Klimastreik in Aurich  „Es gibt kein Recht, die Erde zu zerstören“

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 23.09.2022 18:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Organisator Tex Stoffer fordert die Demonstranten auf, sich hinzusetzen. Auch die Fahrradfahrer steigen von ihren Rädern ab. Fotos: Löschen
Organisator Tex Stoffer fordert die Demonstranten auf, sich hinzusetzen. Auch die Fahrradfahrer steigen von ihren Rädern ab. Fotos: Löschen
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Die Fridays-for-Future-Bewegung ist am Freitag in Aurich auf die Straße gegangen. Es geht verstärkt um erneuerbare Energien und die Verkehrswende. Auch die Auricher können ihren Teil beitragen.

Aurich - Rund 100 Menschen sind am Freitag bei der Fridays-for-Future-Demo in Aurich für den Klimaschutz auf die Straße gegangen, deutlich weniger als vor drei Jahren. Mehr als 200 Städte in Deutschland hatten Klimademonstrationen organisiert, darunter auch Wolfsburg, Göttingen, Oldenburg und Norden. Die Kundgebung startete an der Sparkassenarena und ging über die Pferdemarktkreuzung und den Fischteichweg zum Rathaus. Eine Polizeieskorte begleitete den rund 200 Meter langen Demonstrationszug. Am Rathaus wurden Reden für den Klimaschutz gehalten. Thema waren erneuerbare Energien und eine konsequente Verkehrswende.

Was und warum

Darum geht es: Fridays for Future lebt, wenn auch kleiner als früher.

Vor allem interessant für: Klimaaktivisten, Umweltschützer, Schüler, Eltern und Lehrer

Deshalb berichten wir: Die Organisationsteam der Fridays-for-Future-Bewegung aus Aurich hat die Redaktion zum Streik eingeladen.

Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de

Eine halbe Stunde vor Beginn versammeln sich die ersten Demonstranten und Organisatoren vor der Arena. Die Stimmung ist gut. Doch vielen fällt auf, wie vergleichsweise leer der Platz ist, selbst ein paar Minuten vor dem Start der Demo.

Verstärkung von überall

„Wo sind denn die ganzen jungen Leute?“, fragt sich Anna Schmidt aus Aurich. Ihr seien viele Jugendliche auf dem Hinweg entgegengekommen. Die 58-Jährige nimmt regelmäßig an Klimaschutzstreiks teil. Sie sei zudem Mitglied bei den Grünen und auch privat engagiert: „Ich fahre viel Fahrrad, auch zur Arbeit nach Großefehn.“ Die Politik sei aus ihrer Sicht eine Katastrophe, wenn es um den Klimaschutz geht. Sie müsse jetzt handeln. „Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist schon halb eins“, sagt die Auricherin.

Wilfried Duin aus Südbrookmerland hat ein eigenes Plakat für die Demo gemacht. Er setzt sich gern für die Umwelt ein.
Wilfried Duin aus Südbrookmerland hat ein eigenes Plakat für die Demo gemacht. Er setzt sich gern für die Umwelt ein.

Wilfried Duin aus Südbrookmerland ist ebenfalls voller Überzeugung dabei: „Die Jugendlichen, die das hier organisieren, haben die Unterstützung verdient.“ Er setze sich auch sonst gerne für die Umwelt ein. „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, zum Beispiel, wenn ich gerade auf einen Termin warte, dann sammle ich herumliegenden Müll“, sagt der Südbrookmerlander. Täglich mache er das und sensibilisiere die Menschen zugleich in den sozialen Medien, dasselbe zu tun.

„In Leer gibt es so was nicht“

Ein Paar ist extra aus Leer angereist. „In Leer gibt es keine solche Demo und deswegen sind wir hier nach Aurich gekommen“, sagt die Frau: „Wir finden das ganz wichtig. Deutschland hat einen gigantischen Energieverbrauch und wir müssen lernen zu verzichten.“ Es bestürze, dass junge Menschen sich schon überlegen, ob sie überhaupt Kinder in diese Welt setzen wollen. Die beiden sind fast 70 und beschäftigten sich schon jahrzehntelang mit dem Klimaschutz. „Mehr Menschen, auch in unserem Alter, sollten sich für die Umwelt engagieren.“

Jugendliche nehmen noch einen letzten Feinschliff an ihren Plakaten vor. Das Motto: Je auffälliger, desto besser.
Jugendliche nehmen noch einen letzten Feinschliff an ihren Plakaten vor. Das Motto: Je auffälliger, desto besser.

„Leute, lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein“, hallt es durch die Straßen von Aurich. Ein Aufruf an die umherstehenden Passanten mitzumachen. Generell haben sich die Organisatoren der Fridays-for-Future-Bewegung viele Schlachtrufe überlegt: manche kürzer und prägnanter, manche länger und mit mehreren Strophen. Insgesamt zweimal setzen sich die Demonstranten für mehrere Minuten auf die Straße, angeleitet durch die Sprecher: „Wer nicht sitzt, der ist für Kohle.“ So geht es lautstark im Schritttempo bis an das Auricher Rathaus.

Der Streik führt die Demonstranten durch Aurich. Die Organisatoren nutzen Megafone, um Hymnen anzustimmen
Der Streik führt die Demonstranten durch Aurich. Die Organisatoren nutzen Megafone, um Hymnen anzustimmen

„Lieber Herr Weil, wer Straßen sät, der erntet Verkehr“

Im Klimaschutz gibt es viel zu bereden – und noch viel mehr zu handeln, finden die Sprecher von Fridays for Future. „Wir haben noch nicht genug getan“, macht Organisator Tex Stoffer unter Applaus klar: „Der Klimaschutz ist für uns alle, aber wir alle müssen auch unseren Teil leisten.“ Insbesondere spricht er die Veränderungen in den letzten drei Jahren an. Es habe sich kaum etwas zum Wohle des Klimaschutzes verändert. Die Politik setze immer noch zu sehr auf Atom- und Kohlekraft. Erneuerbare Energien müssten verstärkt ausgebaut werden. Stoffer wendet sich deshalb an die Bürger, die auch direkt etwas zum Klimaschutz beitragen könnten: „Fragt euch, ob das Licht wirklich anbleiben muss oder ob nicht auch das Regenwasser für die Orchideen reicht.“

Aus Sicht von Mitorganisator Deniz Brinkmeier hat das letzte Klimapaket nichts gebracht. Er sagt im Kontext der Landtagswahl: „Gebt denen, die uns hintergehen, keine Stimme.“ Aber Brinkmeier hat auch direkte Kritik an die Politik: „Lieber Herr Weil, wer Straßen sät, der erntet Verkehr.“

Am Auricher Rathaus hören die Demonstranten den Rednern zu.
Am Auricher Rathaus hören die Demonstranten den Rednern zu.

Die Oberschicht am meisten gefordert

12,2 Tonnen CO2 pro Kopf im Jahr: Das sei der durchschnittliche Kohlendioxidausstoß der Deutschen, so Christian Stürmer von Amnesty International: „Der ärmere Teil hat nur einen Ausstoß von 5,9 Tonnen, wohingegen das reichste Hundertstel 117,2 Tonnen hat.“ Die Reichen müssten folglich auf ihren Luxus verzichten. „Mit dem Privatjet zu einer Hochzeit auf Sylt, das geht auch klimafreundlicher“, sagt er. Für die Ärmeren sei es leichter, klimaneutral zu leben.

Polizeieinsatzleiter Sven Rohl spricht von einer ruhigen Demonstration. „Es gab keine Auffälligkeiten, wie auch schon in den Jahren zuvor“, sagt er der Redaktion.

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