Erfahrungsbericht Wie eine Papenburgerin jung Mutter wurde und trotzdem Abi machte
Janika Pfnister ist mit 16 Jahren Mutter geworden – kurz vor ihrem Abitur. Sie erzählt, wie sie die Zeit gemeistert hat und welche Unterstützung sie auf diesem besonderen Weg erfahren hat.
Papenburg - Janika Pfnister aus Papenburg hat im Sommer ihr Abitur bestanden und zieht jetzt nach Hamburg, um zu studieren. Das Besondere: Sie hat ein dreijähriges Kind. Wie hat Pfnister Schule und Kind unter einem Hut bekommen und wie blickt die junge Mutter auf ihre berufliche Zukunft?
Es ist Donnerstag, der 1. November 2018, an dem sich für die damalige Schülerin der 10. Klasse des Gymnasiums Papenburg alles ändert. Mit gerade einmal 16 Jahren erfährt Pfnister, dass sie schwanger ist. „Es war eine relativ schwierige Lebenslage, in der ich mich damals befand“, erinnert sich die heute 20-Jährige. „Ich stand da erstmal und konnte das nicht wirklich realisieren.“
Stoß in die richtige Richtung
Eine Woche später folgte direkt der Ultraschalltermin: „In dem Moment, wo ich den Herzschlag gesehen habe, war klar: Ich treibe nicht ab. Ich schaffe das.“ Und auch ihre Eltern standen von Anfang an hinter ihr. Deren einzige Bedingung sei gewesen, dass sie weiter zur Schule geht.
„Ich glaube, in dem Moment brauchte ich diesen Stoß in die richtige Richtung“, erklärt die junge Mutter. Das sollte aber nicht die letzte Hürde gewesen sein. Bei der Schwangerschaft und der Geburt gab es Komplikationen, die Kind und Mutter beinahe das Leben gekostet hätten. „Ich hatte keine einfache Schwangerschaft. Ich lag unter anderem wegen einer Hyperemesis im Krankenhaus. In der 18. Woche hatten eine Nierenbeckenentzündung und Nierenstau Frühwehen ausgelöst. Fast hätte ich da schon mein Kind verloren“, erzählt sie. Als Hyperemesis bezeichnen Mediziner dauerhafte Übelkeit während der Schwangerschaft.
Henry kam gesund zur Welt
Am Tag der Entbindung habe es wieder Schwierigkeiten gegeben: Die Plazenta löste sich. Das sei lebensbedrohlich für Mutter und Kind gewesen. Die Folge war ein Notkaiserschnitt – mit glücklichem Ausgang.
Am 17. Juli 2019 erblickte Henry als gesunder Junge das Licht der Welt. Der Kleine war damals 4360 Gramm schwer und 56 Zentimeter groß. „Ihn zum ersten Mal in den Armen zu halten, dieses Gefühl war so überwältigend schön und einfach unbeschreiblich“, erinnert sich Pfnister.
Schule und Eltern geben Rückhalt
An die Abmachung ihrer Eltern hielt sie sich konsequent: Heute kann sie mit einem guten Abitur stolz auf ihre Schulzeit zurückblicken. „Ehrlich gesagt, hat mir Henry wieder Zukunftsvisionen gegeben. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, habe ich realisiert, dass da jetzt ein Leben ist, für das ich Verantwortung tragen muss. Ich wollte nicht von Hartz IV abhängig sein und in einem sozialen Brennpunkt landen, sondern ich will, dass Henry einen guten Start ins Leben hat“, erklärt die 20-Jährige. Der Vater des Kindes, sagt sie, hat kein Sorgerecht.
Ohne den Rückhalt der Schule wäre alles jedoch um einiges schwieriger geworden. „Ich habe seitens der Schulleitung und der Lehrer eigentlich nur gehört: Wir stehen hinter dir.“ Rückblickend sagt Pfnister: „Diese Unterstützung in der Schule hat mir gezeigt, dass ich es schaffen kann.“ Und doch ist für die meisten Schüler das Abitur an sich schon eine Herausforderung. Wie hat die junge Mutter Schule und ihr Kind unter einem Hut gebracht?
Corona wurde durchaus zum Vorteil für Pfnister
Gerade die Homeschooling-Zeit während der Hochphase der Corona-Pandemie habe in der zweiten Hälfte der elften Klasse einen nahtlosen Übergang von Elternzeit zur Schule ermöglicht. „Das hatte einfach den Vorteil, dass ich zeitlich flexibler sein konnte“, sagt die junge Mutter.
Als ihr Sohn aber älter wurde, brauchte er mehr Aufmerksamkeit. Deswegen sei sie darauf angewiesen gewesen, dass ihre Eltern ihn stundenweise betreuen. Mit Wiederbeginn des Präsenzunterrichts habe sie Henry vormittags in eine Kita gebracht.
Verwandte helfen bei der Kinderbetreuung
„Nach der Schule war erstmal Mama-Kind-Zeit und erst abends, als ich ihn ins Bett gebracht habe, hatte ich Zeit, zu lernen“, berichtet Pfnister. „Klar ist das anstrengend gewesen und oft hatte ich auch wenig Schlaf, aber ich habe mich letztendlich immer eher für Henry statt für das Lernen und die Hausaufgaben entschieden.“
Ab Anfang Oktober steht nun ihr Studium der Politikwissenschaften und Wirtschaftspsychologie im Zweitfach an der Leuphana Universität in Lüneburg an. Dafür zieht Pfnister nach Hamburg, weil sie dort Verwandte hat, die ihr bei der Betreuung helfen. „Die Uni ist auf ein Studium mit Kind gut ausgerichtet. In der Nähe sind viele Kitas, es gibt Studentenbetreuung und Extraberater für Studierende mit Kind“, sagt die Papenburgerin. Selbstverständlich sei dieses Angebot nicht: „An den meisten Universitäten fehlt einfach der offene Umgang mit dem Thema.“
Dem Leben als Studentin sieht sie mit Optimismus und Vorfreude entgegen: „Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass ich in Hamburg neu anfangen kann und dass ich dort nicht mehr als diejenige bekannt bin, die mit 16 schwanger geworden ist, sondern als junge Studentin mit Kind.“