Kolumne „Artikel 1, GG“  Andere Länder – dieselben alten Fehler

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 21.09.2022 09:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topcu
Canan Topcu
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Mittwochs geht es hier um den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen. Heute berichtet unsere Kolumnistin aus Albanien, wo sich Fehler aus anderen Urlaubsregionen wiederholen.

UN-Generalsekretär António Guterres richtete vor Beginn der Vollversammlung eine Warnung an die Mitgliedsländer aus: Bis 2030 müssten die insgesamt 17 Ziele erreicht werden, darunter das Ende extremer Armut und des Hungers sowie die Verbesserung der globalen Bildung. „Wir müssen unseren Planeten retten, der buchstäblich in Flammen steht. Das bedeutet, dass wir uns mit der dreifachen Krise des Planeten auseinandersetzen müssen: Zusammenbruch des Klimas, Verlust der Biodiversität und Umweltverschmutzung.“ Er habe die Hoffnung, dass alle Mitgliedstaaten das Steuer des Fortschritts in die Hand nehmen, um eine bessere Welt zu schaffen, die niemanden hinter sich lässt.

Zur Person

Canan Topçu (57) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.

Die Rede von Guterres habe ich in Albanien angehört, wo ich seit zwei Wochen auf einer Recherchetour bin. Ich bin überwältigt von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen hier, ich bin aber auch entsetzt von dem, was ich hier sehe: Bauboom und Müllberge. Um dem stetig wachsenden Tourismus nachzukommen, wird entlang der Küste gebaut – und dabei werden all die Fehler gemacht, die Länder wie Spanien, Portugal und die Türkei gemacht haben.

Albanien ist ein schönes Land, es hat aber ein massives Müllproblem. Abfall wird in Bächen, in Flüssen, auf freien Grundstücken, im Wald und am Strand entsorgt. Der Sand ist übersät mit Glasscherben und all dem, was die Leute zurücklassen an Abfall; hinzu kommt all das, was die Wellen anspülen an Müll, den Menschen aus ihren Booten und Segelschiffen im Meer entsorgen.

Es fehlt nicht allein das Bewusstsein dafür, dass Flaschen, Dosen und Plastikbehälter nicht am Straßenrand oder am Bach entsorgt werden sollten, es fehlt vor allem an einer gut funktionieren Abfallentsorgungssystem. Die Kommunen scheinen komplett überfordert zu sein mit der Aufgabe der Abfallentsorgung. Und das Bildungssystem scheint Umweltschutz auch nicht im Curriculum zu haben. Die Hoffnung, die Guterres hat, habe ich daher hier nicht wirklich.

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