Berlin  Warum der Strompreis steigt – und was Habeck jetzt tun kann

Flora Hallmann
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Von Flora Hallmann
| 30.08.2022 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Robert Habeck muss sich neben der Gaskrise nun auch um die Strompreise kümmern. Diese Optionen hat er. Foto: dpa/Britta Pedersen
Robert Habeck muss sich neben der Gaskrise nun auch um die Strompreise kümmern. Diese Optionen hat er. Foto: dpa/Britta Pedersen
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Neben den explodierenden Gaspreisen schnellen seit einigen Tagen auch die Strompreise in die Höhe. Denn der Strompreis ist eng mit dem Gaspreis verknüpft. Woran das liegt und welche Möglichkeiten Wirtschaftsminister Robert Habeck jetzt hat.

„Wir haben ein Gasproblem, kein Stromproblem“ – das sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) noch im Juli, als es um eine mögliche Verlängerung von Akw-Laufzeiten ging. Zwar ist Strom nicht knapp geworden – ein Stromproblem haben wir nun dennoch.

Die Strompreise gehen seit Tagen durch die Decke, am Montag knackte der Preis an der wegweisenden Leipziger Energiebörse zum ersten Mal die Marke von 1000 Euro pro Megawattstunde. Rund vier mal so viel müssen Verbraucher bei den aktuellen Preisen für Strom zahlen.

Das liegt nicht daran, dass wir weniger Strom produzieren und ein kleineres Angebot die Nachfrage erhöht. In Deutschland wird nach wie vor mit etwa 46 Prozent der Großteil des verbrauchten Stroms durch erneuerbare Energien produziert, gefolgt von Kohle mit 29 Prozent. Erdgas ist mit 14,6 Prozent die drittgrößte Stromquelle, allerdings ist der Anteil im Vergleich zu 2021 um 2,3 Prozent gefallen, während Strom aus Erneuerbaren Energien und Kohle deutlich mehr geworden ist.

Warum also sind die Strompreise so stark gestiegen, wenn Gas nur einen kleinen Teil des Verbrauchs deckt?

In Deutschland wird Strom als Gesamtpaket verkauft: Strom aus Erneuerbaren Energien ist momentan am günstigsten – doch das ist für den Strompreis am Ende egal. Denn am Strommarkt werden nicht alle Preise für Erneuerbare, Kohle, Gas oder Kernenergie einzeln bewertet. Stattdessen setzt der teuerste Anbieter den Preis am Strommarkt – und das ist momentan Gas.

Der Strompreis wird also vom Gaspreis unverhältnismäßig verzerrt. Gleichzeitig machen Anbieter von günstigerem Strom Unmengen Gewinne, da sie die hohen Preise für günstigen Strom eintreiben können. Nach Informationen vom „Spiegel“ wollen Robert Habeck und sein Wirtschaftsministerium nun genau da ansetzen – und zwar mit einer Übergewinnsteuer auf Strom aus Erneuerbaren Energien und Braunkohle.

Wie der „Spiegel“ berichtet, hat Habeck zwei Optionen zur Auswahl: Er könnte entweder für Entlastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sorgen. Oder er könnte in den Strommarkt eingreifen und die Bepreisung reformieren.

Der Strompreis für Verbraucher besteht zu einem großen Teil aus Netzentgelten, Umlagen und Abgaben wie die Strom- oder Mehrwertsteuer. Die könnte der Staat zum Teil oder ganz übernehmen. Nach „Spiegel“-Informationen ginge das schnell und unbürokratisch. Allerdings wäre der Preis für Verbraucher trotzdem noch sehr hoch, während Produzenten weiterhin enorme Gewinne einstreichen.

Eine zweite Variante wäre eine Grundverbrauchsmenge zu einem subventionierten Preis. Dabei würden allerdings alle Konsumenten unabhängig vom Einkommen die gleiche Förderung erhalten.

Ein anderer Ansatz wäre, die Bepreisung am Strommarkt zu verändern. Dabei könnte das Wirtschaftsministerium laut „Spiegel“ das sogenannte griechische Modell anwenden, bei dem erneuerbare Energien und Atomkraft als eine Gruppe und Kohle und Gas als die andere Gruppe bepreist werden. Der Durchschnitt der beiden ist dann der Strompreis. Laut „Spiegel“ scheut das Ministerium vor diesem Schritt zurück, er sei ein zu radikaler Eingriff in den Markt.

Stattdessen könnte Habeck sich an Spanien und Portugal orientieren, die Strom aus Gas subventionieren. Das würde die Strompreise zwar senken – es wäre allerdings auch sehr teuer für den Staat. Gleichzeitig würden fossile Energieträger trotz der Klimakrise weiter gefördert werden.

Die letzte Option wäre eine Übergewinnsteuer für Produzenten von Strom aus Erneuerbaren Energien und Braunkohle, die besonders günstig Strom erzeugen können. Alles über einen bestimmten Fixpreis hinaus wäre in diesem Modell ein Übergewinn und müsste an den Staat abgetreten werden.

Das könnte dem Staat Milliardengewinne einbringen, die wiederum für weitere Entlastungen eingesetzt werden könnten. „Spiegel“-Informationen zufolge lässt Habeck zur Zeit prüfen, wie hoch so ein Fixpreis sein könnte.

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