es: Die Sparkasse Leer-Wittmund will mehrere Filialen und Geldautomaten schließen, um Energie zu sparen. Wie kommt das in den betroffenen Orten an?

Vor allem interessant für: Kunden der Sparkasse und andere, die Bargeld wollen

Deshalb berichten wir: Wir haben in den betroffenen Orten gefragt, was die Schließungen bedeuten, und bei den Raiffeisen-Volksbanken, ob sie etwas ähnliches planen.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

„Es ist offensichtlich, dass die Energiekrise genutzt wird, um die vorerst temporäre Schließung von Sparkassenfilialen zu rechtfertigen“, heißt es in einer Mitteilung der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Leer. Es sei bedauerlich, dass die Sparkasse ihre Zweigstelle in Heisfelde vorerst nicht mehr öffnen wolle.

Bürgermeister erfuhr es aus der Presse

Kritik kommt auch vom Filsumer Bürgermeister Bernhard Gathen (CDU). „Es ist sehr schade, dass wir das aus der Zeitung erfahren“, sagt er. Nachdem die Filiale in Filsum geschlossen worden ist, müssten Kunden der Sparkasse nach Leer oder Remels ausweichen. „Gerade für ältere Menschen ist das sehr schade“, so Gathen. Der Bürgermeister pocht darauf, dass die Schließung tatsächlich nur während der Wintermonate gelten soll. „Ich hoffe, dass die Sparkasse zu ihrem Wort steht.“

Diese Hoffnung besteht derzeit auch in Möhlenwarf, wo ebenfalls über die Wintermonate die Sparkassen-Zweigstelle geschlossen bleiben wird. „Ich gehe davon aus, dass es im März weitergeht“, so Garrelt Janssen (SPD), Ortsvorsteher von Möhlenwarf. „Es ist ein Sterben auf Raten.“ In einigen Jahren gebe es vermutlich nur noch wenige Filialen im Landkreis Leer. „Die Tendenz geht dahin, dass die Filiale ganz schließt. Der erste Schritt war schon die Einschränkung der Öffnungszeiten während der Corona-Pandemie“, sagt Janssen. Gerade ältere Bürger litten unter dieser Entwicklung.

Gefahr von Explosionen

Verständnis für die Entscheidung der Sparkasse kommt hingegen aus Stapelmoor. Ortsvorsteher Bernhard Siemons begründet diese mit der Gefahr von Automaten-Sprengungen, die im Grenzgebiet immer wieder vorkamen. Über die Sparkassen-Filiale seien Wohnungen. Die Gefahr für die darin lebenden Menschen sei bei einer Sprengung groß. „Ich kann mir vorstellen, dass die Entscheidung der Bevölkerung sauer aufstößt“, sagt Siemons. Kunden müssten nun nach Weener fahren. Für Menschen, die nicht mobil sind, sei das problematisch. „Wenn Weener auch noch geschlossen wird, dann gute Nacht“, so der Ortsvorsteher.

Berthold Koch (SPD), Ortsbürgermeister in Neermoor, blickt mit gemischten Gefühlen auf den Abschied der Sparkasse aus dem Ort. „Die Notwendigkeit der Energieeinsparung ist unbestritten“, erklärt er. „Mein erster Gedanke: Frisst der Neermoorer Geldautomat besonders viel Energie?“ Andererseits zeigt sich Koch mit den Alternativ-Angeboten der Sparkasse zufrieden, etwa dass Senioren Bargeld durch einen Mitarbeiter nach Hause gebracht werde. „Letztlich muss jeder Kunde dieser Sparkasse für sich entscheiden: Bin ich mit diesen getroffenen Maßnahmen einverstanden, oder suche ich mir ein anderes Geldinstitut?“

Sparkasse bricht Versprechen

Auch aus dem Süden des Landkreis Leer kommt Kritik. „Ich bin maßlos enttäuscht vom Vorgehen der Verantwortlichen der Sparkasse.“ Mit diesen Worten reagierte am Dienstag Karl-Heinz Jesionek (SPD), Ortsbürgermeister von Flachsmeer, auf die angekündigte zeitliche Schließung der Filiale in seinem Ort. „Zunächst wurde das Angebot zurückgefahren, dann wurden die Öffnungszeiten reduziert und jetzt erfolgt die Schließung. Damit handelt der Vorstand anders, als mir 2019 versprochen worden ist“, sagte der SPD-Politiker.

Ostrhauderfehns Bürgermeister Günter Harders sagte zur Schließung der Filiale an der Hauptstraße seiner Gemeinde: „Ich halte es für vertretbar, dem Aufruf des Gesetzgebers zu folgen und möglichst viel Energie einzusparen. Das Gebäude in Ostrhauderfehn wurde damals mit Blick auf Großzügigkeit und Kundenfreundlichkeit gebaut. Auf den Energieverbrauch hat damals niemand geachtet.“ Dass daraus jetzt die Konsequenz der vorübergehenden Schließung folgt, sei nachvollziehbar.

RVB will Betrieb ohne Einschränkungen aufrecht erhalten

Weder die Raiffeisenbank Moormerland (Raiba), noch die Raiffeisenbank-Volksbank (RVB) in Aurich, zu deren Geschäftsbereich Detern und Uplengen gehören, planen ähnliche Einschnitte wie die Sparkasse. Energie zu sparen, das haben sich beide Kreditinstitute ebenfalls vorgenommen – aber auf anderem Wege.

Schon im Jahr 2021 habe die Raiba Moormerland eine Bestandsaufnahme unter dem Stichwort Nachhaltigkeit gemacht, sagte Vorstand Lothar Janssen. Zu den Ergebnissen gehöre die Nachrüstung mehrerer Gebäude mit Photovoltaik und LED-Beleuchtung. Dennoch wolle man die Vorgaben der Regierung dahingehend umsetzen, dass die Außenwerbung reduziert werde.

Licht bleibt auch nachts an

In den Automatenräumen dagegen soll das Licht weiterbrennen, aus Sicherheitsgründen. „Dabei geht es ebenso um die Verkehrssicherheit der Räume, aber die Kunden sollen keine Angst haben, im Dunkeln überfallen zu werden.“ Die zwölf Automaten sollen weiterhin zu den gewohnten Zeiten erreichbar sein, aber da, wo es mehrere gibt, werde vielleicht einer abgeschaltet, erklärt der Raiba-Vorstand.

Die Raiffeisen-Volksbank (RVB) in Aurich plant nach Angaben von Pressesprecherin Lena Schoone keine weitergehenden Maßnahmen. Als Genossenschaftsbank sei die RVB ihren Mitgliedern sowie ihren Kunden verpflichtet und orientiere sich an deren Bedürfnissen. „Wir wollen aber den Geschäftsbetrieb für unsere Kunden weiterhin reibungslos und möglichst ohne Einschränkungen im Dienstleistungsangebot aufrecht erhalten“, so die Sprecherin.

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