Hamburg  Herbstblues oder schon eine Depression? So wirst Du das Stimmungstief los

Julia Wadle
|
Von Julia Wadle
| 26.09.2022 17:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein grauer Herbst kann das Gemüt belasten. Dass man sich mal traurig fühlt, ist ganz normal. Doch wenn das Gefühl der Leere bleibt, braucht man Hilfe. Foto: imago images/Cavan Images
Ein grauer Herbst kann das Gemüt belasten. Dass man sich mal traurig fühlt, ist ganz normal. Doch wenn das Gefühl der Leere bleibt, braucht man Hilfe. Foto: imago images/Cavan Images
Artikel teilen:

Lange Nächte und schlechtes Wetter sorgen im Herbst und Winter bei vielen Menschen für schlechte Laune. Doch wenn Müdigkeit und Lustlosigkeit nicht verschwinden, können sie Anzeichen für eine Depression sein – doch dafür muss man sie erkennen.

In diesem Artikel erfährst Du:

Herbst – das sind Kürbissuppe und Halloween, Spaziergänge durch bunte Wälder und kuschlige Filmabende zu Hause; nur leider nicht für alle Menschen. Denn während die einen auf Instagram mit bunten Ahornblättern posieren und Kastanien sammeln, wird der Herbst für einige Menschen zum Horror. Je kürzer und nasser die Tage werden, desto schlechter geht es ihnen. Sie verlieren die Lust, ihre Freunden zu treffen, die Wohnung oder auch nur das Bett zu verlassen. Schlapp schleppen sie sich von Tag zu Tag. Zehn Stunden Schlaf machen sie nicht wach und drei Teller Pasta nicht satt. Ist das einfach nur schlechte Laune oder schon eine Erkrankung?

"Bei einem Herbstblues handelt es sich um ein Sammelsurium von Befindlichkeitsstörungen", erklärt Ulrich Hegerl. Er hat die Johann Christian Senckenberg Distinguished Professorship an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt inne und ist Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Als Befindlichkeitsstörung werden in der Medizin einzelne Symptome wie Konzentrationsschwäche, Müdigkeit tagsüber oder Kopfschmerzen bezeichnet, die keine eindeutig körperliche Ursache haben. Es handelt sich bei einem Herbstblues nicht um eine Krankheit. Dass man sich mal traurig oder müde fühle, sei unabhängig von der Jahreszeit ganz normal, meint der Psychiater. Es sei ja auch nicht unbedingt negativ, wenn man es sich im Herbst lieber zu Hause gemütlich mache, als unterwegs zu sein.

Bleiben diese negativen Gefühle über mehrere Woche und schränken den Alltag ein, ist die Lage eine andere. "Wenn man das Gefühl hat, dass man sich stark verändert, keinen Ausweg sieht und Schuldgefühle hat, ist es wichtig, sich an einen Arzt zu wenden", rät Hegerl. Denn das können Symptome einer Depression sein. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die mithilfe eines psychologischen Psychotherapeuten oder eines Psychiaters behandelt werden muss. Nur ein Psychiater kann etwa Antidepressiva verschreiben.

Eine Depression stellt dadurch eine Einschränkung des Alltags dar; ihn zu bewältigen, ist praktisch nicht mehr möglich. Ohne eine ärztliche Hilfe kann sie nicht überwunden werden.

Ein Hinweis, ob man eine Depression hat, kann auch ein Selbsttest sein. "Dieser kann keine ärztliche Diagnose ersetzen. Aber er zeigt die typischen Krankheitszeichen und kann motivieren, sich Hilfe zu holen."

Eine Sonderform stellt die saisonale Depression dar. Diese tritt im Herbst oder Winter auf. "Die saisonale Depression ist eine Erkrankung, keine Befindlichkeitsstörung. Sie fällt häufig weniger schwer aus als eine Depression, die Patienten müssen seltener in eine stationäre Behandlung", erklärt der Mediziner.

Die Symptome einer saisonalen Depression ähneln der einer Depression. Während Menschen mit einer Depression jedoch häufig wenig Appetit haben und unter Schlafstörungen leiden, neigen Menschen mit einer saisonalen Depression dazu, mehr zu essen und zu schlafen als gewöhnlicherweise.

Ob 16 oder 60 die Symptome einer Depression ähneln sich bei allen Betroffenen. Was sich unterscheidet, sind die Themen. "Depressionen suchen sich Probleme aus dem Leben der Menschen und vergrößern diese. Bei älteren Menschen ist das eher die Gesundheit oder die Angst vor dem Tod, bei jüngeren der Beruf oder in der Partnerschaft", erklärt er.

Ob Du einen Herbstblues hast, eine saisonale Depression oder eine Depression: Sprich mit Deinem Hausarzt oder einem Psychiater, wenn Du starke negative Gefühle hast.

Zur Info: Dieser Text ist erstmals im Oktober 2021 auf unserer Seite erschienen.

Ähnliche Artikel