Golfclub Ostfriesland  Vorstand frustriert über Verhandlungsstau

Nicole Böning
|
Von Nicole Böning
| 19.09.2022 19:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Blaue Fasen in Wiesmoor ist dem Golfclub in Wiesmoor mit 10.000 Euro beigesprungen. Weitere 5000 Euro sollen folgen. Foto: Böning
Der Blaue Fasen in Wiesmoor ist dem Golfclub in Wiesmoor mit 10.000 Euro beigesprungen. Weitere 5000 Euro sollen folgen. Foto: Böning
Artikel teilen:

Ginge es nach dem Vereinsvorsitzenden Ralf Wilde, wäre der Golfplatz in Wiesmoor übergangslos von einer Betreibergenossenschaft übernommen worden. Noch tut sich aber gar nichts.

Wiesmoor - Der insolvente Golfclub Ostfriesland (GCO) in Wiesmoor rettet sich momentan von einem Monat zum nächsten. Nur aufgrund einer Finanzspritze des benachbarten Hotels und Gasthofs Blauer Fasan über 10.000 Euro und durch freiwillige Zahlungen der Vereinsmitglieder genehmigte der Bremer Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Axel Gerbers, den Weiterbetrieb im September. Ein Schreiben vom 15. September an die Mitglieder des Golfclubs bestätigt den Eingang von freiwilligen Mitgliederzahlungen in Höhe von 10.000 Euro. Weitere 5000 Euro seitens des Blauen Fasans seien bereits zugesagt worden – wurden aber noch nicht gezahlt, informierte Volker Quitmeyer als Geschäftsführer der Wiesmoor-Gärtnerei und Baumschule sowie Sprecher der Erbengemeinschaft Quitmeyer, die auch Eigentümer des Golfplatz-Geländes ist.

Was und warum

Darum geht es: Die Verhandlungen um den Erhalt des Golfplatzes in Wiesmoor treten auf der Stelle.

Vor allem interessant für: Golffreunde und Förderer

Deshalb berichten wir: Der Insolvenzverwalter muss jetzt die Zukunft des Platzes sichern.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Die Mitglieder des Golfclubs hatten am 4. August durch ein Schreiben des Vorstands von der Insolvenz des Clubs und dessen desaströser finanzieller Lage erfahren. Darin verkündete der Verein, seine Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Auch von weiteren Verpflichtungen war die Rede. Die Erbengemeinschaft Quitmeyer sei ebenfalls Gläubiger des GCO, bestätigt Volker Quitmeyer. Seit Anfang des Jahres seien keine Pachtzahlungen mehr eingegangen. Bei Flächen solcher Größe sei es keine Kleinigkeit, wenn die Einnahmen fehlten. „Wir haben also viele Gründe, den Platz zu erhalten und dafür zu sorgen, dass er mit einem gesunden Finanzierungskonzept weiterbetrieben wird“, so der Geschäftsführer.

Lösung für Zeit nach September noch offen

Zur Erbengemeinschaft Quitmeyer gehören die Söhne des Club-Mitgründers und langjährigen Präsidenten, Dr. Uwe Quitmeyer. Volker und Tim Quitmeyer übernahmen nach dem Tod des Vaters im vergangenen Jahr. Während Volker Quitmeyer inzwischen selbst kein Golf mehr spielt, ist Tim Quitmeyer Golf-Trainer beim Hamburger Land- und Golfclub. „Wir wären zur Not bereit, den Golfplatz weiter zu unterstützen, hoffen aber, dass im Oktober die Kosten für die Pflege des Platzes nicht mehr so hoch ausfallen“, sagt Volker Quitmeyer. Bei den aktuell vom Insolvenzverwalter für den Weiterbetrieb geforderten Zahlungen ging es vor allem darum, die rund 60.000 Euro für die monatliche Platzpflege aufzubringen. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass alle Beteiligten die Kosten anteilig übernehmen: die Mitglieder des Golfclubs, unsere Gäste und wir“, so Quitmeyer.

Volker Quitmeyer ist Geschäftsführer der Wiesmoor-Gärtnerei und Baumschule GmbH sowie Sprecher der Erbengemeinschaft Quitmeyer. Foto: Böning
Volker Quitmeyer ist Geschäftsführer der Wiesmoor-Gärtnerei und Baumschule GmbH sowie Sprecher der Erbengemeinschaft Quitmeyer. Foto: Böning

In einem Schreiben wurden die Mitglieder des Vereins aufgefordert, zusätzlich zum Jahresbeitrag freiwillige Zahlungen zu leisten. „Jahreszahler, die die Anlage nutzen, bitten wir, pauschal 149 Euro im Monat auf ein Sonderkonto einzuzahlen oder je Bespielen des 18-Loch-Platzes 39 Euro zu entrichten“, schrieb Vereinspräsident Ralf Wilde an die Mitglieder. Weitere freiwillige Beiträge seien ebenfalls willkommen, heißt es in dem Schreiben. In dem neueren Schreiben vom 15. September bestätigten Vorstand Wilde und der vorläufige Insolvenzverwalter, dass durch die bereits eingegangenen Mittel der Spielbetrieb bis zum 30. September aufrechterhalten werden kann. Die Finanzierung ab Oktober sowie die Zukunftsperspektiven blieben offen.

Der Vorstand wird ungeduldig

Wilde wird zunehmend ungeduldig, was eine Lösung für den Golfplatz betrifft. „Statt an der Zukunft des Platzes zu arbeiten, kommen wir nicht von der Stelle“, kritisiert er. Wilde hatte zu Beginn des Verfahrens die Hoffnung geäußert, der Golfplatz könnte von einer Betreibergemeinschaft rund um die Quitmeyer-Erben übernommen und privatwirtschaftlich geführt werden. Aber von dort gibt es aktuell keine Anzeichen, dass eine solche Lösung in Sicht ist. „Wir haben alle den Wunsch, dass es in Wiesmoor weiterhin einen solchen Golfplatz geben wird“, hatte Volker Quitmeyer der Zeitung bereits vor ein paar Wochen bestätigt. „Das ist uns und auch der Stadt wichtig. Es ist schließlich auch eine Prestigefrage.“ Wie das allerdings erreicht werden soll, ließ er offen.

Die Erbengemeinschaft hat es längst nicht so eilig wie Ralf Wilde, eine Lösung zu finden. Quitmeyer gesteht: „Wir sind noch nicht viel weiter als zu Beginn der Gespräche.“ Wichtig sei es jetzt, den Verein sicher durch den Oktober und in den Winter zu bringen. „Damit wir bis zum Frühjahr Zeit haben, eine nachhaltige Lösung zu finden“, erklärt Volker Quitmeyer. Währenddessen bröckelt die Unterstützung für Wilde im Verein. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Clubs Ende August, mit laut dem Vorsitzenden 110 Teilnehmern, habe er den Rückhalt der etablierten Mitglieder vermisst. Auch die unverbindliche Umfrage nach der Spendenbereitschaft der Mitglieder sei enttäuschend gewesen. „Wäre es mir nicht so wichtig, für die Mitarbeiter alles ordentlich abzuwickeln, wäre ich bei der Versammlung aufgestanden und gegangen.“

Parteien kommen nicht zueinander

„Am liebsten wäre mir fast, die Erbengemeinschaft würde den Pachtvertrag mit dem Golfclub bis 2050 verlängern“, so Wilde. „Dann könnten wir uns einen Investor suchen und die Geschicke des Golfclubs selbst in die Hand nehmen.“ Ob er den Verein nach der enttäuschenden Erfahrung während der Mitgliederversammlung in eine solche Zukunft führen würde, ließ er offen. Wilde hatte schon früher kritisiert, dass der aktuelle Pachtvertrag in acht Jahren endet. „Mit einer solchen Aussicht bekommen wir keinen Investor. Nicht einmal mehr eine Förderung durch den Golfverband ist für uns drin“, so der Vorsitzende. „Jede einzelne Pumpe, die wir anschaffen mussten, haben wir voll selbst finanziert.“

Hätten diese acht Jahre bei Verhandlungen eine wichtige Rolle gespielt, hätte man einfach mit der Erbengemeinschaft eine neue Vereinbarung treffen können, hatte Quitmeyer der Zeitung auf der anderen Seite erklärt. „Wir haben schließlich ein doppeltes Interesse daran, dass es dem Verein gut geht und es weitergeht.“ Trotz der gemeinsamen Ziele kommen die Parteien offenbar nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Bleibt die Hoffnung, dass dieses Taktieren Wiesmoor nicht seinen Golfplatz kostet.

Ähnliche Artikel