Schützenfest in Emden Neue Disziplinen sollen Schützenvereinen helfen
Eine dem Biathlon ähnelnde Disziplin könnte mehr Menschen für den Schießsport begeistern. Anlässlich des Emder Schützenfestes spricht Erwin Esderts unter anderem darüber.
Emden - Schützenvereine haben auch in Ostfriesland eine lange Tradition. So standen am Sonntag viele Zuschauer an der Emder Neutorstraße und im Stadtgarten, als sich der Umzug des Schützencorps und vieler weiterer Gruppen in Bewegung setzte. Obwohl die Emder zusammen mit den Esensern die beiden größten Schützenfeste in Ostfriesland veranstalten, muss man sich allerdings auch hier etwas einfallen lassen, um in die Zukunft blicken zu können. Was ist dafür nötig? Diese und weitere Fragen haben wir Erwin Esderts gestellt. Der 61-jährige Emder ist Rendant des Ostfriesischen Schützenbunds, sein Sohn Stefan ist der noch amtierende Schützenkönig in der Stadt.
Herr Esderts, welche Zukunft haben die Traditionsschützen?
Erwin Esderts: Das ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Es gibt Schützenvereine, die noch eine sehr starke Traditionsabteilung haben und wo es auch noch Zuspruch aus der Bevölkerung gibt. Das betrifft aber sicherlich nicht die Mehrheit der Vereine. Stattdessen rückt der Schießsport immer weiter in den Vordergrund.
Was wird getan, um Menschen hier für den Schießsport zu begeistern?
Esderts: In den vergangenen Jahren sind in Ostfriesland neue Disziplinen dazugekommen, mit denen man auch schon kleinere Kinder ansprechen kann. Zum Beispiel das völlig ungefährliche Lichtschießen, das im Gegensatz zum Luftgewehr auch für unter Zehnjährige ist. Wenn man die Jugend früh anspricht, kann man sie binden und die Kinder sind noch nicht durch Aktivitäten in anderen Vereinen ausgebucht. Anfangs wurde das Lichtschießen ebenso wie das Blasrohrschießen noch belächelt. Nun entscheiden sich hier immer mehr Vereine dafür und es gibt überregionale Meisterschaften. Darüber hinaus wird auch dem Zuschauer heute dank Monitoren und moderner Technik mehr geboten. Zuschauer sind wichtig, wie man bei anderen Sportarten sieht: Seitdem Wettkämpfe übertragen werden, haben sich dort Fangemeinden gebildet.
Welche Disziplinen könnten sich zukünftig noch verbreiten?
Esderts: Da gibt es sehr interessante. Zum Beispiel Target Sprint, also Ziel-Sprint. Viele kennen sicherlich den Biathlon, bei dem die Ausrüstung aber durchaus kostenintensiv ist. Zudem braucht man spezielle Gewehre. Target Sprint ist ebenfalls eine Kombination aus Laufen und Schießen, was die Schützenvereine aber relativ schnell umsetzen können. Man braucht dafür eine 400-Meter-Bahn und normale Luftgewehre, die nach jedem Schuss nachgeladen werden. Einige Schützenvereine haben schon Kooperationen mit Sportvereinen, die sehr gut funktionieren. Man muss nur offen für Neues sein.
Was wird derzeit in Emden Besonderes angeboten?
Esderts: Unter anderem gibt es in Emden einen Kleinkaliber- und auch einen Großkaliberstand, wo man mit Pistole oder Revolver scharf schießen kann. Es gibt Zulauf von Interessierten, die ganz bewusst Richtung Großkaliber schauen. Auch wenn wir uns über jeden freuen, der Interesse am Schießsport hat, sind wir dann aber immer vorsichtig. Wir versuchen, rechtzeitig zu erkennen, ob die nur eintreten, um eine Großkaliberwaffe zu erwerben. In der Regel müssen die Interessierten daher erst einmal an der Luftpistole beweisen, dass auch wirklich Interesse am Schießsport besteht. Sie müssen üben und an Wettbewerben teilnehmen und damit den Bedarf an einer eigenen Waffe begründen.
Inwiefern haben sich die Anforderungen im Schießsport verändert?
Esderts: Die Auflagen steigen und es wird durchaus strenger kontrolliert, was auch richtig ist. Letzten Endes ändern sich aber auch die Vorschriften für Schießstände, die dann umgebaut oder erweitert werden müssen. Für einige Vereine ist das eine recht große Hürde, vor allem, wenn es nicht nur um Luftgewehre geht. Handelt es sich um einen offenen Stand, habe ich zudem Probleme wegen des Schalls. Beim geschlossenen wegen der Be- und Entlüftung. Hinzu kommt die aktuelle Diskussion in puncto Munition und Umweltschutz, denn letzten Endes sind es Bleigeschosse, die wir verschießen. Bei möglichen Alternativen ist man sich nicht so ganz einig. Es gab schon Stände, wo mit Schrot geschossen wurde und die geschlossen werden mussten, obwohl die Vereine erfolgreiche Wurfscheiben-Schützen hatten.
Wie ist die Mitgliederentwicklung bei den Vereinen in Ostfriesland?
Esderts: In Ostfriesland haben wir etwa 10.000 Schützen in nicht mehr ganz 100 Vereinen. Der Trend geht nach unten. In manchen Gruppen tut sich nur noch wenig und es ist eine Frage der Zeit, bis die Mindestmitgliederzahl unterschritten ist. In den vergangenen Jahren hat schon der eine oder andere Verein aufgegeben. Anderen Vereinen allerdings gelingt es, die Zahl an austretenden oder verstorbenen Mitgliedern durch neue Schützen aufzufangen.