Ab in die USA  Wie die Albertsens aus Rysum Karriere machten

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 01.09.2022 09:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wurde 1845 in Rysum geboren: Ubbo Albertsen. Als Erwachsener machte er politische Karriere in den USA – und baute Orgeln. Foto: Archiv
Wurde 1845 in Rysum geboren: Ubbo Albertsen. Als Erwachsener machte er politische Karriere in den USA – und baute Orgeln. Foto: Archiv
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Im 19. Jahrhundert wanderten viele Ostfriesen nach Amerika aus. In den Vereinigten Staaten machten sie oft Karriere, auch in der Politik.

Rysum/Pekin - Der Victorburer Pastor Jürgen Hoogstraat hat Tausende Lebensläufe von ausgewanderten Ostfriesen aus vergangenen Jahrhunderten gesammelt. Darunter sind auch Krummhörner, deren Familien in den USA Karriere machten. Wir stellen in lockerer Reihenfolge ein paar dieser Menschen mit Krummhörner Wurzeln vor. Dieses Mal geht es um einen Rysumer.

Hoogstraat hat herausgefunden: Der Rysumer Kaufmann Jan Hedden Albertsen und seine Frau Hilkea van Brethorst gehörten mit zu den ersten, die Ostfriesland den Rücken kehrten. Mit nach Amerika nahmen sie das wohl in der Familie angelegte kaufmännische Geschick.

Auch die Albertsens zog es nach Pekin/Illinois

1856 wanderte das Ehepaar mit seinen Kindern aus, auch wenn andere Quellen „nach 1862“ angeben. Bei der Zahl der Kinder vermutet Hoogstraat eine Unklarheit in der „Chronika Rysumana“, da dort die Rede von vier mitauswandernden Kindern ist. „Zur Familie gehörten jedoch in Ostfriesland bereits sechs Kinder (Ubbo [manchmal auch Ubbe], Lammert, Trientje Sophia, Albert, Gesina), die auch alle im Tazewell County/Illinois gelebt haben.“

Die Familie emigrierte zunächst ins nördliche Illinois, zog dann aber 1858 weiter nach Pekin. Hier siedelten sich viele ausgewanderte Krummhörner an. Die Tochter Gesina Alida wurde 1858 bereits in Pekin geboren. „In amerikanischen Quellen wird behauptet, dass auch Jan Albertsens Eltern Ubbo Albertsen sen. und Trientje Gerling ihren Kindern nach Amerika folgten“, so Hoogstraat. Das könne aber nur für Trientje Gerling gelten, denn Ubbo Albertsen sen. „starb in Rysum bereits 1845“.

Eine Generation erfolgreicher Kaufleute

Die Albertsens lebten ihr kaufmännisches Geschick auch in den USA aus: Die Söhne des Ehepaares Jan Hedden und Hilke Albertsen, Lammert und Ubbo Albertsen gehörten zu den bekanntesten Geschäftsleuten von Pekin/Illinois. „Beide arbeiteten zunächst in der Wagenfabrik von Thees Smidt als Maler und Anstreicher, machten sich dann aber als Kaufleute selbstständig“, hat Hoogstraat herausgefunden. Lammert war erfolgreich im Lebensmittelhandel und besaß die Keksfabrik „Biscuit and Cracker Company“.

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Sein Bruder Ubbo stieg in die unter den ausgewanderten Ostfriesen sehr bekannte Orgelfabrik von Johann (John) Hinners ein, die dieser 1879 gründete. Ubbo Albertsen wurde laut Hoogstraat bald einziger Teilhaber von Hinners. „Bis heute sind Exemplare aus der Fabrikation von Hinners und Albertsen in Privatbesitz oder auch in Kirchen und Gemeinderäumen erhalten und einsatzbereit.“

Ubbo Albertsen war später Senator des Staates Illinois und galt als einer der fleißigsten Parteigänger der republikanischen Partei. Seiner Biografie zufolge soll er in vierzig Jahren nicht eine Versammlung seiner Partei versäumt haben. Auch der jüngste Bruder Albert Hinderks Albertsen ergriff zunächst den Malerberuf und machte sich später ebenfalls selbstständig im Handel mit Malerbedarf und Tapeten.