Vorlesungsbeginn  Hochschule Emden/Leer startet in das neue Semester

| | 27.09.2022 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Hochschule hat eine Begrüßungsveranstaltung für die Erstsemester organisiert. Foto: Hochschule Emden/Leer
Die Hochschule hat eine Begrüßungsveranstaltung für die Erstsemester organisiert. Foto: Hochschule Emden/Leer
Artikel teilen:

Das Wintersemester an der Hochschule Emden/Leer beginnt. Aktuell gibt es dort 4200 Studierende. Wie geht es den größtenteils jungen Menschen?

Emden - Während der vergangenen Corona-Jahre wurden sie von der Politik oft vergessen: die Studierenden. An der Hochschule Emden/Leer hat das Wintersemester begonnen. Studierende berichten von ihren Erfahrungen und blicken auf das neue Semester.

Was und warum

Darum geht es: Das neue Semester an der Hochschule Emden/Leer beginnt. Die letzten Semester waren von Corona geprägt – das soll sich nun ändern. Wir haben mit Studierenden gesprochen.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für das Leben von Studierenden und die Auswirkungen von Corona interessieren.

Deshalb berichten wir: Das neue Semester hat begonnen. In den letzten zwei Jahren der Pandemie wurden Studierende oft nicht wahrgenommen. Unsere Zeitung wollte ihnen Gehör schenken.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.cordes@zgo.de

Die Erstsemester wurden am 12. September an der Hochschule begrüßt. Bei einer Veranstaltung auf dem Campus hieß Hochschulpräsident Prof. Dr. Gerhard Kreutz sie mit diesen Worten in Emden willkommen: „Seien Sie neugierig in dieser neuen Lebensphase; schnuppern Sie auch mal in Veranstaltungen hinein, die nicht verpflichtend in Ihrem Stundenplan stehen. Nutzen und erleben Sie unseren Campus als Ort der Begegnung, des gemeinsamen Lernens und des sozialen Miteinanders“.

Erfahrungen im Umgang mit Corona

Das klingt nicht nach einem weiteren Corona-Semester. Es scheint, als sei die angespannte Stimmung an der Hochschule vorbei. Wilfried Grunau, Pressesprecher der Hochschule Emden/Leer, bestätigt diesen Eindruck: „Wir freuen uns, dass die Veranstaltungen wieder in Präsenz stattfinden können.“ Die Hochschule versucht, dies auch solange wie möglich beizubehalten. Sie seien schließlich eine Campus-Hochschule.

Im Ernstfall seien sie aber vorbereitet. Die Erfahrungen aus den letzten zwei Jahren sollen ihnen den Umgang mit der Pandemie einfacher gemacht haben. Von Kontaktnachverfolgungen über Meldesysteme, die den Kohlenstoffdioxidgehalt im Raum messen und piepen, wenn gelüftet werden muss, bis zu der zeitlichen Trennung der verschiedenen Fachbereiche am Campus habe die Hochschule viele Präventions-Maßnahmen erarbeitet, die bei einer weiteren Welle zum Einsatz kämen. „Es ist nicht schön, aber wir könnten es“, sagt Wilfried Grunau von der Hochschule dazu. Im schlimmsten Fall müssen sie auf digitale Vorlesungen zurückgreifen.

Online-Studiengänge an der Hochschule

Keine Probleme mit der Online-Lehre scheinen 70 neue Erstsemester in der Abteilung Elektrotechnik und Informatik des Fachbereichs Technik zu haben. Sie studieren Regenerative Energien (Bachelor), Wirtschaftsinformatik (Bachelor) und Medieninformatik (Bachelor und Master) im Rahmen eines Online-Studiums. Am Wochenende wurden sie ganz offiziell begrüßt. „Im Vordergrund der Veranstaltungen stehen das Kennenlernen und Vernetzen sowie die Organisation des Online-Studiums“, erklärte Anja Gerstenberger vom Online-Team der Hochschule.

Auch für die Studierenden war es wegen der coronabedingten Einschränkungen nicht einfach. Im Mai 2020 hatte sich unsere Zeitung mit Lucia Zwingmann, zu der Zeit Studentin an der Hochschule, über die Auswirkungen der Pandemie auf ihren Studierenden-Alltag unterhalten. So hatte sie den erheblichen Zeitaufwand und die vielen Stunden alleine am Schreibtisch beklagt. Zwingmann hatte sich damals schon auf echte Vorlesungen und das „Quatschen auf dem Gang“ gefreut. Dies kann nun wieder stattfinden.

Soziale Kontakte fehlten

Aktuell gibt es 4.200 Studierende an der Hochschule Emden/Leer. Einer davon ist Julius Tönjes. Der 26-Jährige studiert Wirtschaftspsychologie im fünften Semester, kennt aber noch das studentische Leben ohne Corona von einem vorherigen Studium an der Universität Oldenburg. Auch er fand es nicht schön, acht Stunden am Schreibtisch zu sitzen ohne den Kontakt zu Mitstudierenden zu finden. Deswegen freut Tönjes sich besonders über den persönlichen Kontakt. Die kommenden Exkursionen und praxisnahen Veranstaltungen seien ebenfalls Dinge, die ihn für dieses Semester fröhlich stimmen. Die erste Vorlesungswoche sei schon mal ein guter Start gewesen, auch wenn das eher eine „organisatorische Woche“ darstelle, so Tönjes. Für ihn sei der Höhepunkt die Campusparty gewesen.

Tönjes habe sich während der Pandemie von der Hochschule gut aufgefangen gefühlt. Von der Politik fühle er sich aber in Stich gelassen. „Ich denke, da wird viel zu wenig Rücksicht auf die Studierenden genommen“, gibt Tönjes zu Bedenken. Auch bei aktuellen Themen abseits von Corona werde nicht an die Studierenden gedacht. So bemängelt er die Idee, im Winter zur digitalen Lehre zurückzukehren, um die Heizkosten der Hochschulen zu sparen. Dabei handelt es sich um den sogenannten Energie-Lockdown. „Alle Studierenden müssen dann Zuhause heizen“, so der Student. Die Kosten müssen dann die Studierenden tragen.

Heizen oder lüften?

Die Zukunft in der Hochschule sehe er aber positiv. „Es hatte jeder mal Corona“, erklärt er. Die Angst sei nicht mehr so da. Mit 60 Studierenden sei sein Semester sowieso eher klein. Dann wirft er noch einen interessanten Gedanken ein: Er freue sich schon auf eine zu erwartende Debatte. Denn, so Tönjes: In einem kalten Winter mit hohen Infektionszahlen und hohen Heizkosten könnte die Hochschule vor einer schwierigen Entscheidung stehen: heizen oder lüften?

Für zulassungsfreie Bachelor-Studiengänge besteht noch die Möglichkeit, sich bis zum 30. September zu bewerben. Interessierte besuchen dazu das Hochschulportal der Hochschule.

Ähnliche Artikel