Hamburg Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler geht in Rente
Unter der Führung des Schweizers eilte der Helmut-Schmidt-Airport von Rekord zu Rekord. Dann sorgte Corona für den Absturz. Ein gutes Jahr hilft er noch bei der Krisenbewältigung.
Der Hamburger Flughafen muss sich einen neuen Chef suchen. Michael Eggenschwiler, langjähriger Geschäftsführer des Helmut-Schmidt-Airports, geht Ende 2023 in den Ruhestand. Das teilte der Flughafen am Freitag mit. Der Schweizer Eggenschwiler führt den fünftgrößten Airport in Deutschland seit 2005. Mit seinem Ausscheiden in gut einem Jahr geht eine Ära zu Ende.
Der Vertrag mit dem 63-Jährigen als Vorsitzender der Geschäftsführung wird ein letztes Mal um ein zusätzliches Jahr bis zum 31. Dezember 2023 verlängert. Das hat der Aufsichtsrat entschieden. Nach Vollendung des 65. Lebensjahrs werde Eggenschwiler dann „planmäßig und auf eigenen Wunsch“ aus der Geschäftsführung ausscheiden. „Ich persönlich habe immer geplant, dass ich mich mit 65 Jahren aus dem aktiven Berufsleben zurückziehe“, sagte dieser laut „Hamburger Abendblatt“.
Der gelernte Betriebswirt mit Schwerpunkt Verkehr und Fremdenverkehr war 2003 in die Geschäftsführung des Fuhlsbüttler Flughafens gekommen und hatte 2005 deren Leitung übernommen. In den folgenden Jahren eilten er und die Flughafengesellschaft von Erfolg zu Erfolg.
Er steigerte die Zahl der Passagiere von 10,7 Millionen im Jahr 2005 auf den Rekordwert von 17,6 Millionen im Jahr 2017. Den Eigentümern – der Stadt Hamburg (51 Prozent) und dem Flughafeninvestor Avi Alliance (49 Prozent) – bescherte der Flughafen zuverlässig zweistellige Millionengewinne. Der Boom endete mit Ausbruch der Corona-Pandemie; 2021 gab es nur noch 5,3 Millionen ankommende und abfliegende Fluggäste.
Weitere Meilensteine in Eggenschwilers Hamburger Tätigkeit waren die Eröffnung des neuen Terminals 1 (2005), der Airport Plaza (2008), der Flughafen-S-Bahn (2008) sowie des Luftfrachtzentrums Hamburg Airport Cargo Center (2016). Ebenfalls 2016 begann die großangelegte Kompletterneuerung des Vorfeldes 1. Weitere Ausbaupläne des Airports mussten wegen der Corona-Krise jedoch gestoppt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Auch zwei letztlich nicht gelöste Dauerprobleme begleiteten Eggeschwiler in all den Jahren. So kämpfen Anwohner und Initiativen weiterhin gegen den Fluglärm des citynah gelegenen Airports, unter dem die Nachbarschaft bis weit ins Umland hinein leidet. Auch beim Thema Interkontinentalverbindungen gab es nur wenige Erfolge zu vermelden. Derzeit gibt es keine direkten Flüge von der Hansestadt aus in andere Erdteile. Zeitweise bestehende Verbindungen nach Kanada und in die USA wurden wegen zu geringer Nachfrage eingestellt.
Die Gesellschafter des Flughafens wollen die Nachfolge des Schweizers „rechtzeitig im Jahr 2023 regeln“, wie es hieß. Einer der Kandidaten dürfte Eggenschwilers Mit-Geschäftsführer Christian Kunsch sein, dessen Vertrag der Aufsichtsrat jetzt um fünf Jahre bis 2027 verlängerte. Kunsch gehört der Airport-Geschäftsführung seit 2019 an.
Einen Wachwechsel gab es bereits im Aufsichtsrat. Nach sieben Jahren hat der frühere Chef der Lufthansa Technik, August Wilhelm Henningsen, den Vorsitz des Gremiums abgegeben. Sein Nachfolger ist Wirtschaftsstaatsrat Andreas Rieckhof.