Aurich bereitet sich auf Ernstfall vor Turnhallen als Notunterkünfte? – Das ginge von jetzt auf gleich
Die Auricher Kaserne wird zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Doch bis es so weit ist, müssen womöglich Turnhallen als Notunterkünfte herhalten.
Aurich - Flüchtlinge dürfen nun doch im großen Stil in der Auricher Kaserne untergebracht werden – obwohl die Stadt Aurich dort mit einem Investor einen neuen Stadtteil entwickelt. Darauf haben sich die Stadt und der Landkreis Aurich sowie der Bund als Eigentümer des Geländes und der Investor vergangene Woche geeinigt. Damit sei die Gefahr, Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen zu müssen, glücklicherweise gebannt, hieß es kurz darauf im Finanzausschuss des Kreistags. Doch ist das wirklich so? Keineswegs!
Landkreis-Pressesprecher Rainer Müller-Gummels hatte bereits unmittelbar nach der Einigung zum Kasernengelände darauf hingewiesen, dass es für eine Übergangsphase notwendig werden könne, Turnhallen zu belegen. Es könne zu Engpässen kommen. Der Druck ist groß: Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges am 24. Februar hat der Landkreis Aurich fast 2500 Flüchtlinge aufgenommen, und täglich kommen neue dazu. Am 9. August hatte der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Korwin Davids gesagt, dass in drei Monaten – also im November – die erste Turnhalle fällig sein könnte.
„Innerhalb von 12 bis 24 Stunden“
Wenn tatsächlich Turnhallen belegt werden, welche dann zuerst? Diese Frage lässt die Kreisverwaltung unbeantwortet. Pressesprecher Müller-Gummels weist darauf hin, dass es unabhängig von der Flüchtlingsunterbringung für das gesamte Kreisgebiet Pläne für die Nutzung von Turnhallen im Katastrophenfall gebe. Die Belegung folge einem einheitlichen Schema und würde primär von Hilfsorganisationen durchgeführt, so der Pressesprecher. „Insoweit ist die Belegung von Turnhallen grundsätzlich vorbereitet und ließe sich im Bedarfsfall innerhalb von 12 bis 24 Stunden realisieren.“
Es handele sich um eine „reine Notunterbringung, wenn mit den vorhandenen Kapazitäten keine Menschen mehr aufgenommen werden können und somit Obdachlosigkeit der Zugewiesenen droht“, so Müller-Gummels. Das seien Maßnahmen der Gefahrenabwehr, daher seien die Städte und Gemeinden für die Herrichtung der Hallen zuständig. Bei der Bewertung der Hallen würden Lage, Ausstattung, Auslastung und Aufnahmekapazität berücksichtigt.
1000 Plätze auf dem Kasernengelände
Die Hoffnung ruht nun auf dem Kasernengelände. Bereits im Juli hatte der Landkreis dort ein erstes Gebäude in Betrieb genommen, das Platz für 70 Menschen bietet. Künftig darf die Kreisverwaltung zudem das frühere Divisionsgebäude nutzen. Dort ist Platz für rund 800 Personen. Auch zwei H-förmige Unterkunftsgebäude sowie ein Wirtschaftsgebäude kann der Landkreis nutzen, um Wohnraum für geflüchtete Menschen zu schaffen. Insgesamt werden in den vier Gebäuden rund 1000 Plätze geschaffen. Das geht allerdings nicht von heute auf morgen. Der Aufwand ist je nach Gebäudezustand unterschiedlich groß. Das Divisionsgebäude ist in einem relativ guten Zustand, dort dürfte es schneller gehen als bei den anderen.
Einen genauen Zeitplan für die Ertüchtigung der Gebäude nennt die Kreisverwaltung nicht. Müller-Gummels antwortet auf eine entsprechende Anfrage: „Die Herrichtung der Kaserne zur Flüchtlingsunterbringung wird derzeit geprüft. Zur konkreten Inbetriebnahme weiterer Gebäude kann aktuell aber noch keine verlässliche Aussage getroffen werden.“
Containerdorf in Norden geplant
Unterdessen bereitet der Landkreis den Bau eines Containerdorfs auf dem Gelände der ehemaligen Internationalen Gärten in Aurich vor. Das 8400 Quadratmeter große Grundstück in Extum wird im Volksmund so bezeichnet, weil dort jahrzehntelang Vietnamesen Gemüse anbauten. Dort wird Platz für 96 Menschen geschaffen (vier Containeranlagen mit jeweils 24 Plätzen). Das Containerdorf werde voraussichtlich Ende September/Anfang Oktober bezugsfertig sein, so Müller-Gummels. Es soll an den Integrationsstützpunkt angebunden werden, der sich bei der nahegelegenen Kreisvolkshochschule befindet.
Ein weiteres Containerdorf mit 96 Plätzen will der Landkreis bis Ende September in Norden aufbauen. Wo genau, ist noch unklar. „Neben eigenen Immobilien haben wir auch Angebote der Stadt Norden im Auge, die wir aktuell auf deren Eignung prüfen“, so Müller-Gummels.