Gefahren im Internet Eltern sollten beim Posten von Kinderfotos Fallstricke kennen
Ein Klick nur und schon ist ein süßes Babyfoto im Netz. Welche Gefahren bei einem solchen Posting lauern, ist vielen gar nicht klar. Ein paar Regeln helfen.
Ostfriesland - Ein niedliches Kindergesicht blickt in die Kamera. Die Augen strahlen. Um das kleine Köpfchen wirbeln blonde Locken. Beim Lachen lugen zwei Zähnchen hervor. Nein, wie süß! Dieses Bild wird von den Eltern auf verschiedenen sozialen Kanälen geteilt: auf Facebook, Instagram, Whatsapp und Tiktok. Sollen doch alle sehen, was für einen putzigen Fratz Mama und Papa großziehen. Doch so unverfänglich dieses Teilen eines Fotos im Netz auch erscheinen mag: Es kann gefährlich sein, wenn die Fotos in die falschen Hände geraten. Darauf weisen immer mehr Institutionen seit Jahren hin. Das Bewusstsein für riskantes Posten wird deshalb bei etlichen Eltern stärker. Auch die Redaktion erhält mitunter Hinweise von Lesern mit der Bitte um umsichtigen Umgang mit Kinderbildern.
Was und warum
Darum geht es: Vermeintlich süße Kinderfotos können im Netz in falsche Hände geraten.
Vor allem interessant für: internetaffine Eltern
Deshalb berichten wir: Weil ein Leser die Redaktion um sensibleren Umgang mit Kinderfotos gebeten hat. Das hat uns nachdenklich gemacht und eine Recherche angestoßen, indessen Verlauf wir auf die Folgen von Sharenting gestoßen sind. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Wissenschaftler haben dem Thema einen Namen gegeben: Sharenting. Er leitet sich ab von dem englischen to share für teilen und parenting für Elternschaft.
Warum kann Sharenting ein Problem sein?
Bilder, die einmal im Netz eingestellt sind, lassen sich in der Regel nicht mehr löschen. „Oftmals fotografieren Eltern ihre Kinder in schönen oder lustigen Momenten, die sie miteinander erleben. Problematisch wird es, wenn dabei die Perspektive des Kindes außer Acht gelassen wird: Eltern posten Fotos, die sie selbst lustig oder süß finden, ihr Kind aber als peinlich oder beschämend bewerten würde“, sagt Lisa Buschmann. Sie ist Referentin bei der Landesanstalt für Medien in Düsseldorf und zuständig für die EU-Initiative „klicksafe“. Diese warnt vor Gefahren bei der Nutzung des Internets. Unangenehme Fotos können als Mittel dienen, um Kinder zu verhöhnen und zu mobben. Mediencoach Kristin Langer weist noch auf einen anderen Aspekt hin: „Kinderfotos im Netz erhöhen das Risiko unerwünschter Kontakte. Auch wenn etwa das Bild im Profil oder Blog später gelöscht wird, können die Aufnahmen weiter kursieren. Zudem können Gewerbetreibende und fremde Nutzer Informationen über Hobbys und tägliche Gewohnheiten sammeln.“ Kristin Langer ist für die Medienerziehungsinitiative „Schau Hin!“ tätig.
Wann wird Sharenting richtig gefährlich?
„Bilder von Säuglingen in Windeln oder von Kindern in Schlafanzügen oder Badebekleidung werden gezielt von pädophilen Menschen gesucht und in sexualisierten Kontexten missbraucht. Dieses Material wird auch über illegale Plattformen und das Darknet weiterverbreitet“, warnt Lisa Buschmann. Wenn das Kind älter sei und vielleicht schon ein eigenes Benutzerprofil im digitalen Raum angelegt habe, könne es zu einer Kontaktaufnahme durch Täter kommen.
Was sind die Richtlinien für ein sicheres Vorgehen?
Grundsätzlich sollte man, so Buschmann, immer beachten, dass auch Kinder Persönlichkeitsrechte haben, das heißt, ein Recht am eigenen Bild. Deshalb müssten sie mit Veröffentlichungen einverstanden sein. Eltern sollten außerdem als gutes Vorbild vorangehen, was ihre eigene Mediennutzung und den Umgang mit eigenen Fotos angeht. „Denn viel von dem, was Kinder lernen, erfahren sie über Beobachtung und Nachahmung des elterlichen Medienverhaltens“, sagt die Expertin. Außerdem sollten Eltern Möglichkeiten nutzen, um das Bildmaterial optimal zu schützen. Dazu rät Antje Heilmann, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) in Hannover. Das könne durch das Nutzen von Privatsphäre-Einstellungen geschehen. Man könne aber auch Pseudonyme verwenden oder den Freundeskreis einschränken. Ein weiterer Tipp: Antje Heilmann rät, Verwandte, Freunde und Bekannte darum zu bitten, gepostete Fotos und Daten nicht weiter zu verbreiten.
Was sollten Eltern beim Posten von Kinderfotos auf jeden Fall vermeiden?
Eltern sollten unter keinen Umständen Daten des Kindes preisgeben. Als Faustregel gilt: Alle Hinweise, die auf die Identität des eigenen Kindes schließen lassen, sollten online vermieden werden. Auf keinen Fall sollten Bilder eines leicht- oder unbekleideten Kindes veröffentlicht werden. Der Kinderschutzbund in Aurich hat diese Empfehlungen bereits verinnerlicht: „Unsere Kinder werden von uns nur von hinten fotografiert oder mit einer ausdrücklichen, schriftlichen Einwilligung der Eltern. Dabei wird insbesondere darauf geachtet , dass die Kinder besonders geschützt werden und die Motive keinen unwürdigen Charakter haben“, sagt die 1. Vorsitzende Sabine Böttcher.
Sollten Eltern generell auf das Posten von Kinderfotos verzichten?
„Eltern müssen nicht grundsätzlich darauf verzichten, Fotos von ihren Kindern zu posten. Sie sollten aber bedenken, dass es negative Konsequenzen für das eigene Kind haben kann, wenn der Umgang mit der Veröffentlichung von Fotos zu unbedarft stattfindet“, sagt Lisa Buschmann. Wenn man unbedingt Fotos des eigenen Kindes posten möchte, sollte das Gesicht unkenntlich gemacht werden.
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