Insolventer Golfclub  Stadt Wiesmoor kann dem Verein finanziell nicht helfen

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 02.09.2022 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Lösung für den insolventen Golfclub Ostfriesland lässt auf sich warten. Von der Stadt Wiesmoor gab es eine Absage. Foto: Kahnert/dpa
Die Lösung für den insolventen Golfclub Ostfriesland lässt auf sich warten. Von der Stadt Wiesmoor gab es eine Absage. Foto: Kahnert/dpa
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Noch immer gibt es keine Lösung für den insolventen Golfclub Ostfriesland. Auch der Stadt Wiesmoor sind die Hände gebunden: Die laufenden Kosten des Platzes übersteigen ihre Mittel.

Wiesmoor - Es muss schnell gehen mit der Lösung für den insolventen Golfclub Ostfriesland, hieß es noch am 11. August vom Vorsitzenden Ralf Wilde. Denn schließlich müsse der Platz täglich gepflegt werden, sonst wäre er in kürzester Zeit nicht mehr nutzbar. Die Platzpflege ist teuer. Eine halbe Million Euro muss der Verein allein dafür im Jahr aufbringen. Als auch die nicht mehr gezahlt werden konnte, zog Wilde die Reißleine. Trotz der Zahlungsunfähigkeit scheint die Pflege jedoch auch ohne schnelle Lösung kein Problem zu sein. Denn noch immer ist der Platz geöffnet und der Spielbetrieb läuft wie gewohnt weiter. Aus Kreisen des Golfclubs heißt es, es habe Mitgliederversammlungen gegeben. Ob bereits Lösungen in Sicht sind, wurde nicht gesagt.

Was und warum

Darum geht es: Dem Golfclub Ostfriesland in Wiesmoor ist das Geld ausgegangen. Im Insolvenzverfahren geht es jetzt um den Erhalt des Platzes.

Vor allem interessant für: Golffreunde und Förderer

Deshalb berichten wir: Der Insolvenzverwalter muss jetzt die Zukunft des Platzes sichern.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Die Stadt Wiesmoor ist in die Rettungsaktion eingebunden. Das bestätigte der Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) der Redaktion. „Es gab mehrere Treffen mit den an der Rettung beteiligten Parteien, darunter dem Vorstand des Golfclubs und der Erbengemeinschaft Quitmeyer als Eigentümer der Flächen“, sagt Lübbers und erklärt: „Die Details aus diesen Gesprächen sind natürlich vertraulich. Für mich ist es selbstverständlich, dass die Stadt in diesem Prozess mitwirkt, schließlich ist der Golfclub für Wiesmoor ein wichtiges Aushängeschild.“

Die Kosten übersteigen die Möglichkeiten der Stadt

Die Stadt Wiesmoor ist in die Rettungsaktion eingebunden. Das bestätigte der Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) der Redaktion. „Es gab mehrere Treffen mit den an der Rettung beteiligten Parteien, darunter der Vorstand des Golfclubs und die Erbengemeinschaft Quitmeyer als Eigentümer der Flächen“, sagt Lübbers und erklärt: „Die Details aus diesen Gesprächen sind natürlich vertraulich. Für mich ist es selbstverständlich, dass die Stadt in diesem Prozess mitwirkt, schließlich ist der Golfclub für Wiesmoor ein wichtiges Aushängeschild.“

Finanzielle Unterstützung könne die Stadt allerdings nicht leisten. „Die Kosten für die Unterhaltung eines solchen Areals liegen jenseits der Möglichkeiten der Stadt“, erklärt Lübbers: „Einen Golfclub können Sie nicht mit einem Schützenverein vergleichen.“ Er habe großen Respekt vor einem Verein, der eine finanzielle Herausforderung wie die Unterhaltung und den Betrieb eines Golfplatzes stemmen muss. Der Erhalt des Platzes sei trotzdem oberstes Gebot dieses Insolvenzverfahrens und werde von der Stadt unterstützt. „Dass es den Golfplatz weiter geben wird, ist noch wichtiger als der Bestand des Vereins“, so Lübbers.

Damit spielt er auf die von Ralf Wilde ins Spiel gebrachte Betreibergesellschaft an, die den Platz übernehmen könnte. Der Vorsitzende sieht für einen langfristig erfolgreichen Betrieb des Golfplatzes die besten Chancen, wenn er durch die Eigentümer der Flächen oder einen Investor privatwirtschaftlich erfolgen würde. Ob dieser Wunsch allerdings Wirklichkeit wird, steht in den Sternen. Denn der Betrieb durch einen Verein hat steuerliche Vorteile, was sich auf die Mitgliedsbeiträge auswirkt.

Details bleiben unter Verschluss

Noch immer dringen keine Details aus dem Insolvenzverfahren nach außen. Weder der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Axel Gebers aus Bremen, noch der Vorstand des Golfclubs äußern sich zur aktuellen Lage. Gebers wichtigstes Ziel sei, für die Pflege des Platzes eine Lösung zu finden. Wie es steht, wollte er bisher nicht sagen. „Ich werde erst etwas zum Stand des Verfahrens sagen, wenn ich einen Vertrag mit einer Unterschrift in der Hand halte“, erklärte er der Redaktion. Am 4. August hatte der Vorsitzende Ralf Wilde die Mitglieder des Golfclubs in einem offiziellen Schreiben über die schwierige finanzielle Lage und die Insolvenz informiert. Gleichzeitig reichte er den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Aurich ein. Am 8. August wurde das Verfahren dort eröffnet.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein in einer finanziell schwierigen Situation steckt. Bereits Ende 2019 hatte eine Insolvenz gedroht. Die Mitglieder hatten sie damals mit einer Sonderzahlung von 250 Euro verhindert. Die Umlage spülte frisches Geld in die Vereinskasse: Mehr als 90.000 Euro kamen damals nach Angaben des 2. Vorsitzenden Albrecht Heim zusammen. Damit hatte der Golfclub Ostfriesland keine Liquiditätsprobleme mehr und war wieder zahlungsfähig. Nach dieser Notsituation hatte sich der Verein neu aufgestellt und Ende August 2020 einen neuen Vorsitzenden gewählt – Prof. Dr. Ralf Wilde aus Leer. Seit Anfang August steht der Golfclub wieder vor dem gleichen Problem. Die Mitglieder wieder über eine Umlage zur Kasse zu bitten, lag dem Vereinsvorsitzenden allerdings fern. „Wir können uns nicht auf diese Weise von Jahr zu Jahr retten und die Mitglieder immer wieder zahlen lassen, das macht niemand mit“, hatte Wilde erklärt. Deshalb wird jetzt nach neuen Lösungen gesucht.

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