Wiesenbrüter in Bedekaspel  Feuchte Wiese lockt Brutpaare und Gäste

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 16.09.2022 15:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Heinrich Pegel vom NLWKN auf der Fläche für den Wiesenvogelschutz am Großen Meer vor der Brutsaison. Foto: Böning
Heinrich Pegel vom NLWKN auf der Fläche für den Wiesenvogelschutz am Großen Meer vor der Brutsaison. Foto: Böning
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Die Wiesenbrüter stehen auf feuchte Füße per Handy-App in Bedekaspel. Das Fazit im ersten Jahr: Die Masterplan-Ems-Ausgleichsfläche kommt bei den Vögeln an.

Bedekaspel - Über eine Handy-App können Heinrich Pegel und sein Team seit diesem Jahr dafür sorgen, dass die Wiesenbrüter auf einer Fläche am Großen Meer perfekte Bedingungen zum Leben finden: feuchte Füße zum Brutstart und ein sinkender Wasserstand, wenn der Nachwuchs größer wird. Schon die erste Brutsaison hat gezeigt, dass dieser Plan aufgeht. Doppelt so viele Kiebitz-Paare und erstmals auch Rotschenkel haben sich zum Brüten dort niedergelassen.

Was und warum

Darum geht es: Die erste Saison der Masterplan-Ausgleichsfläche am Großen Meer war ein Erfolg.

Vor allem interessant für: Landwirte, Umweltschützer, Vogelfreunde und Anwohner

Deshalb berichten wir: Die vierte Ausgleichsfläche des Masterplans Ems 2050 für den Wiesenvogelschutz hat ihre erste Brutsaison hinter sich.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Pegel ist Diplom Ingenieur für Umweltsicherung und arbeitet bei der Naturschutzstation Ems in Terborgbeim. Die Station wird als Einrichtung des Masterplans Ems 2050 vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) betrieben. Die Fläche am Großen Meer dient als Ausgleich für Maßnahmen des Masterplans, durch die Brutplätze für Wiesenbrüter entlang des Ems-Ufers wegfallen.

Kiebitz und Rotschenkel zogen ihre Jungen groß

Am Großen Meer wurde dafür extra ein Stauwerk errichtet, um die Flächen feuchter halten zu können als die Umgebung. Das hat sich gelohnt: Bereits im ersten Jahr der gesteuerten Vernässung stieg die Zahl der Kiebitzbruten im Vergleich zum Zustand vor den Maßnahmen von fünf auf zehn Paare. Drei Rotschenkel-Paare nutzen erstmals diese Fläche. Pegel beobachtete auch Uferschnepfen und Brachvögel in der Brutzeit, jedoch ohne eine Brut nachweisen zu können. Die Uferschnepfe ist standorttreu. Sie braucht länger, um sich neue Brutplätze zu erschließen. Ziel ist, dass auch sie sich hier niederlässt. Die Arten- und die Anzahl der Gastvögel sei ebenfalls deutlich gestiegen. Unter ihnen waren laut Pegel neben vielen Enten- und Gänsearten auch Säbelschnäbler, Flussregenpfeifer, Kampfläufer, Uferschnepfen, Bekassinen sowie Bruch- und Waldwasserläufer. „Etwa 200 bis 300 Kiebitze haben auf den Flächen gerastet“, berichtet Pegel.

Dieses Stauwehr sorgt für feuchte Füße bei den Wiesenbrütern. Foto: Böning
Dieses Stauwehr sorgt für feuchte Füße bei den Wiesenbrütern. Foto: Böning

Als zentrale Maßnahme wurde in diesem Frühjahr eine digital steuerbare Wasserstandregelung in Betrieb genommen. In dem nach der Umgestaltung einzigen Graben, der aus dem 43,8 Hektar großen Gebiet herausführt, wurde ein regelbares Wehr installiert. Die Steuerung regelt den Wasserstand in den Wiesen entsprechend den Bedürfnissen der Wiesenbrüter, kann aber auch von einem Schaltschrank am Wehr aus oder via Handy gesteuert werden, berichtet Heinrich Pegel, der die Umgestaltung des Gebiets geplant und umgesetzt hat.

Wasserstand nach Wunsch der Bewohner

Vor allem im Frühjahr, wenn die Wiesenbrüter aus ihren Überwinterungsgebieten zum Brüten nach Ostfriesland kommen, und die nordischen Gastvögel als Wintergäste noch da sind, sollen sie nasse Böden vorfinden. Flache und nur zeitweise vorhandene Gewässer in natürlichen Geländemulden oder Bodenvertiefungen sollen als Sammel-, Schlaf- und Nahrungsplätze eine vogelfreundliche Umgebung schaffen. Mitte Mai bis Ende Juni wird der Wasserstand wieder für den landwirtschaftlichen Pächter gesenkt. Während des für die Brutvögel optimalen Wasserstaus von Mitte Februar bis April stehen rund acht Hektar des 44 Hektar großen Gebietes flach unter Wasser.

Zusätzlich wird im Herbst eine neue, leistungsfähigere und fischfreundliche Pumpe im Unterschöpfwerk Groß Sande des Ersten Entwässerungsverbandes Emden ihre Arbeit aufnehmen. Der Bau und die Finanzierung der Pumpe aus Mitteln des Masterplans Ems 2050 wurde vereinbart, weil in dem zeitweise vernässten Gebiet Regenwasser nicht versickert, sondern sofort abfließt und über das Schöpfwerk Groß Sande abgeleitet werden muss. Dadurch wurde eine zusätzliche Belastung für das Entwässerungssystem erwartet.

Gebiet diente als Regenrückhaltebecken

Nach dem Einbau des regelbaren Wehres konnte der „tiefe Teller Vernässungsgebiet Bedekaspel“ in der Sturmphase im Februar sogar als „Regenrückhaltebecken“ genutzt werden. „Ich habe den Einstau maximal erhöht und das Wasser in enger Absprache mit dem Entwässerungsverband zeitverzögert abfließen lassen, als sich die Lage wieder entspannt hatte“, erläutert Pegel. Dieses Vorgehen sei laut den naturschutzfachlichen Vorgaben je nach Brut- und Jahresverlauf möglich.

Bis 2050 sollen über den Masterplan Ems 200 Hektar solcher Wiesenvogelgebiete angelegt werden. Das Zwischenziel bis 2025 liegt bei 78 Hektar. Mit 89 Hektar bereits angelegter Fläche ist der Plan seiner Zeit voraus. Neben dem Gebiet in Bedekaspel befinden sich weitere Flächen im Kreis Emsland: Im Brualer Hammrich, im Landschaftsschutzgebiet Flaar bei Rhede sowie in den Leher Wiesen bei Dörpen.

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