20 Sprayer reisen an  Künstler verpassen Emder Bunker riesiges Graffiti

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 13.09.2022 09:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hasan Nazifoglu (von links) und Helmut Klees kümmerten sich um die Finanzierung und um die Planung. Ingo Oltmanns und Andreas Kutzner gehören zu den Künstlern, die den Bunker verschönern wollen. Foto: Hillebrand
Hasan Nazifoglu (von links) und Helmut Klees kümmerten sich um die Finanzierung und um die Planung. Ingo Oltmanns und Andreas Kutzner gehören zu den Künstlern, die den Bunker verschönern wollen. Foto: Hillebrand
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Bald soll ein Emder Bunker ein 500 Quadratmeter großes Graffiti bekommen. Es ist das vermutlich größte in der Stadt. Möglich machte das eine Privatinitiative.

Emden - Die Lienbahnstraße in Emden soll schöner werden. Schon seit vielen Jahren hegt Helmut Klees diesen Wunsch, dem der gegenüber der Star-Tankstelle liegende Bunker ein Dorn im Auge ist. Bis vor Kurzem war der Kasten nämlich lediglich ein großes graues Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. „Wenn Leute in die Straße kamen, drehten sie gleich wieder um“, sagt er jetzt vor Ort im Gespräch mit unserer Zeitung. Bald soll sich das jedoch ändern und der Bau zum vermutlich größten Kunstwerk seiner Art in der ganzen Stadt werden.

Die Idee: Etwa 20 Sprayer aus ganz Deutschland und den Niederlanden kommen am 1. und 2. Oktober vorbei und machen den Bunker bunt. 500 Quadratmeter Fläche wollen sie bearbeiten, die nun bereits mit Hochdruckreinigern gesäubert und mit blauer Farbe grundiert wurde. Dahinter steckt Hasan Nazifoglu, der direkt daneben ein Mehrparteien-Wohnhaus errichtet und bei dem Kunstprojekt als Sponsor und Helfer auftritt. Er kümmerte sich nicht nur um den Arbeitseinsatz, sondern möchte auch die Farben und für das Arbeitsgerät (fünf Steiger) zahlen. Etwa 8000 Euro soll das kosten.

Womöglich 30.000 Euro eingespart

Das war es aber dann auch schon, denn die Sprayer um Ingo Oltmanns und Andreas Kutzner vom Auricher Graffitiverein Ostfriesland werden kostenlos arbeiten, kündigen sie an. Gewerbliche Anbieter hingegen hätten für eine Arbeit dieser Größe wohl schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Euro genommen, wissen die beiden aus Erfahrung. Ihnen gehe es aber darum, die klassische Graffitikunst zu fördern, weshalb man nun auch als Verein eine eigene Website habe.

Ohne dieses Engagement wäre es vielleicht nie zu dem Projekt gekommen, wie Klees gegenüber dieser Zeitung deutlich macht. Förderanfragen bei Emder Stadtteilvereinen seien ins Leere gelaufen. Zudem hätten viele Sprayer einen Rückzieher gemacht, als ihnen deutlich wurde, um was für ein großes Projekt es sich handle. Nun ist dank der ehrenamtlichen Arbeit und der Unterstützung durch Nazifoglu die Finanzierung geklärt und er kümmere sich um nötige Genehmigungen – auch für die am 1. und 2. Oktober geplanten Aktionstage mit Grillen – sowie um eine eventuell notwendig werdende Straßensperrung.

U-Boot und mehr geplant

Was die Sprayer genau entwerfen werden, ist indes noch größtenteils unbekannt, versichern Oltmanns und Kutzner. Lediglich von einem U-Boot ist derzeit die Rede, das auch gut zu der blauen Hintergrundfarbe passen würde. Was die Haltbarkeit angeht, so rechnen die beiden mit einer Lebensdauer von mindestens 20 Jahren. Von anderen Sprayern, die die Motive zerstören könnten, gehen die beiden Männer hingegen nicht aus. In der Szene sei es üblich, dass man die Werke von bekannten Künstlern unangetastet lasse – und dazu zählten viele derjenigen, die nach Emden kommen wollen. Auch die beiden Auricher selbst könne man dazuzählen, sagen sie.

Der Graffitiverein Ostfriesland war auch schon andernorts in Emden tätig – wie hier an der Grundschule Grüner Weg. Foto: Privat
Der Graffitiverein Ostfriesland war auch schon andernorts in Emden tätig – wie hier an der Grundschule Grüner Weg. Foto: Privat

So steckt der Graffitiverein beispielsweise hinter dem neuen 600 Quadratmeter großen Graffiti an einer Turnhalle des Schulzentrums Großheide – ihr bislang größtes Werk. Auch für das Norder Sommerfest, für die Auricher Kunstschule Miraculum, für die Emder Grundschule Grüner Weg und für ein Parkhaus in Leer wurden sie unter anderem schon aktiv.

Trogstrecke im Blick

Derzeit hofft man darauf, dass noch etwas aus den Plänen an der Emder Trogstrecke wird, die die Künstler ebenfalls in Szene setzen sollen. „Wir haben Vorschläge mit dem eingereicht, was machbar wäre. Wir müssen die aber noch dem zuständigen Ratsausschuss präsentieren“, so Oltmanns. In anderen Städten wie Aurich oder Norden sei es bislang leichter gewesen, große Graffiti-Projekte umzusetzen, weshalb man nun umso mehr hofft, dass auch in Emden alles klappt.

Ob ein schön gestalteter Bunker vielleicht der Gruppe in Emden die Türen weiter öffnen könnte? Beide gehen davon aus, als unsere Zeitung ihnen diese Frage stellt. Weitere Bunker werden ihrer Einschätzung nach aber wohl erst einmal nicht folgen. Zuletzt habe sich nur ein Besitzer eines solchen Bauwerks gemeldet, aber aus den Plänen sei nichts geworden.

Wer mit dabei sein will, wenn die Künstler mit der Arbeit beginnen, sollte ab Freitag immer mal wieder vorbeischauen. Der beste Zeitpunkt für Fotos werde aber wohl der Sonntag, 2. Oktober, sein, kündigen die beiden an. Voraussetzung dafür ist, dass das Wetter zumindest einigermaßen mitspiele. Gebe es dann mal einen gelegentlichen Schauer, so sei das kein Problem. Anders sehe es bei Dauerregen aus.

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