Osnabrück  Studie zu Missbrauch: So darf die Kirche nicht mit Betroffenen umgehen!

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 20.09.2022 16:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
Symbolfoto, Symbolfotos - Kirche - Religion - Bistum Osnabrück. Dom - Domhof Foto: André Havergo
Symbolfoto, Symbolfotos - Kirche - Religion - Bistum Osnabrück. Dom - Domhof Foto: André Havergo
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Forscher der Universität Osnabrück haben in einer ersten Studie erarbeitet, wie das Bistum Osnabrück mit Gewalttaten von Geistlichen umgegangen ist. Was folgt daraus?

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler Personalakten des Bistums Osnabrück gesichtet. Sie erforschen systematisch, wie Kirchenleitungen seit dem Zweiten Weltkrieg mit sexualisierter Gewalt umgegangen sind. Wie nötig das ist und wie wenig die Institution aus sich selbst heraus alle notwendigen Reformen angehen kann, zeigen die ersten Ergebnisse.

Geradezu grotesk mutet etwa die Aktenführung an: Parallelakten, verschwundene Akten, gar ein Tresor, der kurzfristig als weiterer Ablageort von Dokumenten identifiziert wird. Daneben bekannte Muster: Kirchen- und Täterschutz, überforderte Bischöfe und Betroffene, die angeblich gar kein Interesse an öffentlicher Aufarbeitung haben. Bekannt war schon vorher, dass Bischof Franz-Josef Bode Täter versetzt und Auflagen nicht nachgehalten hatte. Die Forscher sprechen hier allerdings nicht von böser Absicht, sondern von verletzter Sorgfaltspflicht. Überforderung, mangelnde Expertise, Zwiespalt: Reichen diese Argumente, um zu rechtfertigen, dass im Ergebnis Menschen gefährdet wurden?

An einem Punkt wird der Bischof schließlich nicht vorbeikommen: Wie kann es sein, dass sich eine Institution, die Barmherzigkeit predigt, laut Studie bis heute gefühlskalt, abweisend und kleinlich gegenüber Betroffenen verhält?

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