Hygieneprodukte Grüne fordern kostenlose Tampons für Auricherinnen
Mit der Forderung nach kostenlosen Hygieneprodukten rennen die Grünen bei den Gleichstellungsbeauftragten offene Türen ein. Noch ist es ein weiter Weg. In Heidelberg läuft bereits ein Pilotprojekt.
Aurich - Ein Körbchen oder Spender mit Binden und Tampons auf dem Damenklo? Auf öffentlichen Toiletten nicht nur Toilettenpapier, sondern auch Hygieneprodukte bereitzustellen, diese Forderung ist nicht neu. „Auf Regionalebene wurde das Thema beim Treffen der Gleichstellungsbeauftragten schon diskutiert“, sagt Dorinka Herrmann, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Aurich. Der Haken: Umgesetzt wurde es in der Region bisher nicht. Jetzt haben die Auricher Grünen einen Antrag bei der Stadtverwaltung eingereicht. Darin fordern sie die kostenlose Abgabe von Menstruationsprodukten.
Was und warum
Darum geht es: Die Grünen fordern kostenlose Menstruationsprodukte in öffentlichen Gebäuden in Aurich.
Vor allem interessant für: Frauen und mitfühlende Männer.
Deshalb berichten wir: Die Grünen haben bei der Stadtverwaltung einen Antrag zu diesem Thema eingereicht.
Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
„In städtischen Schulen in Aurich und öffentlichen Einrichtungen wie dem Rathaus und öffentlichen Toiletten sollen in Zukunft Menstruationsprodukte für Frauen kostenlos erhältlich sein“, fordern sie in dem Schreiben. Wie konkret eine Ausgabe bestmöglich erfolgen kann, könne die kommunale Gleichstellungsbeauftragte mit den relevanten Beteiligten klären, heißt es weiter.
Gleichstellungsbeauftragte unterstützen die Forderung
„Das ist eine Idee, die wir grundsätzlich unterstützen. Toilettenpapier gibt es ja auch kostenlos, warum also nicht auch Hygieneprodukte?“, fragt Herrmann. Ob die in einem Körbchen oder Spender bereitgestellt werden, müsse festgelegt werden. „Es gibt viele verschiedenen Lösungen“, so Herrmann. Man müsse überlegen, ob die Abgabe komplett kostenlos sein soll oder ein Schutzbetrag von ein paar Cents dafür genommen wird. Auch wer die Produkte bereitstellt und wer die Kosten übernimmt, müsse geklärt werden.
„Vor allem gibt es noch kein Beispiel, durch dass Erfahrungswerte verfügbar sind“, gibt die Gleichstellungsbeauftragte zu bedenken. Für längere Erfahrungswerte können die Verantwortlichen aus Aurich nach Schottland schauen. Dort wurde 2020 laut den Grünen in einem landesweiten Programm beschlossen, Monatshygiene kostenlos zu verteilen. Auch in der Stadt Heidelberg startete am 1. September ein Pilotprojekt. Das hatte der Gemeinderat in seiner Sitzung am 10. Februar 2022 mit großer Mehrheit beschlossen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet. Auch in Karlsruhe und Tübingen sind ähnliche Projekte gestartet.
Das Thema soll kein Tabu mehr sein
Um auf das Angebot hinzuweisen und das Thema in die Öffentlichkeit zu rücken, soll laut der Forderung der Grünen die Bereitstellung von Menstruationsprodukten von einer Informationskampagne begleitet werden. „Dass sich die Stadt Aurich auch für die Enttabuisierung des Themas Menstruation einsetzt, entspricht den Zielen der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“, heißt es weiter.
Die Menstruation sei Alltag vieler Menschen. „Da sich niemand freiwillig für eine Menstruation entscheidet, können und dürfen Menstruations- und Hygieneprodukte kein Luxusgut sein“, fordern die Grünen in dem Schreiben. Vor allem Einkommensschwache würden durch teure Produkte in die sogenannte Perioden-Armut kommen. Da die Stadt weder Preise noch Steuern auf Menstruationsprodukte beeinflussen kann, könne sie den Weg gehen und einen freien Zugang zu Menstruationsprodukten gewährleisten.
„Bevor auch hier ein solches Projekt umgesetzt werden kann, muss die Politik darüber entscheiden“, sagt Dorinka Herrmann. Ob die durchschnittlich mit 75 Prozent Männern besetzten Räte die Idee unterstützen, sei eine spannende Frage. „Bei den Gleichstellungsbeauftragten finden Sie sicherlich kaum jemanden, der diese Forderung nicht unterstützt“, sagt Gerda Janssen, die diesen Posten ehrenamtlich bei der Gemeinde Ihlow ausübt.