Flüchtlinge in Aurich  Kasernen-Divisionsgebäude ab Dezember bezugsbereit

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 13.09.2022 20:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schon 2015 hatte das Kasernengelände in Aurich als Flüchtlingsunterkunft gedient. Foto: Archiv/Ortgies
Schon 2015 hatte das Kasernengelände in Aurich als Flüchtlingsunterkunft gedient. Foto: Archiv/Ortgies
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Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Aurich steigt ungebremst. Mit Hochdruck werden neue Unterkünfte gesucht. Es gibt kaum noch Alternativen zu Notunterkünften.

Aurich - Um die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis Aurich zu beschreiben, reicht ein Satz des Ersten Kreisrates Dr. Frank Puchert: „In den letzten sechs Monaten sind mehr Menschen zu uns gekommen, als in drei Jahren der Flüchtlingskrise in Syrien zusammen“, sagte er am Dienstag im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration des Landkreises Aurich. Allein seit August 2021 wurden laut Keno Wessels von der Fachgruppe Notunterbringung 2464 Geflüchtete im Landkreis registriert. Davon nur 252 bis zum Beginn des Krieges in der Ukraine. Mehr als die Hälfte der seitdem eingetroffenen Menschen sei auf eigene Faust angereist. 1238 wurden vom Land Niedersachsen oder vom Bund zugewiesen, so Wessels.

Was und warum

Darum geht es: Der Landkreis Aurich sucht dringend nach Unterkünften für Kriegsflüchtlinge.

Vor allem interessant für: Flüchtlingshelfer, Interessierte und alle, die noch Wohnraumraum zur Verfügung stellen können

Deshalb berichten wir: Der Landkreis Aurich hat im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration die neuesten Zahlen zur Flüchtlingskrise vorgestellt.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Bei den Zahlen ist es kein Wunder, dass der Landkreis weiterhin händeringend nach Lösungen für die Unterbringung der Betroffenen sucht. Konnten anfangs noch viele Geflüchtete relativ schnell in Wohnungen vermittelt werden, verbringen sie mittlerweile immer mehr Zeit in den Notunterkünften. „Wohnungen werden dringend gesucht“, so Wessels. In den vergangenen Monaten hatte der Landkreis auch deshalb nach weiteren Lösungen gesucht, weil ein Ende des Zustroms an Flüchtlingen nicht abzusehen ist. Die Aufnahmequote des Landkreises Aurich liegt bei 3155 Schutzsuchenden – nach aktuellem Stand könnten also noch 591 dazukommen. Mindestens.

Aufnahmequote soll erhöht werden

„Diese Zahl soll sogar noch erhöht werden“, so Wessels. Um wie viel sei allerdings nicht bekannt. Fakt ist, der Zustrom ist ungebrochen: Allein in den letzten zwei Monaten kamen 459 Ukrainer (insgesamt jetzt 1910), 89 afghanische Ortskräfte (144) und 86 Flüchtlinge aus anderen Drittstaaten (510) in den Landkreis. Vom Plan, für die Unterbringung vor allem auf Containerdörfer zu setzen, sind die Zuständigen inzwischen abgerückt. Auch das erklärte Puchert in einem prägnanten Satz: „Container sind das neue Gold und so schwer zu bekommen wie Masken zu Beginn der Corona-Pandemie.“ Aktuell läuft lediglich die Einrichtung eines Containerdorfes an der Johannes-Diekhoff-Straße mit 96 Plätzen in Aurich. Wie geplant wurde bereits Platz in einem Bürogebäude an der Mackeriege in Norden für weitere 60 Menschen geschaffen. Dort seien bereits 14 Geflüchtete eingezogen.

Aktuell sind in allen Flüchtlingsunterkünften damit gerade einmal 98 freie Plätze verfügbar. Dazu kommen die 96 im Containerdorf. Allein in dieser Woche sollen allerdings wieder 50 Ukrainer und drei Geflüchtete aus Drittstaaten eintreffen. Der Platz wird auf Sicht also knapp. So ganz beerdigt wird deshalb auch die Container-Lösung nicht grundsätzlich. Die Standortermittlung für weitere Dörfer werde fortgeführt, so die Verantwortlichen. Genau wie die Vorplanung zur Nutzung von Turnhallen. „Wir wollen auf alles vorbereitet sein“, sagte Keno Wessels: „Niemand weiß momentan, wie es weitergeht und was passieren wird.“

Die Kasernengebäude haben Vorrang

Vorrang habe allerdings, die Gebäude der ehemaligen Blücher-Kaserne so schnell wie möglich für den Einzug der ersten Flüchtlinge vorzubereiten. Vor allem das alte Divisionsgebäude sei vielversprechend. Der erste Flügel soll bereits Ende November bezugsfertig sein. Dort sollen vor allem Familien untergebracht werden. Das große Gebäude kann insgesamt 650 Menschen beherbergen und wird flügelweise hergerichtet. Im Zentrum sollen Verwaltungs- und Sozialräume sowie Räume für die medizinische Versorgung entstehen. Laut Puchert muss der Bund seine Gebäude für Flüchtlinge kostenlos zur Verfügung stellen. „Bei den Instandsetzungsmaßnahmen muss der Landkreis in Vorleistung gehen“, so der Erste Kreisrat. Am Ende würde das investierte Geld mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) abgerechnet.

Laut Ewald Focken vom Jobcenter ist aktuell das größte Problem, dass die Flüchtlinge immer länger in den Notunterkünften bleiben müssen. „So lange der Wohnort nicht sicher ist, ist es schwierig, die Schulpflicht umzusetzen oder Menschen in Arbeit zu vermitteln“, sagt Focken. Auch die Betreuung der Kinder und die Integrationsleistungen für die Erwachsenen seien dort schwierig. Focken: „Das hemmt uns ganz enorm. Die Herausforderung ist die schiere Masse, die bewältigt werden muss.“ Ob sich das auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne ändern lässt? Eine Antwort darauf soll das neue Standort- und Betreuungskonzept geben, das von der Kreisvolkshochschule erstellt wird. Das ist momentan allerdings noch in Arbeit.

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