Landkreis Aurich erhöht den Druck  Falsch befüllte Biotonnen bleiben stehen

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 31.08.2022 09:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ab September setzt der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Aurich bei falsch befüllten Biotonnen nur noch die rote Karte ein. Foto: Landkreis Aurich
Ab September setzt der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Aurich bei falsch befüllten Biotonnen nur noch die rote Karte ein. Foto: Landkreis Aurich
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Wer den Müll falsch sortiert, erhält die rote Karte: Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Aurich lässt ab sofort falsch befüllte Biotonnen ungeleert stehen – ohne Warnung.

Aurich - „Trenn Dich korrekt“: Mit dieser Kampagne versucht der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Aurich seit gut zwei Jahren, die Leute zu einer besseren Mülltrennung zu bewegen. Die Biotonne bereitet nach wie vor Probleme. Die Entfernung sogenannter Störstoffe wie Plastiktüten, Windeln oder Metall kostet Zeit und Geld. Im Extremfall wird der Bioabfall unbrauchbar und muss verbrannt werden. Die Kampagne zeigt Wirkung, doch im Bioabfall stecken immer noch zu viele Dinge, die dort nicht hineingehören. „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen“, sagt Betriebsleiter Hans-Hermann Dörnath.

Daher erhöht der Abfallwirtschaftsbetrieb nun den Druck: Vom 1. September an werden nicht korrekt gefüllte Biotonnen nicht mehr geleert. Die Mitarbeiter kennzeichnen sie mit einer roten Karte, und das Müllfahrzeug fährt weiter. Der Schiedsrichter gibt in diesem Fall also glatt Rot, wie man im Fußball sagen würde. Die gelbe Karte wird abgeschafft. Bislang war es so gelaufen, dass die Mitarbeiter beim erstmaligen Verstoß gegen die Sortiervorgaben die Tonne aus Kulanz trotzdem leerten und mit einer gelben Hinweiskarte versahen. Das ist ab sofort passé.

„Dann muss man irgendwann auch sanktionieren“

Seit Beginn der Kampagne ist der Anteil der Störstoffe von sechs auf zwei Prozent gesunken, teilt der Abfallwirtschaftsbetrieb mit. „Der Lerneffekt setzt ein“, sagt Dörnath. Das sei gut, aber noch nicht gut genug. Nach den Bestimmungen der Bioabfallverordnung müsse der Anteil unter einem Prozent liegen. Nur so könne garantiert werden, dass hochwertiger und möglichst mikroplastikfreier Kompost erzeugt wird.

Die Grafik zeigt, was in die Biotonne gehört und was nicht.
Die Grafik zeigt, was in die Biotonne gehört und was nicht.

Zunächst hatten die Macher der Kampagne ausschließlich auf Aufklärung gesetzt – mit prominenter Unterstützung. Auf der Website, auf Plakaten und Lastwagen werben unter anderem Ossiloop-Moderator Heino Krüger, der Norder Krimiautor Klaus-Peter Wolf und der aus Aurich stammende Fernsehmoderator Harro Füllgrabe für korrekte Mülltrennung. „Aber wenn die Leute nicht sortieren, muss man irgendwann auch sanktionieren“, hatte Dörnath im Februar 2021 gesagt.

Mülldetektive schauen in die Tonnen

Seitdem sind im Landkreis Aurich Kontrolleure unterwegs, die neben den Müllfahrzeugen herlaufen und in die Tonnen schauen. Diese Mülldetektive sind auch diejenigen, die die gelben und roten Karten verteilen. Sie seien nicht auf jeder Tour dabei, sagt Dörnath. „Wir setzen sie dort ein, wo die stärkste Verunreinigung ist.“ Neben den menschlichen Mülldetektiven kommt Technik zum Einsatz: Ein Störstoffdetektor am Müllfahrzeug schlägt Alarm, wenn der Bioabfall Metall enthält. Dann lässt der Fahrer die Tonne stehen und versieht sie mit einer roten Karte.

Ist es nicht ein bisschen zu hart, gleich die rote Karte zu zücken? Dörnath verneint das. Mittlerweile müsse man davon ausgehen, dass die Leute mit dem Problem vertraut sind. „Die Bürger sollten sich das gemerkt haben.“ Nur ein kleiner Bruchteil der Haushalte sei für die verbleibenden Störstoffe verantwortlich. Ihnen fehle offensichtlich nicht das Wissen, sondern der Wille. Es seien auch immer wieder dieselben, die negativ auffallen, sagt der Betriebsleiter. Die gelben Karten blieben in diesen hartnäckigen Fällen wirkungslos.

„Wer möchte schon im Bioabfall rumwühlen?“

Was tun, wenn die Biotonne ungeleert stehen geblieben ist? Dann kann man sie mit der nächsten Tour für die graue Tonne als Restabfall leeren lassen. Das kostet 5,25 Euro pro 120-Liter-Tonne und muss beim Abfallwirtschaftsbetrieb angemeldet werden. Eine Alternative ist es, den Bioabfall neu zu sortieren und die Störstoffe herauszufischen. „Aber wer möchte schon im Bioabfall rumwühlen?“, sagt Dörnath. Um sich das zu ersparen, sollte man von vornherein korrekt trennen. Der Betriebsleiter ist zuversichtlich, mit den roten Karten die letzten fehlenden zehntel Prozent bis zum fast perfekt getrennten Bioabfall zu schaffen. „Den Rest erledigt unsere Anlage.“

Der Kreis Aurich bekommt für die Kampagne Lob aus Expertinnenmund. Verena Gabske vom Beratungsunternehmen Atus (Hamburg) sagt: „Mit Öffentlichkeitsarbeit allein kann man nicht viel bewirken. Kontrollen und Sanktionen sind erforderlich.“ Das hätten Erfahrungen in anderen Kommunen gezeigt.

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