Laura Rothe soll Erste Stadträtin werden  Mit Anfang 30 Vize-Chefin der Stadt Aurich

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 19.09.2022 16:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Laura Rothe ist auf dem Sprung an die Spitze der Stadtverwaltung. Foto: Archiv/Ortgies
Laura Rothe ist auf dem Sprung an die Spitze der Stadtverwaltung. Foto: Archiv/Ortgies
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Mit Anfang 30 wird Laura Rothe im kommenden Jahr Vize-Chefin der Auricher Stadtverwaltung. Sie soll Nachfolgerin des Ersten Stadtrats Hardwig Kuiper werden. Noch ist nicht alles geklärt.

Aurich - Die Auricher Stadtspitze wird jünger und weiblicher: Fachbereichsleiterin Laura Rothe (32) soll im kommenden Jahr zur Nachfolgerin des Ersten Stadtrats Hardwig Kuiper (64) und damit zur allgemeinen Vertreterin des Bürgermeisters gewählt werden. So wünscht es sich Bürgermeister Horst Feddermann (57, parteilos). Aus der Politik sind Signale der Zustimmung zu hören. Darauf kommt es an, denn der Erste Stadtrat oder die Erste Stadträtin wird für acht Jahre vom Rat gewählt. Der Bürgermeister hat das Vorschlagsrecht.

Kuiper geht zum 30. Juni 2023 in den Ruhestand. Rothe ist seit dem 1. Juli 2021 Fachbereichsleiterin für Recht, Ordnung und Bürgerdienste. Die Juristin wurde seinerzeit als Nachfolgerin von Kai-Michael Heinze eingestellt. Seitdem hat sie sich bei den Kollegen im Rathaus und auch in der Politik einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. „Ich habe das Gefühl, dass sie gut ankommt“, sagt Feddermann. Sie genieße das volle Vertrauen der Stadtspitze.

75 Prozent müssen dafür sein

Er habe Rothe nun seit mehr als einem Jahr erlebt, sagt der Verwaltungschef. Das sage doch viel mehr aus als ein Vorstellungsgespräch mit einem Bewerber, das vielleicht eine halbe Stunde dauert. Daher könne man es sich sparen, die Stelle auszuschreiben, meint Feddermann. Darüber entscheidet der Rat. Das Thema wird kommende Woche Montag im Finanzausschuss behandelt. Feddermann braucht eine 75-Prozent-Mehrheit, um auf die Ausschreibung der Stelle verzichten zu dürfen.

Der Bürgermeister möchte auf jeden Fall einen Juristen oder eine Juristin für die Stadtspitze. „Weil die juristischen Fragen immer mehr und immer komplexer werden.“ Rothe selbst befindet sich noch im Urlaub und war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Nach Angaben des Bürgermeisters hat sie sich jedoch über den Vorschlag gefreut und Interesse bekundet. Der Zuschnitt ihres Fachbereichs soll sich nach Feddermanns Vorstellung nicht ändern. „Der Titel des Ersten Stadtrats hat nichts mit dem Aufgabenzuschnitt zu tun. Den kann man in Teilen frei wählen.“ Die Stadt brauche dann aber einen neuen Fachbereichsleiter oder eine neue Fachbereichsleiterin. Die Einzelheiten müssten mit der Politik abgesprochen werden. Kuiper kümmert sich unter anderem um Soziales, Kultur, Sport, Schulen und Kindergärten.

„Wir begrüßen das recht herzlich“

Aus der Politik habe er durchweg positive Rückmeldungen bekommen, sagt der Bürgermeister. Nur eine Fraktion habe noch Redebedarf. „Das ist vollkommen in Ordnung und nachvollziehbar.“ Bei der Fraktion mit Redebedarf handelt es sich um die SPD, wie Fraktionschef Harald Bathmann bestätigt. Man habe noch einige Fragen zu klären. „Wir halten Frau Rothe für eine ausgezeichnete Kandidatin“, stellt Bathmann klar. „Und wir können uns vorstellen, dass wir das unterstützen.“ Der SPD sei es jedoch wichtig, dass Rothe nicht nur Stellvertreterin des Bürgermeisters sei, sondern Präsenz in den Ausschusssitzungen zeige und einen Draht zur Politik habe. Das habe man dem Bürgermeister am Montag in einem Gespräch klargemacht, und darüber wolle man auch mit ihr persönlich sprechen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden.“

Die CDU hingegen hat sich schon festgelegt. „Das findet unsere Zustimmung“, sagt Fraktionschef Arnold Gossel über Feddermanns Vorschlag. Rothe habe sich sehr gut eingearbeitet, sei sehr hilfsbereit und komme mit allen Fraktionen gut aus. Richard Rokicki von der Auricher Wählergemeinschaft (AWG) sagt: „Wir begrüßen das recht herzlich.“ Mit Rothes Arbeit sei die AWG sehr zufrieden. „Sie ist eine sehr kommunikative Person.“ Als Juristin habe sie schon mehrmals ihre Kompetenz unter Beweis gestellt, und menschlich sei sie sehr angenehm.

„Ich kann nur Gutes über sie berichten“

Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann sagt: „Ich kann nur Gutes über sie berichten.“ Genau wie die neue Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß – sie ist seit Januar im Amt – sei Rothe ein Gewinn für die Stadt. „Sie ist für uns erreichbar und sehr kompetent in ihren Aussagen.“ Rothe und auch Busch-Maaß „reden mit uns und dann wissen wir, woran wir sind“, sagt Altmann. „Sie machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube.“ Außerdem finde sie es gut, eine Frau in eine Spitzenposition zu heben.

Die Spitzenposition ist hoch dotiert: Ein Stadtbaurat wird in einer Stadt der Größe Aurichs nach der Besoldungsgruppe B 4 bezahlt (knapp 9000 Euro Grundgehalt). Rothe stammt aus Haselünne im Emsland und hatte nach zehn Jahren Großstadt wieder Lust auf das Leben in einer Kleinstadt, wie sie im vergangenen Jahr nach ihrem Start in Aurich sagte. „Ich freue mich auf jeden Fall sehr und habe richtig Bock.“ Vorher war die 32-Jährige unter anderem beim Streitkräfteamt in Bonn beschäftigt. Außerdem hatte sich die gelernte Verwaltungsfachangestellte bei der Bezirksregierung in Münster, ihrem Studienort, um Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz gekümmert.

2019 unterlag Hardwig Kuiper (links) Horst Feddermann (rechts) bei der Wahl zum Bürgermeister. Foto: Archiv/Ortgies
2019 unterlag Hardwig Kuiper (links) Horst Feddermann (rechts) bei der Wahl zum Bürgermeister. Foto: Archiv/Ortgies

Mit dem Personalwechsel dürfte sich auch die Stimmung an der Stadtspitze deutlich verbessern. Das Verhältnis zwischen Feddermann und Kuiper gilt als angespannt. Kein Wunder: 2019 wollte Kuiper selbst Bürgermeister werden und unterlag bei der Wahl überraschend dem vermeintlichen Außenseiter Feddermann, obwohl der Erste Stadtrat seinerzeit von SPD und CDU unterstützt wurde. Beobachter hatten erwartet, dass Kuiper nach der Niederlage bei der Bürgermeisterwahl die Stadtverwaltung vorzeitig verlässt und sich einen neuen Job sucht. Doch das passierte nicht. Seitdem muss er seinen ehemaligen Kontrahenten als Chef akzeptieren.

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