Hannover Frauenquote und Pflichtjahr: Ein Schritt nach vorn, ein Schritt zurück
Ein Verein aus alten weißen Männern kommt bei Frauen nicht gut an. Das hat endlich auch die CDU verstanden. Auf dem Parteitag in Hannover haben die Christdemokraten eine Frauenquote beschlossen. Richtig so!
Allerdings nur eine Quote „light“: Alle Parteivorstände ab Kreisebene müssen bis 2025 paritätisch besetzt werden – wenn es genügend Bewerberinnen gibt. Befristet wurde das Instrument auf fünf Jahre. Parteichef Friedrich Merz nennt den Eingriff „minimalinvasiv“. Und er hat recht. Wäre selbst das gescheitert, wäre das für Merz eine erste harte Schlappe gewesen beim Versuch, die Partei zu modernisieren. Damit es klappte, war Merz auf die Schützenhilfe von Parteischwergewichten angewiesen. Allen voran Daniel Günther sorgte dafür, die Stimmung im Saal pro Quote zu drehen.
Bemerkenswert: Viele junge Frauen sprachen sich gegen eine Quote aus, wollen nicht zur „Quotenfrau“ werden. Doch will sich die Partei langfristig behaupten, kommt sie um die Frauenquote kaum herum. Nur rund ein Viertel der Parteimitglieder ist weiblich, nicht mehr als vor 40 Jahren. Dabei ist die Hälfte der Bevölkerung weiblich. Gerade in einer Volkspartei muss sich das auch spiegeln.
Gleichwohl ist die Quote nur eine Krücke. Wenn die CDU es mit dem Erneuerungsprozess ernst meint, muss sie es ihren Mitgliedern auch ermöglichen, politisches Engagement mit Familie und Job zu vereinbaren. Online-Sitzungen wären ein Beispiel. Gremien tagen häufig in den späten Abendstunden, die Kinderbetreuung ist für viele ein Thema.
CDU bekommt Frauenquote - Was Parteivize Silvia Breher dazu sagt:
Während die CDU in Sachen Gleichstellung einen Schritt vorwärts geht, machte sie an anderer Stelle einen zurück: Mit einer deutlichen Mehrheit haben sich die Delegierten für ein soziale Pflichtjahr für Menschen ab 18 Jahren ausgesprochen. Eine Art Zivildienst 2.0.
Gleich zweimal wurde in der Debatte John F. Kennedy zitiert: Frag nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst. Für viele junge Menschen dürfte das wie Hohn klingen: 16 Jahre lang regierte die CDU, hinterließ eine von Russlands Gas abhängige Wirtschaft, eine kaputte Bundeswehr, verpennte die Energiewende, versagte beim Klimaschutz, schloss bei Corona die Schulen. Und jetzt sollen die Jüngeren gezwungen werden, ihren Teil zu leisten?
Viel spricht dafür, nach der Schulzeit etwas sinnvolles fürs Land zu tun, bevor es in den Beruf geht. Die Botschaft des CDU-Parteitags an die Jugend lautet allerdings: Ihr seid es uns schuldig. Das Argument kann nur nach hinten losgehen.