Extremwetter in Ostfriesland  90 Prozent des Regens fiel an nur einem Tag

Gordon Päschel
|
Von Gordon Päschel
| 09.09.2022 06:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Abdeckung weht über ein trockenes Feld, während am Himmel dunkle Regenwolken stehen. Die Aufnahme stammt aus Hessen, aber auch in Ostfriesland sind viele Böden ausgedörrt und können plötzliche Regenmengen so schnell nicht aufnehmen. Foto: Sebastian Gollnow/DPA
Eine Abdeckung weht über ein trockenes Feld, während am Himmel dunkle Regenwolken stehen. Die Aufnahme stammt aus Hessen, aber auch in Ostfriesland sind viele Böden ausgedörrt und können plötzliche Regenmengen so schnell nicht aufnehmen. Foto: Sebastian Gollnow/DPA
Artikel teilen:

Der August bescherte den Ostfriesen reichlich Sonne, heiße Tage und mancherorts Platzregen. In der Summe sei der Sommer ein „eindeutiges Indiz“ für die Veränderungen des Wetters, sagt Jörg Deuber.

Emden - Für die einen war es einfach ein stabil-schöner und warmer Sommer zum Genießen in Ostfriesland: Im August kletterten die Temperaturen an 14 Tagen über die 25-Gradmarke und schien die Sonne rekordverdächtige 268 Stunden – allerbestes Badeseewetter also. Für andere wie den Langzeit-Wetterbeobachter Jörg Deuber reihen sich dieser Monat und die beiden vorausgegangen dagegen ein in einen unübersehbaren Trend, der ihm zu denken gibt. Die Kurzform lautet: zu warm und zu trocken. Oder, wie Deuber feststellt: „Es hat sich grundlegend etwas verändert in den Sommern bei uns.“

In der Auswertung der statistischen Daten von August sticht ein Detail für ihn heraus: Es ist die Niederschlagsmenge, die wie alle anderen Messwerte regelmäßig an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Flugplatz Emden erhoben werden. Mit insgesamt 71,4 Liter pro Quadratmeter regnete es dort nur scheinbar so viel, wie für einen typischen Augustmonat zu erwarten ist – der Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990, die als Vergleichszeitraum genommen werden, sind 67,1 Liter.

Kirche weist Setzrisse auf

Denn dass die Böden trotzdem knochentrocken geblieben sind, liegt erneut an der Verteilung des Niederschlags. 90 Prozent der gesamten Regenmenge im August fielen in Emden an einem einzigen Tag. Deuber spricht von einer „Ausnahmewetterlage“. Immer häufiger komme es auch in Ostfriesland vor, dass die Schauer so langsam ziehen, dass sie sich mit ganzer Kraft nur punktuell ergießen. Der 15. August bescherte Emden Starkregen mit mehr als 60 Litern auf den Quadratmeter. „Für die Umgebung blieb nichts übrig“, so Deuber. Das heißt, wenige Kilometer vom Flugplatz entfernt, könnte nur ein Bruchteil der Menge angekommen sein.

Wie ausgedörrt die Böden in weiten Teilen Ostfrieslands sind, lässt sich laut Deuber auch in seinem Dorf in Oldersum ablesen. Die Kirche dort weise nach mehreren trockenen Sommern viele Setzrisse auf. Fällt der Regen nicht ergiebiger und über längere Zeiträume verteilt, kann das Wasser von den trockenen und harten Böden oft nicht aufgenommen werden. Es fließt stattdessen ab. Mit lediglich fünf Niederschlagstagen brachte der August in diesem Punkt erneut keine Entlastung. Normalerweise zählt der Monat zu den regenreichsten eines Jahres.

Kühle Nächte trotz heißer Tage

Auf konstant hohem Niveau bewegten sich die Temperaturen. Vom 12. bis 15. August überschritten sie an vier aufeinanderfolgenden Tagen die 30-Grad-Marke. Entlastung brachten in dieser Zeit für Hitzeempfindliche die Nächte. Trotz der Hitze tagsüber fielen sie in den Morgenstunden zum Teil deutlich unter 15 Grad und sorgten für willkommene Erfrischung. Im Gegensatz dazu stöhnten die Menschen in Städten wie Köln oder Frankfurt laut Deuber über sogenannte „tropische Nächte“. Von solchen sprechen Meteorologen, wenn die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken.

Dass Ostfriesland im europaweiten Vergleich eher moderat aufheizte und es nachts abkühlte, erklärt der langjährige DWD-Mitarbeiter mit der Großwetterlage. Die Verteilung der Hoch- und Tiefdruckgebiete sorgte demnach dafür, dass von der Nordsee kühlender Wind wehte. Bei Süd- oder Südwestwind können sich Luftmassen auf ihrem Weg über Land erwärmen.

Apropos Wind: Viel zu bieten hatte der August in dieser Hinsicht nicht. Die relative Ruhe schiebt Jörg Deuber unter anderem auf die müden Höhenströmungen. Sie seien auch einer der entscheidenden Faktoren für die stabilen Wetterlagen, die den Ostfriesen auch in diesem Sommer reichlich Sonne, aber eben auch keinen nennenswerten Niederschlag brachten. Deuber sieht darin ein „eindeutiges Indiz“ für den Klimawandel.

Video
"Die Klima-Checker": Der Wandel ist da - auch in Ostfriesland (Folge 6)
09.06.2022

Ähnliche Artikel