Straßensperrung in Wallinghausen  Anwohner gehen auf die Barrikaden und fordern Ampel

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 09.09.2022 14:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am Donnerstag haben Anwohner in Wallinghausen ihren Protest deutlich gemacht. Fotos: Boschbach
Am Donnerstag haben Anwohner in Wallinghausen ihren Protest deutlich gemacht. Fotos: Boschbach
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In Aurich-Wallinghausen laufen Anwohner Sturm gegen die Sperrung des Eckfehler Wegs. Dadurch mute man ihnen Umwege zu. Die Straßenbehörde kontert.

Aurich - Die Botschaft ist eindeutig: „Macht den Weg frei“, steht auf dem Schild, das eine Anwohnerin der Straße An der Dahlhoffsburg in die Kamera hält. Die Auricherin gehört zu einer Gruppe von rund 30 Männern und Frauen, die sich am Donnerstagabend am Eckfehler Weg unweit der Einmündung in den Hoheberger Weg versammelt haben. Die kleine Gruppe protestiert in Wallinghausen gegen die Sperrung dieser Straße vor rund acht Wochen. Damals hat die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit der Sanierung der Fockenbollwerkstraße begonnen. Dieser Prozess wird voraussichtlich anderthalb Jahre dauern. Um währenddessen Schleichverkehr durch die Wohngebiete in Wallinghausen zu unterbinden, hat die Landesbehörde mehrere Sperrungen angeordnet, unter anderem gibt es an der Ecke Dickfehler Weg/Eckfehler Weg kein Durchkommen mehr für Autofahrer.

Die Straßenbehörde musste schwere Betonringe aufstellen, um ein Verschieben der Straßenbaken zu verhindern.
Die Straßenbehörde musste schwere Betonringe aufstellen, um ein Verschieben der Straßenbaken zu verhindern.

„Das begrüßen wir ausdrücklich“, sagt Anwohner Günter Fahle. „So ruhig wie derzeit war es schon lange nicht mehr.“ Was er und die anderen Protestierenden nicht begreifen können: Warum wurde auch die Einmündung vom Hoheberger Weg in den Eckfehler Weg dichtgemacht? Das sei vollkommen unsinnig, argumentieren die Wallinghausener. Durch die weitere Sperrung rund einen Kilometer weiter sei die Schleichwegfunktion ohnehin ausgehebelt. „Für uns bedeutet die Barriere zum Hoheberger Weg, dass wir einen Umweg in Kauf nehmen müssen, wenn wir in die Innenstadt wollen“, sagt eine wütende Anwohnerin. Die Straße An der Dahlhoffsburg ist nämlich eine Sackgasse. Das macht die Situation knifflig.

Anwohner fürchten Situation im Winter

Ein weiteres Argument: Weil das Verkehrsaufkommen am Eckfehler Weg jetzt wesentlich höher sei, seien Radfahrer auf dieser Strecke gefährdeter als vor der Sperrung. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es im Winter ist, wenn die Straße vereist und die Sicht eingeschränkt ist“, sagt eine Anwohnerin. Der Eckfehler Weg ist vom Dickfehler Weg bis zur Einmündung Eckefehler Ring eigentlich eine unechte Einbahnstraße. Sie ist nur aus der Siedlung heraus befahrbar, nicht vom Hoheberger Weg aus kommend. Diese Regelung ist jetzt außer Kraft gesetzt.

Die Anwohner in Wallinghausen haben bereits eine Online-Petition aufgesetzt, um ihren Protest gegen die aktuelle Situation deutlich zu machen. Sie wollen erreichen, dass die Straße wieder geöffnet und der Verkehr auch am Eckfehler Weg durch eine Ampel geregelt wird. Das ist bisher nur an der Einmündung zur Sandhorster Allee so. Frank Buchholz gibt zu bedenken, dass durch eine weitere Ampel an dieser Kreuzung deren Leistungsfähigkeit sinkt. Der Leiter der Auricher Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr betont, dass sein Team sich viele Gedanken darüber gemacht hat, wie der Verkehr während der Sanierung der Fockenbollwerkstraße laufen kann. Das Ziel: „Wir wollten verhindern, dass Aurich im Chaos versinkt“, sag Frank Buchholz. Das sei nach den bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen auch geglückt. Der großräumige Verkehr auf den Hauptachsen fließe weitgehend ohne Beeinträchtigungen. Es gebe allerdings Beschwerden aus jenen Straßen, die ganz oder teilweise gesperrt seien. Dazu gehörten unter anderem die Jan-Berghaus-Straße und die Schmiedestraße. Dort werde die Einbahnstraßenregelung nicht eingehalten, wie Anwohner immer wieder beklagten.

2000 Autos täglich wurden gezählt

Gerade über die Situation am Hoheberger Weg/Eckfehler Weg habe man sich intensiv Gedanken gemacht, streicht der Behördenchef heraus. Er habe sich mit einigen Mitarbeitern die Kreuzung am 1. September angeschaut, um sich vor Ort ein Bild zu verschaffen. Die Strecke sei früher von vielen Fahrzeugen als Schleichweg genutzt worden. Laut einer Zählung der Stadt verkehrten dort im Schnitt täglich rund 2000 Autos. Auch aktuell sei das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle hoch. Das liege daran, dass die Sandhorster Allee sehr gut frequentiert werde. „Diejenigen, die von dort kommen, wollen in der Regel nach links in Richtung Mutter Janssen abbiegen“, hat Frank Buchholz beobachtet. Auf dem Hoheberger Weg selbst herrsche auch ein hohes Verkehrsaufkommen. Der Leiter der Landesbehörde warnt: „Wenn jetzt mit dem Eckfehler Weg noch ein vierter Ast angebunden wird, sinkt die Leistungsfähigkeit der Ampel.“ Das heißt, dass alle Verkehrsteilnehmer länger an dieser Kreuzung warten müssten. Man habe abgewogen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es für die Anwohner zumutbar ist, den Umweg über den Eckfehler und den Dickfehler Weg in Kauf zu nehmen. Das mache nach seinen Berechnungen rund einen Kilometer aus.

Der Unmut der Anwohner schlägt sich auch im Bekritzeln von Verkehrsschildern nieder.
Der Unmut der Anwohner schlägt sich auch im Bekritzeln von Verkehrsschildern nieder.

Frank Buchholz hat sich darüber geärgert, dass die Straßensperrungen am Eckfehler Weg bis vor einigen Wochen von Anwohnern zur Seite geräumt worden sind. Das sei so häufig passiert, dass eine Verstärkung erforderlich war. Es seien schwere Betonringe an den Seiten aufgetürmt worden, um unverrückbare Barrieren zu schaffen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Behördenchef ein solches Verhalten beobachtet und kritisiert. Ähnliches passiere immer wieder und gefährde den Straßenverkehr.

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