Hamburg  Erst Corona, dann Ukraine-Krieg: Ein Festival in Zeiten von Krisen

Lucie Wittenberg
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Von Lucie Wittenberg
| 20.09.2022 12:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Reeperbahn Festival ist das größte Clubfestival Europas. Foto: dpa/ Axel Heimken
Das Reeperbahn Festival ist das größte Clubfestival Europas. Foto: dpa/ Axel Heimken
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Hamburg wird vom 21. bis 24. September wieder zum Zentrum der Musikindustrie. Wegen der Corona-Pandemie fand das Reeperbahn Festival 2021 noch unter der 2G-Regelung statt. Zwar darf in diesem Jahr wieder uneingeschränkt gefeiert werden, doch die schwierigen Zeiten für die Musikindustrie sind nicht vorbei.

Die Hochzeiten von Corona scheinen vorbei. In diesem Jahr sind die großen Themen deswegen andere: Beim Festival in verschiedenen Clubs auf der Reeperbahn sollen über soziale Ungleichheit, Klima- und Energiekrise und der Krieg in der Ukraine nicht nur gesprochen, sondern eben auch gesungen werden.

Dafür kommen 300 Acts aus fast 38 Nationen ab Mittwoch wieder im Hamburger Szeneviertel St. Pauli zusammen, um Musik zu leben und zu feiern. Von Indie über Electronic, Rock, Punk und Pop bis hin zu Jazz, Hip-Hop, Rap und Singer-Songwriter-Auftritten, das Reeperbahn Festival spart auch in diesem Jahr nicht an Vielfalt.

Auch treffen sich vom 21. bis 24. September wieder internationale Nachwuchstalente in Hamburg, wie der Londoner Rapper Loyle Carner, der das Eröffnungskonzert im Stage Operettenhaus spielen wird. Carner ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Mit seinen ersten zwei Alben erweckte er nicht nur in seiner britischen Heimat viel Aufmerksamkeit, auch seine Konzerte in Deutschland waren ausverkauft. Auf seinem neuen Album „Hugo“ geht es um Rassismus, Verteilungsfragen und der erodierende Sozialstaat - Themen, die nicht nur in England diskutiert werden, sondern eben auch in Hamburg.

Vor dem Eröffnungskonzert stimmen bei der Eröffnungsshow noch weitere Musiker auf das Festival ein: Die Hamburgerin Zoe Wees, Jan Delay, die ukrainische Singer-Songwriterin und Aktivistin Natalia Klitschko und die britische Sängerin Ellie Goulding. Auch wird es eine Vorschau des amerikanischen Musicals „Hamilton“ geben.

Ein besonderes Augenmerk gilt auf diesem Reeperbahn Festival wohl der Rapperin Alyona Alyona - nicht nur, weil sie 2019 den Newcomer-Award des Reeperbahn Festivals gewann. Vor Ausbruch des Krieges war die Ukrainerin eine der Stimmen ihrer Generation, jetzt will sie Sprecherin sein, um den russischen Angriffskrieg auf ihr Heimatland zu stoppen. Vor einigen Monaten verließ sie die Ukraine mit dem Auftrag, die Welt immer wieder daran zu erinnern, was in ihrer Heimat los ist - durch Musik und durch Gespräche. Alyona Alyona spielt deswegen nicht nur am Freitag ein Konzert im Gruenspan, sondern gibt vorher noch ein Interview über ihr Leben und die Flucht aus der Ukraine. Auch ist sie Teil der Eröffnungsshow am Mittwoch.

Neben Alyona und Carner gibt es noch eine ganze Reihe anderer Künstler: Die Berliner Rapperin Nina Chuba, die aktuell die Nummer eins der deutschen Charts mit „Wildberry Lillet“ anführt, der britische Gitarren-Künstler Charlie Cunningham und die deutsche Popmusikerin Alice Merton („No Roots”) sind auch von der Partie. Auch Mine, Anna Calvi und Tom Walker sorgen für ein starkes Line-Up. Die Musikszene ist zurück in der Hansestadt, aller Widrigkeiten zum Trotz.

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