Chaos in Westgroßefehn Umbau der Leerer Landstraße – Kreis stellt Planungen vor
Anwohner in Westgroßefehn sind genervt: Gut 6000 Fahrzeuge rollen täglich über die Leerer Landstraße – gelenkt von Navis und dem Bedürfnis, abkürzen zu wollen.
Großefehn - Seit Jahren stöhnen die Anwohner in Westgroßefehn über die hohe Verkehrsbelastung auf der Leerer Landstraße. Rund 6000 Fahrzeuge rollen täglich über die enge Klinkerstraße durch den Ort. So steht es auf Protestplakaten, die Anwohner im Mai entlang der Straße in Stellung gebracht haben. „Der Psycho-Terror ist größer, als man glaubt“, sagt Heyo Onken, einer der von der Blechlawine genervten Anwohner. Eine ansehnliche Gruppe hat sich seit dieser Zeit zusammengefunden und fordert, die Zahl der durch den Ort fahrenden Fahrzeuge um zwei Drittel zu reduzieren, wie Onken berichtet. Das wären dann nur noch 2000 Autos am Tag.
Was und warum
Darum geht es: Der Durchgangsverkehr nervt Anwohner in Westgroßefehn. Eine Umgestaltung der Leerer Landstraße soll jetzt zumindest mehr Sicherheit bringen.
Vor allem interessant für: Anwohner, Autofahrer und die Kommunalpolitik
Deshalb berichten wir: Die Planungen des Landkreises werden am Donnerstag im Bauausschuss und Ortsrat vorgestellt. Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de
Nach einem Ortstermin Ende Mai hatte Landrat Olaf Meinen (parteilos) den Anwohnern eine baldige Umgestaltung der als Landesstraße ausgewiesenen Leerer Landstraße zugesagt. Die Planungen für den kommenden Umbau werden jetzt am Donnerstag, 22. September, ab 19 Uhr bei einer zeitgleichen Sitzung sowohl dem Ausschuss für Bau, Planung, Landwirtschaft, Feuerschutz, Umwelt und Wirtschaftsförderung der Gemeinde Großefehn als auch dem Ortsrat Timmel/Westgroßefehn bei einer öffentlichen Sitzung im Bürgerhaus vorgestellt. Finanziert werden soll der Umbau zu 60 Prozent mit Landesmitteln, den Rest teilen sich Landkreis und Gemeinde. In Großefehn sind noch politische Beschlüsse für die Eigenbeteiligung erforderlich.
Wird die Strecke noch attraktiver?
„Der Landkreis Aurich stellt hier seine Planung vor, die eine Verbesserung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer bewirken soll“, berichtet Bürgermeister Erwin Adams (parteilos) auf Anfrage. Dabei gehe es vor allem darum, den Verkehrsraum geordneter zu gestalten. Radfahrer und Fußgänger würden auf der dem Kanal gegenüberliegenden Seite eine eigene Spur erhalten. Hinzu komme ein neuer Belag für die Fahrbahn, mit dem die Fahrgeräusche der Blechlawine reduziert werden sollen. Den Anliegern werde die Planung bereits nicht-öffentlich bei einer Versammlung am Dienstagabend vorgestellt.
Ob sich durch eine Asphaltierung der Fahrbahn der Verkehr verringern lässt, daran gibt es erhebliche Zweifel. Auch seitens des Landkreises war bereits im Frühjahr zu hören, dass die Strecke durch den Umbau möglicherweise noch attraktiver für Autofahrer werden könnte. „Das Ziel, den Verkehr da rauszuhalten, werden wir nicht erreichen“, hatte Landrat Meinen gegenüber der Redaktion zum Ausdruck gebracht. Die überörtliche Bedeutung der L14 dürfe durch die Umgestaltung der Landesstraße nicht eingeschränkt werden.
Anwohner wollen in Ruhe zuhören
Warum die enge und geklinkerte Leerer Landstraße überhaupt zur Durchgangsstraße geworden ist, hat gleich mehrere Ursachen. Wer von Aurich Richtung Autobahn oder Niederlande fahren möchte, wird von den Algorithmen seines Navigationsgerätes standardmäßig auf die kürzeste Strecke über Schirum, Westgroßefehn und Timmel geleitet. Problematisch ist außerdem, dass die Leerer Landstraße den Status einer Landesstraße hat, während die Alternativstrecke, die Schrahörnstraße nach Mittegroßefehn, „nur“ eine Kreisstraße ist, wenn auch besser ausgebaut. Zudem gibt es noch eine zweite Gruppe, die der Berufspendler, denen die zwei Kilometer mehr über Mittegroßefehn offenbar zu weit sind. „Wenn man die dazu bringen könnte, Westgroßefehn künftig zu meiden, wäre ja auch schon etwas gewonnen“, hatte Anwohnerin Kerstin Buss im Mai gegenüber unserer Zeitung gesagt.
„Wir werden uns die Sache in aller Ruhe anhören“, kündigte Heyo Onken für die betroffenen Anwohner an. „Wir sind eine Gruppe, sprechen mit einer Stimme und werden uns, nachdem wir reiflich überlegt haben, auch zu den Planungen äußern.“ Auch er ist sich nicht sicher, ob die Reduzierung der Fahrzeugbewegungen unter den gegebenen Umständen möglich ist. Inwieweit auch rechtliche Fragen eine Rolle spielen könnten, müsse möglicherweise noch geklärt werden.