Osnabrück  Die Königin ist tot: Lang lebe die Monarchie!

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 19.09.2022 15:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Weltweit trauern Menschen um die britische Königin Elizabeth II. Foto: AP
Weltweit trauern Menschen um die britische Königin Elizabeth II. Foto: AP
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Die Welt nimmt Abschied von der Queen - und die Anteilnahme ist gigantisch. Wie erklärt sich das? Elizabeth II. war eben mehr als nur ein Staatsoberhaupt. Die Königin hatte eine politische Funktion, die dafür sorgen dürfte, dass die Monarchie auch unter ihrem Sohn weiterlebt.

Die Queen ist tot - und auch wenn sie die dienstälteste Monarchin der Welt und ein beispielloses Staatsoberhaupt war, so ist das Ausmaß der Anteilnahme doch erstaunlich. Mehr als vier Milliarden Zuschauer weltweit - also fast jeder zweite Erdenbewohner - sahen geschätzt das Medienereignis ihrer Beerdigung. Wieviele Menschen würden die Beerdigung eines deutschen Bundespräsidenten mitverfolgen? Eine Königin, also eine politische Figur, hat den Status eines Popstars erreicht, trat in einem James Bond-Film und mit Paddington Bär auf - wie erklärt sich das? 

Zum einen liegt es sicher daran, dass Elizabeth II. eine Aufgabe perfekt erfüllt hat, die die Monarchie im politischen System unserer Zeit hat: Institutionelle Sicherheit zu bieten, eine Konstante zu sein, die vom Auf und Ab der Geschichte, von Krisen und Konflikten, von Regierungswechseln und Minister-Rücktritten unberührt bleibt. Die lange Dauer ihrer Regentschaft von mehr als 70 Jahren kam ihr dabei zugute. Mehrere Generationen haben das Gefühl, dass die Queen immer schon da war. Sie hat 15 Premierminister erlebt, angefangen mit Winston Churchill: Die Queen und damit die Monarchie schienen einfach unerschütterlich zu sein - und das politische Großbritannien mit ihr.  Das strahlte über ihr Land weit hinaus, zumal sie ja auch Staatsoberhaupt des Commonwealth war.

Zum anderen war es die neutrale und geradezu unpolitische Haltung, die die Verfassung der britischen Monarchin vorschreibt und die die Queen stets verkörperte. Die Königin war diskret und überparteilich, sie hatte keine Ideologie  - zumindest keine, die sie öffentlich äußerte - , sie mischte sich nicht in die Tagespolitik ein und hinterließ kaum politische Zitate. So beschränkte sie etwa ihr Statement gegen den EU-Austritt Großbritanniens auf die Wahl eines blauen Hutes mit gelben Applikationen, der an die Europaflagge erinnerte. Ansonsten kein Wort dazu. Damit war die Queen trotz ihrer politischen Rolle erfrischend unpolitisch, nahezu jeder Bürger konnte sich mit ihr identifizieren.

Elizabeth II. machte damit etwas möglich, was in den zunehmend polarisierten Gesellschaften Europas immer weniger üblich ist: Über politische Themen zu debattieren, ohne in Streit zu geraten. Über die Queen und nun über ihren Tod wurde kaum gestritten. Auf die Queen konnten sich alle einigen, die Queen wurde allgemein geschätzt. Das ist ihr politisches Vermächtnis, das ihr Sohn König Charles III. fortführen sollte. Wenn ihm und seinen Nachfolgern das gelingt, dürfte die britische Monarchie - trotz aller Reform-Notwendigkeiten - wohl noch lange leben.

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