125 Jahre Feuerwehr Hinte Von der Handdruck-Spritze bis zur ersten Kinderfeuerwehr
An diesem Wochenende feiert die Feuerwehr Hinte 125. Geburtstag. Begonnen hat alles 1897 mit 18 Feuerwehrleuten.
Hinte - An diesem Wochenende wird gefeiert: Die Freiwillige Feuerwehr Hinte wird 125 Jahre alt. Angefangen hat alles 1897 mit dem Gründungsbeschluss der damaligen Gemeindeversammlung. 18 Mann zählte die Wehr damals, die Ausrüstung bestand aus einer „Handdruck-Spritze mit Pferde-Bespannung“, wie es in der Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag vergangen ist. Heute sind bei der Stützpunktfeuerwehr drei Fahrzeuge stationiert.
In den vergangenen 125 Jahren gab es so einige Premieren in der Geschichte der Wehr. 1928 wurde der erste Feuerlöscher in Betrieb genommen, 1937 gab es den Ersten Erste-Hilfe-Lehrgang mit Abschlussprüfung, 1938 wurden die ersten Einsatzkräfte an Atemschutzgeräten ausgebildet. 1941 wurde die Feuerwehr Hinte motorisiert, eine „Motorspritze mit Spritzenwagen“ wurde in Dienst gestellt, 1953 folgte das erste Löschgruppenfahrzeug, 1957 konnten die Hinteraner Feuerwehrleute nur knapp einen Großbrand der Kirche verhindern.
Erste Kinderfeuerwehr in ganz Ostfriesland
Diese Liste ließe sich weiter fortsetzen. „Wir haben 2002 die erste Kinderfeuerwehr in ganz Ostfriesland gegründet“, nennt der stellvertretende Ortsbrandmeister Michael Engelbarts-Bremer im Gespräch mit dieser Zeitung ein Beispiel aus jüngerer Zeit. „Damals mussten wir das gegen große Widerstände durchsetzen“, erinnert sich auch Ortsbrandmeister Ralf Ackmann. „Heute wollen alle eine Kinderfeuerwehr haben.“
Was 1897 mit 18 Mann begann, ist heute bei 36 Mitgliedern, Männern und Frauen, der Einsatzabteilung angelangt. Hinzu kommen 14 Jugendliche in der Jugend- und zehn Kinder in der Kinderfeuerwehr. „Unsere Mitgliederzahlen sind eigentlich seit Jahren konstant“, sagt Ackmann. Auch der „Neustart“ nach den harten Corona-Beschränkungen sei geglückt. „Es sind immer noch alle mit dem gleichen, wenn nicht sogar noch größerem Elan dabei“, so der Ortsbrandmeister. Altersabteilung, passive Mitglieder und der „Frauenkreis“ machen das Umfeld der heutigen Feuerwehr Hinte rund.
Mehr Hilfeleistung, weniger Brände
Was sich jedoch in den vergangenen Jahren geändert hat, sind Technik und Arten der Einsätze. „Technisch ist vieles einfacher und besser geworden“, sagt Engelbarts-Bremer, „aber die Ausbildung ist auch intensiver geworden“. Für Außenstehende werde die technische Weiterentwicklung vor allem an den Fahrzeugen, aber auch am Aussehen der Einsatzkräfte deutlich. „Die Schutzausrüstung noch vor 25 Jahren ist nicht mit der heute zu vergleichen“, sagt Ackmann.
Bei den Einsätzen seien die Feuerwehren mittlerweile „mehr zum Allrounder“ geworden, sagt der Ortsbrandmeister. Technische Hilfeleistungen würden meistens häufiger anfallen als Brandeinsätze. Notfalltüröffnungen, Unfälle, Sturmschäden seien so typische Hilfeleistungen. „Dieses Jahr hatten wir schon 41 Einsätze, das ist etwas mehr als sonst“, so Engelbarts-Bremer. Aber hier schlage sich auch der stürmische Jahresbeginn nieder.
Frauen sind seit 1995 in der Wehr erlaubt
Im heutigen Feuerwehrhaus an der Cirkwehrumer Straße residieren die freiwilligen Einsatzkräfte seit 1992. Unvergessen für die damals schon aktiven Kameraden: Während der Feierstunde zur Einweihung gab es einen Gebäudebrand in Loppersum, zu dem die Wehr alarmiert wurde.
Die Vernachlässigung der Kameradinnen im vorherigen Absatz ist übrigens bewusst gewählt: Bis 1995 galt nämlich noch, dass die Feuerwehr Hinte in keine Abteilung Frauen oder „weibliche Jugendliche“ aufnimmt. Dies wurde unter anderem damit begründet, dass man Institutionen mit „vorwiegend weiblicher Mitgliedschaft (DRK und Awo) in Hinte“ nicht die Mitglieder streitig machen wollte. Nach einem Antrag, dass vier weibliche Jugendliche in die Jugendfeuerwehr eintreten wollten, wurde diese Haltung auch mit Blick auf den Anti-Diskriminierungsgrundsatz des Grundgesetzes Ende 1995 gekippt. Das zeigt die 100-Jahr-Chronik.
Das Programm zum Jubiläum
Gefeiert der 125. Geburtstag an diesem Wochenende. Los geht es am Freitag, 9. September, mit einem Kommersabend in der Aula der IGS für geladene Gäste. Am Sonnabend, 10. September, finden rund um das Feuerwehrhaus „Freie Spiele für Jedermann“ statt. Zudem gibt es eine Fahrzeugschau, eine Tombola und eine Hüpfburg. Los geht es um 10.30 Uhr, die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.
Gleiches gilt für den Frühschoppen am Sonntag, 11. September, im Feuerwehrhaus. Die Feuerwehr startet zudem ab 14.30 Uhr zu einem großen Festumzug durch Hinte. Start ist an der Burg Hinta. Die Party im Feuerwehrhaus am Sonnabend ab 19.30 Uhr ist hingegen nur für geladene Gäste.