Kultur pur Drei Tage, drei Bühnen – Emden ist im Musik-Festival-Fieber
An diesem Freitag startet das Friedensfestival „Lüttje Welt“ in Emden. Auf drei Bühnen wird an drei Tagen Musik zu hören sein. Am Sonntag spielt eine Emder Kult-Band ihr wohl allerletztes Konzert.
Emden - Die Aufbauarbeiten für das erste dreitägige Folk-Musik-Festival in Emden gehen in den Endspurt. „Wir sind voll am Rotieren“, sagt Johannes „Urmel“ Meyering an diesem Mittwoch auf dem Neuen Markt. Er ist einer der Organsatoren für das Friedens-Großevent „Lüttje Welt“. Auf dem Marktplatz entsteht die Hauptbühne. Freitag und Samstag ist dennoch wie gewohnt der Wochenmarkt dort von 8 bis 13 Uhr. Auf der Hahn’schen Insel vor der Kunsthalle und auf dem Stephansplatz beim Café Einstein sind die anderen zwei Festival-Standorte.
Ein besonderes Highlight erwartet die Emder am Sonntag, wie Meyering betont. Dann gebe es die letzte Möglichkeit, Musiker der Emder Kultband Spillwark live zu hören und zu sehen. Seit genau 40 Jahren gibt es die Gruppe schon, die insbesondere für ihre Weihnachtskonzerte und das Kinder-Musical „Lükko Leuchtturm“ bekannt wurde. Seit einigen Jahren aber - nach abgesagten Weihnachtskonzerten, weil man sich nicht hatte einigen können - befinde sich die Band in der Schwebe, so Meyering. „Es gibt keine Perspektive mehr.“
Musikalischer Rückblick von Spillwark
An diesem Sonntag nun will Wolfgang Meyering, musikalischer Kopf und Frontmann von Spillwark, gemeinsam mit Dr. Ralf Gehler, Ernst Poets, Vivien Zeller und Johannes Meyering einen musikalischen Rückblick bieten. Letztgenannter ist sich sicher, dass das Event am Sonntag „noch mal viele Leute“ anziehen werde. Viele Emderinnen und Emder hätten Erinnerungen und Geschichten zur Spillwark-Musik.
Das ganze Festival sei auch von Spillwark-Musikern organisiert worden. In Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) hatten sie bereits seit Jahren ein Fest der Kulturen durchgeführt. „Hier ist es also ein Ableger“, so Johannes Meyering. Als der Angriffskrieg in der Ukraine begann, hatte man die Konzerte in Emden fast absagen wollen. Das Festival war ursprünglich „viel größer“ geplant gewesen, auch eventuell mit bekannten Musik-Größen wie Ina Müller und Wolfgang Niedecken, und man hatte Eintritt nehmen wollen. Angesichts der Unsicherheit in der Bevölkerung wäre man damit aber ein zu großes wirtschaftliches Risiko eingegangen, so der Kulturschaffende.
Eintritt ist kostenlos
Es waren aber bereits 30.000 Euro Fördergeld von der Ostfriesischen Landschaft zugesagt gewesen. Die Stadt Emden steuert außerdem Geld aus dem Topf „Perspektive Innenstadt“ bei. So hatte man sich überlegt, das Event kleiner und als Friedensfestival zu gestalten. Der Eintritt ist nun kostenlos. „Wir wollen ein Statement setzen“, betont er. Das Emder Friedensforum werde bei den Konzerten ihr Anliegen vortragen. Vom 31. August bis 9. Oktober veranstaltet das Forum seine 15. Friedenstage mit Vorträgen und Musik größtenteils in der Neuen Kirche.
Die elf Konzerte des Friedensfestivals von Freitag bis Sonntag sind so zeitversetzt geplant, dass Interessierte fast alles hören können, so Meyering. Es sei eine bunte Mischung aus mal Kernigem, mal Lyrischem und vielem auf Plattdeutsch. Es gibt Surfpunk von den Polkaholix, den „klassischen Barden vom Niederrhein“ Günter Gall und die Gruppe Deitsch, die Instrumentalstücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert neu interpretiert. Musiker aus Polen und Dänemark geben dem Festival einen internationalen Anklang.
Testlauf für Neuen Markt als Event-Location
Für die Stadtverwaltung, vertreten durch Heika Ring als Koordinatorin für das EU-Projekt „Perspektive Innenstadt“, ist das Festival auch ein Testlauf für den sanierten Neuen Markt. Seitdem auf diesem nicht mehr geparkt werden darf, ist die Hoffnung von Stadt, Gastronomie und Kulturschaffenden groß, dass der Platz mit Events belebt wird. „Wir wollen die neu geschaffenen Plätze auch nutzen“, erklärte Heika Ring bei einem Pressegespräch Ende Mai. Man habe sich deswegen bewusst gegen den Stadtgarten als Location entschieden. „Wir wollten von eingebürgerten Orten weg“, sagt sie. Auch die Hahn‘sche Insel soll neu genutzt werden. „Wir wollen zeigen, wie es aussehen kann“, sagt Meyering.
Gemeinsam mit der Stadt könne man das Festival nach einem guten Testlauf dann verstetigen und auch vergrößern, so die Hoffnung. „Das wäre ein einzigartiges Highlight für Emden“, ist er sich sicher. Ein derartiges Innenstadt-Festival gibt es in Ostfriesland ansonsten auch nicht. „Wir haben ein unglaubliches Potenzial hier.“ Nicht nur in Emden ist längst klar: Der Einzelhandel allein zieht die Menschen nicht mehr in die Innenstädte. Durch eine Kombination aus Veranstaltungen, Gastronomie und Shopping aber könnte die Stadt belebt und mehr Aufenthaltscharakter geschaffen werden.
→ Freitag geht es ab 18 Uhr auf dem Neuen Markt los mit der Band PoMore, und ab 20.30 Uhr spielen dort die Polkaholix. Bei der Kunsthalle kann man Gent Salverius erleben und am Stephansplatz Tim & Gonzo. Am Samstag ist zunächst von 11 bis 16 Uhr Kinderfest im Stadtgarten. Dann geht es um 17 Uhr an der Kunsthalle wieder musikalisch los mit TBA. Danach folgt die Tüdelband. Günter Gall ist ab 17 Uhr am Stephansplatz, ab 19.30 Uhr folgt Deitsch. Auf dem Neuen Markt macht Phonix um 18 Uhr den Anfang, danach ist ab 20.30 Uhr Jams zu hören. Wolfgang Meyering gibt den Spillwark-Rückblick am Sonntag ab 11 Uhr auf dem Stephansplatz.
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