Osnabrück  „Murot und das Gesetz des Karma“: Ulrich Tukur kann auch (fast) normal

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 13.09.2022 16:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gerät schwer in die Bredouille: Felix Murot (Ulrich Tukur) Foto: HR/Bettina Müller
Gerät schwer in die Bredouille: Felix Murot (Ulrich Tukur) Foto: HR/Bettina Müller
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Ulrich Tukur ist als Tatort-Kommissar nicht jedermanns Sache. Mit „Murot und das Gesetz des Karma“ macht er am Sonntag einen Schritt auf seine Kritiker zu.

Gut möglich, dass selbst moderne Fernseher am Sonntagabend etwas Patina ansetzen, wenn die ersten Einstellungen des Tatorts über die Bildschirme flimmern. Wir sehen unscharfe Urlaubsbilder aus Griechenland, offenbar kurz nach der Erfindung der Super-8-Kamera aufgenommen. Immer wieder eine Frau, die es dem Filmer offenbar sehr angetan hatte. Eine Reise 50 Jahre oder mehr zurück in die Vergangenheit. 

Tatsächlich handelt es sich um einen Film, den ein holländisches Paar in Super-8-Anmutung gedreht und ins Netz gestellt hat, wo der Kameramann Max Preiss ihn auf YouTube entdeckte. Das Signal, das er damit sendet, ist ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: Dieser Tatort führt zurück in die Vergangenheit.

Typisch Tukur, werden da sicher viele denken. Schließlich gibt es - vielleicht mit Ausnahme von Til Schweiger - wohl keinen Tatort-Kommissar, an dem sich derart die Geister scheiden. Doch so schräg, skurril und doppelbödig wie sonst kommt der neue Fall des von Ulrich Tukur dargestellten Wiesbadener LKA-Ermittlers Felix Murot diesmal gar nicht daher - zumindest nicht in der ersten Hälfte. 

Murot hat gerade in einem Wiesbadener Hotel im Auftrag einer Versicherung einen Vortrag gehalten, als er an der Bar von einer jungen Frau (Anna Unterberger) in ein Gespräch verwickelt, beim gemeinsamen Essen mittels K.o.-Tropfen wehrlos gemacht und in seinem Zimmer schließlich von ihr ausgeraubt wird.

Dieselbe Frau erleichtert auch noch einen weiteren Hotelgast um seinen Laptop, der das Fehlen des Computers kurz darauf mit dem Leben bezahlt: Er wird in seinem Zimmer ermordet, was das kriminalistische Rätsel perfekt macht. Der Anschiss, den sich Murot am nächsten Tagen bei seiner Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) abholt, weil er verschwiegen hat, dass er unweit des Tatorts bewusstlos in seinem Bett lag, gehört zu den Höhepunkten dieses Krimis, der weder mit Humor noch mit Spannung geizt.

Und wann geht’s nun in die Vergangenheit? Es ist der Moment, in dem die Diebin zusammen mit ihrer Freundin und Komplizin die Beute inspiziert und auf Murots Führerschein, einen „Lappen“ aus dem letzten Jahrhundert stößt. Beim Blick auf das Foto durchfährt es sie, fortan wird’s mal wieder speziell. Dennoch: „Murot und das Gesetz des Karma” ist ein Versöhnungsangebot an alle, die bislang mit diesem Kommissar nichts anfangen konnten.

Und es ist ein ausgesprochen gelungenes Tatort-Debüt für Regisseur Matthias X. Oberg, dessen Filme bislang überwiegend im Kino liefen. In Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Lars Hubrich ist es ihm gelungen, den Anspruch eher konventioneller Tatort-Zuschauer mit Ulrich Tukurs Faible fürs Außergewöhnliche in Einklang zu bringen. Wer sich also von den Super-8-Urlaubsbildern zu Beginn verunsichern lässt, sollte dennoch dranbleiben - es lohnt sich bis zur letzten Szene. 

Murot und das Gesetz des Karma. Das Erste, Sonntag, 25. September 2022, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen

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