Bottrop  Elegant! Annette Gigon erweitert Josef-Albers-Museum in Bottrop

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 22.09.2022 12:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Elegante Erscheinung im Bottroper Stadtpark: Der Anbau an das Josef-Albers-Museum. Foto: Stefan Müller, Berlin
Elegante Erscheinung im Bottroper Stadtpark: Der Anbau an das Josef-Albers-Museum. Foto: Stefan Müller, Berlin
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Eine graue Stadt leistet sich ein neues Museum und bezahlt fast kein Geld dafür. Aber nicht nur deshalb ist das neue Museum für Josef Albers in Bottrop ein echter Coup.

Annette Gigon lächelt verlegen, als sie von einem „langweiligen Grundriss“ spricht. Mit dem Museumsbau für den Bauhausmeister Josef Albers gelingt ihr trotzdem ein echter Wurf. Außen kühles Metall, innen warmes Holz: So dezent sich der Anbau an das Josef Albers Museums Quadrat in Bottrop auch gibt – nicht nur das Ruhrgebiet hat mit dieser Kunstschatulle eine neue Markierung auf der Landkarte der Kultur. Die Zürcher Architektin, die mit ihrem Partner Mike Guyer seit 1989 ein überaus erfolgreiches Büro bildet, fügt einer ganzen Reihe von Museumsbauten ein neues Glanzstück hinzu. Gigon und Guyer bauen keine Label, setzen dafür aber Zeichen. Auch in Bottrop ist nun zu erleben, wie stark ein gebautes Understatement faszinieren kann.

Nicht nur deshalb ist allen Beteiligten in jener Stadt, in der das Ruhrgebiet noch ein wenig alltäglicher als ohnehin schon wirkt, gerade richtig warm ums Herz. Denn nicht allein der Architektin Gigon gelingt ein Coup, auch Oberbürger Bernd Tischler strahlt beim dem „Glückauf“, dem er beim ersten Rundgang dem neuen Gebäude wünscht. Warum? Weil er das Kunststück fertiggebracht hat, Bottrop ein neues Museum zu verschaffen, ohne dass die Stadt dafür mehr als Personalkosten berappen musste. Der Bauetat liegt den Angaben nach bei knapp 13 Millionen Euro. In die Kosten teilen sich Bund und Land, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und eine ganze Reihe von Stiftungen über RAG, Evonik, Krupp, Brost und Albers Foundation. Ob gerade andere Bürgermeister bei ihm anrufen und fragen, wie er das gemacht hat? Tischler nickt nur und lächelt still.

Leise bleiben, nachdenken, Qualität liefern: Die Haltung des in Bottrop geborenen Bauhausklassikers Josef Albers (1888-1976), der die Kunst eines ganzen Jahrhunderts nachhaltig prägte, spiegelt sich in seinem neuen Haus von 34 mal 27 Metern Außenlänge und knapp elf Metern Höhe. Annette Gigon verteilt auf zwei Geschossen acht Ausstellungsräume sowie darunter Räume für Museumspädagogik und Bibliothek, Büros und Lager. Anfahrtszone, Öffnungstor und Lastenaufzug verraten, worum es hier besonders gehen soll – um Wechselausstellungen, die im Altbau Platz lassen für die Sammlung mit 300 Bildern von Josef Albers. Die Schenkung von 1980 legt das Bottroper Museum auf eine dauerhafte Präsentation fest. Mit dem Neubau kommen nun 1400 Quadratmeter Nutzfläche hinzu, die drängende Platzprobleme mit einem Schlag lösen und verhindern, dass empfindliche Kunstwerke für jede Ausstellung erst wieder umgehängt werden müssen.

Annette Gigon hat ihren Bau in ein Metallkleid gehüllt, dessen mattierte Nichtfarbe sich irgendwo zwischen Dunkelbraun und Anthrazit diskret verliert. Der Trichter, der den Neubau mit den in den Siebzigern und Achtzigern von Bernhard Küppers errichteten Pavillonen des Altbaus verschweißt, öffnet sich innen wie die Blende einer Kamera. Durch diesen Trichter geht es hinein, vom Teppichboden auf helle Eichendielen und unter ein Sheddach, dessen Glaslamellen Tageslicht einfallen lassen. „Jede Tür führt auf eine Wand“, erläutert Annette Gigon das Grundprinzip einer Architektur, die nur zurückhaltende Bühne der stillen Dialoge von Kunst und Betrachter sein will. Die Raffinesse dieser Architektur bewährt sich darin, dass man sie nicht bemerkt. So hat Gigon die Technik, Leitungen, Klima und dergleichen, einfach in zwei besonders tiefen Zwischenwänden versteckt. Perfekt!

„Wir fangen an jedem Ort wieder neu an, greifen dabei aber auf Elemente zurück, die sich bewährt haben“, erläutert Annette Gigon im Gespräch ihr Prinzip von Stringenz und Offenheit. Das Sheddach, in Bottrop von einer Dachauskragung dezent kaschiert, gehört ebenso zu den Markenzeichen des Büros Gigon/Guyer wie die bodentiefen Fenstermodule, die sie etwa auch in dem von ihnen entworfenen Museum für die Varusschlacht in Bramsche-Kalkriese bei Osnabrück eingesetzt haben. Die Bauten dieses Architekten dämpfen Emotionen – sehr zum Vorteil einer Wahrnehmung, die an Tiefe und Prägnanz gewinnt. Das kommt in Bottrop der Kunst von Josef Albers mehr als nur entgegen. Über alle Kunstkorrespondenzen hinweg artikuliert sich darin die leise Ethik eines achtsamen Umgangs des Menschen mit sich selbst. Das Publikum ist ab dem 19. Oktober 2022 eingeladen. Dann wird Josef Albers´ legendäre Serie „Hommage to he Square“ mit hochkarätigen Leihgaben ausgebreitet. Was auch sonst?

Bottrop, Josef Albers Museum Quadrat: Josef Albers. Huldigung an das Quadrat. 19. Oktober 2022 bis 26. Februar 2023. Zur Information geht es hier.