Mobilität in Ostfriesland E-Scooter sind tückischer als ihr spielerischer Ruf
Elektrische Tretroller werden auch in Ostfriesland immer beliebter. Das bringt im Verkehr eine Reihe von Problemen mit sich.
Ostfriesland - Elektrische Tretroller werden immer beliebter. Sie gelten für kurze Strecken als preisgünstige Alternative zu E-Bikes. Doch Vorsicht! Sich mal eben einen E-Scooter schnappen und damit wie auf einem Fahrrad durch die Stadt sausen, sei eine weit verbreitete Fehleinschätzung, warnt Hartmut Detmers. Er leitet das Sachgebiet Verkehr bei der Polizeiinspektion (PI) Aurich/Wittmund. Nach seiner Beobachtung hat die Zahl der E-Scooter-Fahrer in Ostfriesland deutlich zugenommen. Und damit auch die Gefahr von Unfällen. Waren das im vergangenen Jahr im Bereich der PI Aurich/Wittmund noch sieben, haben sich bereits in diesem Jahr exakt so viele Unfälle ereignet, in die E-Scooter verwickelt waren. Sehr viel höher sind die Zahlen im Bereich der PI Leer/Emden. Dort gab es im vergangenen Jahr 110 Unfälle, aktuell waren es bereits im ersten Halbjahr 129 Vorfälle mit diesen Fahrzeugen.
Was und warum
Darum geht es: E-Scooter werden von vielen Nutzern stark unterschätzt.
Vor allem interessant für: Leser, die alternative Mobilitätsformen suchen
Deshalb berichten wir: weil der Redaktion die wachsende Zahl an Unfällen aufgefallen war, in die E-Scooter verstrickt waren Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Welche Zulassung ist für E-Scooter erforderlich?
Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Roller eine Straßenzulassung hat. Das ist erkennbar am Typenschild, das am Fahrzeug montiert ist. Maximal zulässig sind E-Scooter mit 500 Watt. Außerdem ist eine Versicherung erforderlich. Wenn diese abgeschlossen ist, muss eine Versicherungsplakette am Tretroller angebracht werden.
Was sollte man als E-Scooter-Fahrer vor der ersten Tour beachten?
Hartmut Detmers rät dazu, vor der Nutzung im öffentlichen Verkehrsraum das Vehikel erstmal auf einem Übungsplatz kennenzulernen und sich mit den Funktionen vertraut zu machen. Vieles von dem, was auf Anhieb simpel erscheint, erweist sich in der Erprobung als kompliziert. So befindet sich beispielsweise das Gas rechts am Lenker. Will man jetzt auch noch rechts abbiegen, ist man verpflichtet, ein Handzeichen zu geben. Gerade ältere E-Scooter-Modelle verfügen nämlich nicht über Blinker. Für einen ungeübten Fahrer kann das Handling kompliziert sein. Es besteht die Gefahr, die Balance zu verlieren und zu stürzen.
Wer ganz sicher gehen will, kann vor der ersten Tour einen Kursus besuchen. Diese bietet die Deutsche Verkehrswacht (DVW) seit einiger Zeit an. „Wir haben damit auf die steigenden Unfallzahlen reagiert“, sagte DVW-Pressesprecher Heiner Sothmann auf Anfrage. Registrierte die Polizei noch 2020 bundesweit 2155 Unfälle mit E-Scootern, bei denen fünf Menschen starben und 386 verletzt wurden, waren es laut dem Statistischen Bundesamt alleine in diesem Jahr in den ersten fünf Monaten 2369 Unfälle mit zwei Toten und 339 Verletzten. Auch Heiner Sothmann warnt davor, sich ungeübt ins Verkehrsgetümmel zu stürzen. Besonders kritisch sei das, wenn es sich um eine fremde Stadt handele.
Was sind Risiken beim Fahren?
Hartmut Detmers empfiehlt vorausschauendes Fahren. Was jedem Verkehrsteilnehmer schon in der Fahrschule eingetrichtert wird, gilt auf einem E-Scooter ganz besonders. Nur so kann man rechtzeitig erkennen, wie man am besten in einer bestimmten Situation reagiert und unter Umständen eine Vollbremsung vermeidet. Diese kann nämlich, wenn die richtigen Bewegungen nicht eingeübt sind, zu einem „Ausstieg über den Lenker“ führen, wie es Heiner Sothmann formulierte. Riskant sind auch unebene Flächen mit hohem Geröllanteil. Der kann dazu führen, dass die kleinen Räder der Roller überfordert sind und blockieren. Wie bei E-Bikes besteht die Gefahr, dass andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von 20 Kilometer/Stunde nicht richtig einschätzen und so Unfälle verursacht werden.
Was könnte Risiken senken?
Heiner Sothmann fordert, systematisch „Wissenslücken der Rollerfahrer zu schließen“, sprich verstärkt Aufklärung zu betreiben. Ein E-Scooter sei eben kein Sportgerät, sondern ein Verkehrsmittel. Bestimmte Regeln müssten deshalb eingehalten werden. So erlebe man immer wieder, dass zwei Personen einen Roller nutzen. Das sei nicht erlaubt. Ebenso wenig sei es gestattet, Gehwege zu nutzen. Ein weiterer Punkt, gegen den immer wieder verstoßen werde: Missachten der Alkoholgrenzwerte. Weil der E-Scooter ein Kraftfahrzeug sei, gelten dieselben Richtlinien wie beim Autofahren. Der Alkoholpegel sollte also 0,5 Promille nicht überschreiten.
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