Hamburg  „Mamma Mia“: Lohnt sich das Abba-Musical?

Katharina Preuth
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Von Katharina Preuth
| 12.09.2022 16:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Abba-Lieder und Schlaghosen begeistern auch im Jahr 2022. Foto: Brinkhoff-Moegenburg
Abba-Lieder und Schlaghosen begeistern auch im Jahr 2022. Foto: Brinkhoff-Moegenburg
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Nach 20 Jahren ist „Mamma Mia“ zurück in Hamburg. In der Neuen Flora hat das Gute-Laune-Musical Premiere gefeiert. Der Besuch zeigt: Schlaghosen und Abba begeistern immer noch. Doch das Comeback hat auch Schwächen.

Das Publikum singt und klatscht zum großen Finale des Abends gemeinsam mit den Darstellern die großen Hits der schwedischen Erfolgsband Abba. „Mamma Mia“, „Super Trouper“ und „Dancing Queen“ – bei den Refrains sind die Besucher textsicher. 

Sehen Sie im Video, wie Darsteller und Publikum beim Premieren-Abend gemeinsam singen:

Das Wohlfühl-Musical hat an diesem Premieren-Abend seinen Zweck erfüllt. Schlecht gelaunt dürfte kaum einer hinaus in die Hamburger Nacht gegangen sein. Das Erfolgsrezept: Bekannte Abba-Hits und eine seichte Geschichte mit Happy End. 

Das Lied „Mamma Mia“ zählt zu Abbas größten Erfolgen:

Vor allem um die Frage: Wer ist der Vater von Sophie? Vor ihrer Hochzeit macht sich Sophie auf die Suche nach den Männern, mit denen ihre Mutter vor 21 Jahren Affären hatte. Das Problem: Es kommen drei potenzielle Väter infrage, Bill, Harry oder Sam. Alle - Mutter, Tochter, drei Väter, Freundinnen -treffen auf einer griechischen Insel zusammen. Damit ist das Setting für die romantische Komödie gesetzt. 

Wer am Ende der Vater ist, weiß, wer den Film „Mamma Mia“ (läuft bei Amazon Prime Video) gesehen hat. Und es wird, neben ausgemachten Abba-Fans, vor allem Fans des Films nach Hamburg ins Musical ziehen. Im Film wird Sophies Mutter von der dreifachen Oscar-Preisträgerin Meryl Streep verkörpert und Ex-James Bond Pierce Brosnan ist einer von Sophies möglichen Vätern. 

Die Fußstapfen, in die die Musical-Darsteller treten, sind also groß. Nicht jeder kann an diesem Premieren-Abend dem Vergleich mit den Hollywood-Stars standhalten. Am schwersten hat es sicherlich Sabine Mayer in der Rolle der alleinerziehenden Donna. Was aber vor allem daran liegt, dass Meryl Streep in der Verfilmung kaum zu toppen ist. Sabine Mayer wirbelt und singt sich dennoch mitreißend durch den Abend, genau wie ihre Musical-Tochter Sophie, dargestellt von der Niederländerin Rose-Anne van Elswijk. Deren leichter Akzent macht sie umso sympathischer.

Den Charme eines Pierce Brosnan, der nicht ohne Grund viermal James Bond spielte, hat Sascha Oliver Bauer als Sam auf der Bühne nicht. Trotzdem buhlen die Zuschauer mit ihm um das Herz seiner großen Liebe Donna.

Die Stars des Abends sind aber Donnas zwei Freundinnen. Franziska Lessing und Jennifer van Brenk nimmt man die selbstbewussten Frauen im besten Alter nur zu gerne ab. Beide Frauenfiguren sind kritisch gegenüber dem Konzept Ehe und Kinder und setzen auf Spaß. Den haben sie – und mit ihnen die Zuschauer.  

Beste Szene: Der Auftritt der drei Frauen in Schlaghosen und Plateau-Schuhen. Das Flower-Power-Lebensgefühl der Abba-Zeit schafft es in diesem Moment auf die Bühne im Jahr 2022 – und das auch für diejenigen, die in den 1970er Jahren noch nicht auf der Welt waren. Es ist fast so, als wären die vier Abba-Bandmitglieder Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad selbst dabei.

Vor 20 Jahren feierte „Mamma Mia“ in Hamburg als erste nicht-englischsprachige Produktion Premiere in Deutschland, auch damals schon mit Abba-Liedern in deutscher Übersetzung. Das ist heute eine Schwäche des Musicals. Wenn es etwa heißt:

Statt im Original:

Selbst wer die englische Sprache nur rudimentär beherrscht, würde der Handlung sicher dennoch folgen können, wäre auf die Übersetzung verzichtet worden. Denn Abba-Songs sind Klassiker und dazu gehören auch die Texte, die das Publikum schon seit Jahrzehnten auf Feiern hört. Keine Hochzeit ohne „Dancing Queen“.

Die Stimmung hat das höchstens marginal getrübt. Wie schon vor 20 Jahren verspricht das Musical der nächste Kassenschlager von Stage Entertainment zu werden. 

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