Klimawandel in Ostfriesland  Schulen wappnen sich für Hitzewellen

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 06.09.2022 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hitzefrei sollte auch im Sommer nur das letzte Mittel sein. Doch in Zukunft könnte es häufiger dazu kommen. Foto: Kahnert/DPA
Hitzefrei sollte auch im Sommer nur das letzte Mittel sein. Doch in Zukunft könnte es häufiger dazu kommen. Foto: Kahnert/DPA
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Ob Jalousien, offene Fenster oder Dämmung: Damit das Klassenzimmer nicht zur Sauna wird, haben Schulen verschiedene Mittel zur Verfügung. Trotzdem fordern manche bereits längere Sommerferien.

Landkreis Leer - Als Wetterforscher vor einer Woche ihre Bilanz des Sommers 2022 vorlegten, wurde wieder einmal ein Rekord vermeldet. Der Sommer dieses Jahres war der sonnigste seit 71 Jahren. „Also seitdem die Sonnenscheindauer aufgezeichnet wird“, so Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Die vielen Hitzetage machen sich gerade in Gebäuden bemerkbar, die zumeist nicht nach neusten Energiestandards errichtet wurden: Schulen.

Was und warum

Darum geht es: Schulen sollen für Sommerhitze fit gemacht werden.

Vor allem interessant für: Schülerinnen, Schüler und ihre Eltern

Deshalb berichten wir: Aus der Politik wurden zuletzt erste Forderungen nach längeren Sommerferien laut.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Der Bildungspolitiker Jochen Ott (SPD) zeigte sich deshalb zuletzt sogar offen für eine Verlängerung der Sommerferien nach südeuropäischem Vorbild. „Angesichts der klimatischen Veränderungen ergäbe das sicher Sinn: längere Ferien im Sommer, dafür keine Herbst-, Oster- oder Pfingstferien“, so Ott. Er gibt aber auch zu bedenken, dass Eltern in große Schwierigkeiten geraten würden, ihre Kinder über zehn bis zwölf Wochen zu betreuen.

Dicke Mauern gegen die Hitze

Ute Wieligmann, Schulleiterin des Leeraner Ubbo-Emmius-Gymnasiums (UEG), hat pädagogische Einwände gegen verlängerte Hitzeferien im Sommer. „Sechs Wochen sind schon eine lange Zeit“, sagt sie. Eine längere unterrichtsfreie Zeit erschwere die Anknüpfung an bereits Gelerntes aus dem vorangegangenen Schuljahr.

Wenn in Ostfriesland Hitze brütet, ist nicht jeder Klassenraum im UEG ein angenehmer Ort. „In den oberen Geschossen des Neubaus sind die Temperaturen problematisch“, sagt Wieligmann. Der „Neubau“ stammt aus dem Jahr 1972 und ist damit 63 Jahre jünger als der angrenzende Altbau. Trotzdem ist die Lage in diesem Sommer nicht ganz so schlimm. „Der Altbau hat dicke Mauern“, erklärt Wieligmann.

Jalousien halten die Hitze draußen

Wenn die Temperaturen im Sommer in die Höhe schießen, gehen Lehrkräfte am UEG mit ihren Schülerinnen und Schülern des Öfteren ins Freie, so die Schulleiterin. Ansonsten gelte es, für so viel Durchzug wie irgendmöglich zu sorgen. An Hitzetagen stünden am UEG möglichst viele Fenster und Türen offen. Wenn gar nichts mehr geht, entschließe man sich in Abstimmung mit dem benachbarten Teletta-Groß-Gymnasium für Hitzefrei.

An den Grundschulen in Uplengen hat man derweil ein äußerst effektives Mittel gegen zuviel Hitze in Klassenräumen ausgemacht: reflektierende Jalousien. „Das bringt mit Abstand am meisten“, erklärt Malte van Mark, Erster Gemeinderat in Uplengen. „Die Temperaturen im Inneren konnten damit um etwa 10 Grad Celsius gesenkt werden.“ Die Idee sei, dass die meiste Wärme über die Scheiben in das Gebäude gelange. Wenn sie schon vor der Fensterfront gestoppt werde, erziele das den größten Effekt. Auf Flachdächern könne zudem auf Dachbegrünung gesetzt werden. „Damit halten wir die Wärme gut ab und es ist ökologisch viel nachhaltiger als alle alternativen Materialien für Dächer“, erklärt van Mark.

Dachbegrünung dämmt und verhindert Stauhitze. Foto: Pedersen/DPA
Dachbegrünung dämmt und verhindert Stauhitze. Foto: Pedersen/DPA

Gewerkschaft sieht Politik in der Pflicht

Eine Dachbegrünung bringt auch Stefan Störmer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ins Spiel. Bevor über längere Ferien nachgedacht wird, sollten zunächst die Gebäude in den Blick geraten. „Dämmen ist das A und O“, sagt der Leeraner. Eine gute Dämmung spare zudem im Winter Energiekosten. „Wir bekommen veränderte klimatische Bedingungen. Die Sommer werden in Zukunft nicht kühler werden“, so Störmer.

Der Gewerkschafter sieht die Politik in der Pflicht. „Schulen sind große Gebäude. Da sprechen wir nicht über Hundertausende von Euro, sondern von Millionen“, sagt Störmer. Die Kommunen alleine könnten das nicht leisten. „Die Mittel müssen vom Bund und dem Land durchgereicht werden“, so der GEW-Chef.

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