Missbrauch in der Kirche  Gefühlskalt und abweisend

Stefanie Witte
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Ein Kommentar von Stefanie Witte
| 20.09.2022 17:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
Hans Schulte-Nölke, Projektleiter der Studie der Universität Osnabrück, nimmt an einer Pressekonferenz teil. Die Universität Osnabrück wurde vom Bistum Osnabrück beauftragt, eine Studie zu sexualisierter Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im kirchlichen Raum im Bistum Osnabrück seit 1945 durchzuführen.Foto: Mirgeler/DPA
Hans Schulte-Nölke, Projektleiter der Studie der Universität Osnabrück, nimmt an einer Pressekonferenz teil. Die Universität Osnabrück wurde vom Bistum Osnabrück beauftragt, eine Studie zu sexualisierter Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im kirchlichen Raum im Bistum Osnabrück seit 1945 durchzuführen.Foto: Mirgeler/DPA
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Forscher der Universität Osnabrück haben in einer ersten Studie erarbeitet, wie das Bistum Osnabrück mit Gewalttaten von Geistlichen umgegangen ist. Was folgt daraus?

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler Personalakten des Bistums Osnabrück gesichtet. Sie erforschen systematisch, wie Kirchenleitungen seit dem Zweiten Weltkrieg mit sexualisierter Gewalt umgegangen sind. Wie nötig das ist und wie wenig die Institution aus sich selbst heraus alle notwendigen Reformen angehen kann, zeigen die ersten Ergebnisse.

Geradezu grotesk mutet etwa die Aktenführung an: Parallelakten, verschwundene Akten, gar ein Tresor, der kurzfristig als weiterer Ablageort von Dokumenten identifiziert wird. Daneben bekannte Muster: Kirchen- und Täterschutz, überforderte Bischöfe und Betroffene, die angeblich gar kein Interesse an öffentlicher Aufarbeitung haben. Bekannt war schon vorher, dass der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode Täter versetzt und Auflagen nicht nachgehalten hatte. Die Forscher sprechen hier allerdings nicht von böser Absicht, sondern von verletzter Sorgfaltspflicht. Überforderung, mangelnde Expertise, Zwiespalt: Reichen diese Argumente, um zu rechtfertigen, dass im Ergebnis Menschen gefährdet wurden?

An einem Punkt wird der Bischof schließlich nicht vorbeikommen: Wie kann es sein, dass sich eine Institution, die Barmherzigkeit predigt, laut Studie bis heute gefühlskalt, abweisend und kleinlich gegenüber Betroffenen verhält?

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