AG Ems setzt auf Elektro Nach fast 50 Jahren hat Emder Hafenboot „Ratsdelft“ ausgedient
1975 lief das Emder Hafenboot „Ratsdelft“ vom Stapel. Bald soll es ersetzt werden. Die Reederei AG Ems will verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen - mit einem E-Boot.
Emden - Das Emder Hafenboot „Ratsdelft“ geht bald in Rente - und der Nachfolger steht praktisch schon in den Startlöchern. Denn: Die Emder Reederei AG Ems, die seit Jahren Hafenrundfahrten anbietet, möchte stärker auf Nachhaltigkeit setzen. Das neue Boot, das Mitte Juli bei der Oldersumer Schiffswerft Diederich auf Kiel gelegt wurde, soll vollelektrisch mit einer Methanol-Brennstoffzellen-Technologie fahren. Laut AG Ems könnte das E-Hafenboot schon zum Saisonbeginn kommendes Jahr, also zu Ostern, den Dienst antreten.
Was und warum
Darum geht es: Die Emder Reederei AG Ems geht weitere Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Ein Hafenboot mit Verbrenner-Motor wird gegen ein vollelektrisches ausgetauscht.
Vor allem interessant für: Umwelt- und Mobilitätsinteressierte, Touristen, Hafenboot-Fans
Deshalb berichten wir: Die AG Ems hatte uns von der Neuanschaffung berichtet und wir haben weiter nachgehakt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Das neue Hafenboot wird 22,5 Meter lang und bietet 75 Personen Platz, hierbei sind auch mehrere Plätze für Rollstuhlfahrer vorgesehen. Da es aufgrund der sehr niedrigen Brücken in Emden sehr flachgängig sein muss, ist ein ausgeklügeltes Ballast-System entscheidend, heißt es von der Reederei. Auch der Rumpf sei noch optimiert worden, um zukünftig weniger Energie zu verbrauchen und die Einsatzbarkeit bis in die Abendstunden zu verlängern. „Das Schiff ist für bis zu 12 Betriebsstunden ausgelegt“, erklärt AG-Ems-Sprecherin Corina Habben auf Nachfrage.
Emder Wasserwege fordern besonders heraus
Der Antrieb des E-Bootes wird aus Akkus gespeist. Zusätzliche Brennstoffzellen dienen als Reichweitenverstärker. „Durch den zusätzlichen Einsatz der Brennstoffzelle fallen die Akkus kleiner aus und das Gewicht des Hafenbootes kann gering gehalten werden. Dies kommt wiederum dem Energieverbrauch zugute“, erklärt das Unternehmen auf seiner Website. Nachts sollen die Akkus innerhalb von 12 Stunden durch Windstrom wieder aufgeladen werden. Durch das neue E-Hafenboot lassen sich laut AG Ems für die touristischen Hafenfahrten Emissionen von jährlich 32 Tonnen CO2 einsparen.
Nach einer „zeitraubenden Phase der Berechnung“ sei es schließlich gelungen, die Anforderungen der Behörden zu erfüllen, so Werft-Geschäftsführer Jens Schädler. „Für uns sind solche Projekte wichtig, um innovativ zu bleiben und zu zeigen, dass hiesige Schiffswerften auch zukunftsweisende Neubauten umsetzen können“, erklärt er. Besonders interessant sei dabei auch die Übertragbarkeit der Technik auf andere Schiffsprojekte. Corina Habben bestätigt, dass es auch für die AG Ems „eines der Hauptziele des Projekts“ ist, zu schauen, inwieweit die Technik ebenso für andere Schiffe - womöglich selbst die Fähren - eingesetzt werden kann. „Die Skalierbarkeit ist für alle Projektpartner eine Zielsetzung“, erklärt sie. Das Projekt wird noch vom Maritimen Kompetenzzentrum (kurz Mariko) aus Leer unterstützt sowie durch Mittel von Bund und Land gefördert.
Bis zu 60.000 Hafenboot-Fahrgäste im Jahr
Für die großen Schiffe wird bislang stärker auf LNG, ein Flüssiggas, gesetzt. Auch die AG Ems hat ihre Autofähre MS „Ostfriesland“ 2015 entsprechend umgebaut. „Für kleine Schiff ist LNG nicht die richtige Wahl, für die großen Fähren der AG-Ems absolut“, erklärt Corina Habben. Als Reederei gehe man bei jeder Technologie offen an die jeweilige Anforderung heran und wähle dann die beste Lösung aus. Drei kleine E-Boote der Reederei fahren bereits durch den Delft. Sie können beim Delftstrand ausgeliehen werden und „erfreuen sich tatsächlich großer Beliebtheit“, so die Sprecherin.
Schon weit vor der stärkeren Entwicklung des Tourismus gab es in Emden Hafenboote. Brachten sie einst - einem Linienbus gleich - Arbeiter zu Haltestelle im ganzen Hafengebiet, zeigen sie nun Besuchern die Stadt zu Wasser. Die aktuelle „Ratsdelft“ lief 1975 vom Stapel. Sie ist rund 21 Meter lang und fast fünf Meter breit. Ihr Tiefgang beträgt 0,67 Meter. Was mit dem Schiff nach Ablösung passiert, hat die AG Ems auf Nachfrage bislang nicht mitgeteilt.
Im Jahr vor der Pandemie registrierten die Reederei AG Ems als Betreiberin nach Angaben rund 60.000 Fahrgäste. Auch jetzt teilt Habben mit: „Emden ist eine Seehafenstadt, daher kommen Gäste zu uns. Diese möchten auch etwas Maritimes erleben, was es bei ihnen zu Hause nicht gibt, daher ist die Nachfrage nach Hafenfahrten groß.“ Zu den Zahlen der aktuellen Saison könne sie noch nichts sagen. Man müsse das Ende abwarten und „dann alle Einflüsse mit berücksichtigen“.