Unternehmen aus der Region Ärger in Briefform – Versorger kündigt Gasvertrag
Damit hatte sie nicht gerechnet: Der Gasvertrag von Brigitte Weitz wurde vom Anbieter gekündigt. Pro-Engeno aus Jemgum zieht sich aus dem Geschäft zurück.
Rheiderland - Ende August kam sie unvermittelt: Die Kündigung ihres Gasvertrages. Das beschreibt Brigitte Weitz der Redaktion. Die Bunderin wunderte sich nicht schlecht. „Dass man unbefristete Verträge einfach so kündigen und den Kunden dann zum sogenannten Grundversorger abschieben kann, weil das Geschäftsmodell nicht mehr so richtig funktioniert, war mir bei Vertragsabschluss nicht klar“, ärgert sie sich. Das Nendorper Unternehmen Pro-Engeno wird die Gaslieferung zum 30. September einstellen. Schweren Herzens, wie das Unternehmen mitteilt.
Was und warum
Darum geht es: Es flattert Post ins Haus und damit ist der Gasvertrag beendet: So ging es den Ökogas-Kunden von Pro-Engeno mit Sitz in Nendorp.
Vor allem interessant für: Die, die sich für das Thema Heizkosten interessieren.
Deshalb berichten wir: Eine Betroffene meldete sich bei uns. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Ausgesucht habe man sich das nicht: „Die anhaltende Energiepreiskrise sowie die vom Bundeswirtschaftsministerium ausgerufene Alarmstufe Gas stellen uns alle vor große Herausforderungen“, teilt das Unternehmen auf der Internetseite mit. „Trotz intensivster Bemühungen ist es uns in den vergangenen Monaten nicht gelungen, an den Energiemärkten ausreichend Gasmengen zu angemessen Preisen für die nächste Heizperiode zu beschaffen“, heißt es weiter. Man habe sich den Schritt nicht leicht gemacht, aber „nach gründlicher Abwägung aller uns zur Verfügung stehenden Optionen“ habe man sich dazu entschieden, sich auf die Kerngeschäfte Ökostrom und Energiedienstleistung zu konzentrieren und die Gaslieferung zum 30. September einzustellen.
Zynische Begründung für die Kundin
„Ich finde die Begründung für die Kündigung ‚Konzentration auf Kernkompetenzen’ ziemlich zynisch“, sagt Weitz. Man mache das nur, um das unangenehme Thema Gas loszuwerden. Ökostrom sei lukrativer. „Auf mich hat das Unternehmen immer so einen familiären Eindruck gemacht, Kunden werden gedutzt und man ist am Telefon und per E-Mail immer super freundlich“, so Weitz. Die Enttäuschung sei deshalb umso größer.
Jahrzehntelang sei sie bereits im Ruhrgebiet Stromkundin bei Pro-Engeno gewesen, „weil wir ökologisch erzeugten Strom wollten“, sagt Weitz. „Als wir uns dann ein Haus in Ostfriesland gekauft hatten, war für uns klar, dass wir neben dem Strom auch das Gas von Pro-Engeno beziehen werden.“ Damit ist jetzt Schluss.
So geht es nun weiter
Das heißt aber nicht, dass Weitz und die anderen Kundinnen und Kunden jetzt ganz ohne Gas dastehen. „Sollte Ihr Anbieter die Belieferung stoppen, übernimmt der örtliche Grundversorger die Strom- oder Gaslieferung. Es erfolgt keine Versorgungsunterbrechung. Es fließt also immer Energie“, erklärt dazu die Verbraucherzentrale. „Wir werden alle glückliche EWE-Kunden und zahlen absurde Preise“, sagt Weitz dazu. „Wir haben noch das Glück, dass es sich um unseren Zweitwohnsitz handelt und wir nicht durchgehend heizen müssen“, sagt sie.
„Der sogenannte Grundversorger ist immer das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden:innen beliefert“, formuliert die Verbraucherzentrale. Für die Strom- und Gaslieferung gelten dann die Bedingungen der Grundversorgungsverordnung für Strom (StromGVV) beziehungsweise Gas (GasGVV). Das bedeute unter anderem, dass man eine Belieferung durch den Grundversorger in der Ersatzversorgung fristlos kündigen und so in einen günstigeren Tarif wechseln könne. Problem: „Die Preise in der Grund- und Ersatzversorgung waren in der Vergangenheit regelmäßig hoch. Derzeit sind aber Gaspreise beim Grundversorger oft günstiger als bei anderen Anbietern, was mit der Explosion der Gaspreise insbesondere an den Spotmärkten zu tun hat“, so die Verbraucherzentrale.
Wechsel derzeit nicht einfach
Wer also seinen Anbieter wechseln möchte oder einen neuen suchen muss, hat es nicht leicht. „Derzeit herrscht eine Ausnahmesituation auf dem Gas- und Strommarkt: die Beschaffungspreise sind seit dem Herbst 2021 sehr hoch und seitdem weiter gestiegen. Viele Energieanbieter haben mit Preiserhöhungen reagiert“, erklärt die Verbraucherzentrale. Einige böten keine Sondertarife für Neukunden und -kundinnen mehr an, so dass das Tarifangebot schmaler als vor der Gaspreiskrise ist. „Ich habe nachgeschaut. Die Preise sind horrend“, sagt Weitz. Wer bei Portalen vergleicht, muss aufpassen: „Vergleichsportale beziehen die Grundversorgungstarife oftmals nicht in ihr Suchergebnis ein. Zudem stimmen zurzeit oftmals die Preise der ausgewiesenen Tarife in den Portalen nicht“, warnt die Verbraucherzentrale.
In den letzten Monaten haben zahlreiche Energielieferanten ihren Kundinnen und Kunden gekündigt und die Versorgung eingestellt – zum Beispiel auch die Unternehmen Gas.de und Stromio. „Ob eine solche außerordentliche Kündigung seitens der Anbieter überhaupt zulässig ist, wird nun vor Gericht verhandelt. Die Verbraucherzentrale Hessen lässt aktuell im Rahmen einer Musterfeststellungsklage prüfen, ob das Vorgehen von Stromio rechtswidrig ist“, teilen die Verantwortlichen mit. Betroffene sollen damit eine rechtliche Grundlage erhalten, um finanzielle Schäden, die ihnen durch die teurere Ersatzversorgung entstanden sind, geltend zu machen.
Stadt Leer soll Bürgern in Not den Weg zur Hilfe weisen
Monteure gehen in Ostfriesland von Haus zu Haus
„Es geht ums nackte Überleben“
EWE erhöht schon wieder den Gaspreis