Bevorstehende Landtagswahl Massenhaft beschädigte Wahlplakate
In den Kreisen Wittmund und Aurich wurden viele Plakate, die um Stimmen für die bevorstehende Landtagswahl werben, zerstört. Dabei traf es praktisch alle Parteien. Aber einige ganz besonders.
Wittmund/Esens/Aurich - In den Landkreisen Wittmund und Aurich sind in den vergangenen Tagen zahlreiche Wahlplakate politischer Parteien beschädigt worden. Dabei habe es verschiedene Parteien getroffen, „vorwiegend aber CDU und SPD“, erklärte ein Sprecher der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund am Dienstag. Die Plakate wurden offenbar beschmiert, aufgeschlitzt, heruntergerissen oder anderweitig unbrauchbar gemacht.
Was und warum
Darum geht es: In den Kreisen Wittmund und Aurich wurden viele Wahlplakate zerstört.
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Die Handlungen würden strafrechtlich verfolgt, schreibt die Polizei noch, sie fallen unter den Tatbestand der Sachbeschädigung. Der Täter müsste mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. Im Gespräch sagt der Polizeisprecher aber auch, dass die Sachbeschädigungen sich in einem normalen Rahmen bewegen würden, wie im Vorfeld anderer Wahlen eben auch. Das sieht man bei den Parteien allerdings ganz anders, wie eine Umfrage im Landkreis Wittmund ergab.
SPD
„Ich bin wirklich schon sehr lange in der Politik, aber in diesem Ausmaß habe ich das noch nicht erlebt“, sagt Fokko Saathoff, Vorsitzender der SPD in Esens. Dort soll es besonders viele Plakate erwischt haben, zum Teil mitten am Tag. Fünf große Plakate in Esens, Stedesdorf und Holtgast seien kaputt, sagt Saathoff, und das seien nur einige von vielen.
Der SPD-Chef ist so verärgert, dass er bei der Polizei Anzeige erstattet hat, gegen Unbekannt und wegen Sachbeschädigung. Dabei ist Saathoff auch klar, dass es die anderen Parteien ebenso trifft: „Es ist keine Attacke gegen die SPD, auch die Plakate anderer Parteien wurden demoliert.“ Er findet das alles „ungeheuerlich“.
CDU
Auch bei der CDU ist man erbost. In Esens seien alle großen Plakate heruntergerissen worden und nicht nur dort, sagt Birgit Becker, Geschäftsführerin des CDU-Kreisverbandes Wittmund. Auch sie stellt fest: „Ein solches Ausmaß an Zerstörung an einem Standort habe ich noch nicht erlebt.“ Und mit einmaligem Abreißen ist es offenbar nicht getan: Auch neue Plakate nach der ersten Zerstörung würden wieder abgerissen, sagt sie. An diesem Dienstag wurde wieder neu plakatiert. Becker ahnt nichts Gutes: „Mal sehen, wie lange das hält“.
Ihr Kollege Max Cloos, Geschäftsführer der CDU im Kreis Aurich, bestätigt die Zerstörungen auch im Nachbarlandkreis. Die kaputten Plakate zögen sich wie ein Gürtel von Südbrookmerland nach Wittmund, sagt er. Besonders in Südbrookmerland sei es schlimm, dort hänge man abends neue Plakate auf und am nächsten Morgen seien sie schon wieder kaputt. „Das ist sehr viel mehr Zerstörung als sonst in Wahlkämpfen“, sagt Cloos.
Grüne und FDP
Auch die Grünen und die FDP sind nicht ohne Schaden davongekommen. Ein Großplakat mit dem Spitzenkandidaten und früheren Landesagrarminister Christian Meyer habe in Esens nur einen Tag gestanden, dann sei es schon kaputt gewesen, schildert Nicole Henkel, Landtagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis Wittmund/Inseln. Auch in ihrem Heimatort, Hesel bei Friedeburg, würden ihre Plakate regelmäßig so gedreht, dass sie schlecht zu sehen seien. „Ich finde den Umgang respektlos“, sagt sie.
Die FDP im Kreis Wittmund vermerkt deutlich weniger Zerstörungswut. „Wir haben aber natürlich auch deutlich weniger Großplakate“, sagt Stephan Bünting, Landtagskandidat der FDP für den Wahlkreis Wittmund/Inseln. Über die Motive des oder der Täter gibt es bei den Lokalpolitikern bisher nur Rätselraten: Sie reichen von „Lust an der Zerstörung“, über „Unzufriedenheit mit der Bundespolitik“ bis hin zu Politik- und Parteienverdrossenheit.
Noch ermittelt die Polizei zu den zerstörten Plakaten. Birgit Becker von der CDU hat allerdings einen Hinweis: In einem Fall in Esens sei beobachtet worden, wie ein älterer Mann in einem grauen Arbeitsanzug ein Plakat mit dem Bild des Vize-Ministerpräsidenten Bernd Althusmann von der CDU abmontiert und mitgenommen habe. Auf Nachfrage eines Beobachters habe der Mann gesagt, er habe einen Auftrag dazu. „Wir haben so einen Auftrag bestimmt nicht erteilt“, sagt Becker. Der Mann sei mit einem alten Golf mit Auricher Kennzeichen weggefahren. Der Polizei habe sie diese Beobachtung mitgeteilt. Die bittet übrigens in einer Pressemitteilung um Hinweise, sollte jemand etwas zu diesen Vorfällen wissen. Sie ist zu erreichen unter der Telefonnummer 04941/606215.