Zeigt her eure Schultüten!  Prominente aus Ostfriesland erzählen von ihrem ersten Schultag

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 27.08.2022 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Schultüte gehört seit Jahrzehnten zum ersten Schultag wie der Weihnachtsbaum zum Fest. Auch in Ostfriesland packen heute wieder Tausende Mädchen und Jungen zum ersten Mal ihre Schulranzen. Foto: Michael/dpa
Die Schultüte gehört seit Jahrzehnten zum ersten Schultag wie der Weihnachtsbaum zum Fest. Auch in Ostfriesland packen heute wieder Tausende Mädchen und Jungen zum ersten Mal ihre Schulranzen. Foto: Michael/dpa
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An diesem Samstag ist Einschulung. Wir haben das zum Anlass genommen, bei bekannten Menschen aus Ostfriesland nachzufragen: Wie war Ihr erster Schultag? Und wie sahen Sie damals aus?

Aurich - Der erste Schultag: Für die meisten Menschen ist er ein ganz besonderer Tag. In Ostfriesland beginnt heute für Tausende Mädchen und Jungen der Ernst des Lebens, wie man so schön sagt. Obwohl diese Formulierung eigentlich unpassend ist, wie die Auricher Pastorin Cathrin Meenken zu Recht anmerkt. Schule soll Spaß und Freude bringen, keine todernste Angelegenheit sein.

Wir haben den heutigen Einschulungstag zum Anlass genommen, bekannte Menschen im Landkreis Aurich um ein Foto von ihrem ersten Schultag zu bitten. Um diesen Klassiker, den jeder zu Hause im Fotoalbum hat: Kind in Sommerkleidung mit Schultüte in der Hand, mal strahlend, mal zaghaft lächelnd.

Nicht alle fanden ihre Fotos wieder

Doch so selbstverständlich ist es gar nicht, ein solches Bild griffbereit zu haben. Wir haben die eine oder andere Absage von Menschen bekommen, die zwar gerne an unserer Aktion teilgenommen hätten, es aber in Ermangelung eines Fotos nicht konnten.

So sagte Olaf Meinen, ehemaliger Bürgermeister von Großefehn und heute Landrat des Landkreises Aurich, das Foto von seiner Einschulung sei in den 1980er Jahren bei einem Umzug verloren gegangen. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff aus Pewsum musste passen. Zu seiner Zeit – er wurde 1974 eingeschult – sei noch nicht so viel Aufhebens um dieses Ereignis gemacht worden. „Heute wird ja eine Hochzeit draus gemacht.“ Seine Eltern hätten damals kein Foto von ihm gemacht. Es gebe dennoch eins, mit einem Freund, dessen Vater zur Kamera gegriffen habe. Doch dieses Foto sei im Moment nicht auffindbar. Dennoch haben sich einige bekannte Männer und Frauen gefunden, die ihr Foto und ihre Erinnerungen mit uns teilen können. Das Ergebnis finden Sie hier.

Horst Feddermann

Horst Feddermann (57) wurde am 6. September 1971 in Dietrichsfeld eingeschult. Die riesige Schultüte voller Süßigkeiten, die fast so groß war wie er selbst, hat der Auricher Bürgermeister „in bester Erinnerung“. Kurze Hose, karierte Kniestrümpfe, Sandalen: Das trugen kleine Jungs damals. Seine Mutter habe ihn begleitet, danach sei die Familie zu Besuch gekommen. Allzu viele Erinnerungen hat Feddermann an den Tag nicht. „Das war natürlich ein großer Moment, das weiß ich noch.“ Er habe viele neue Leute kennengelernt. Es gab an der Grundschule Dietrichsfeld einen Lehrer für alle. Die Kleinen saßen vorne, die Großen hinten.

Horst Feddermann bei der Einschulung. Foto: Privat
Horst Feddermann bei der Einschulung. Foto: Privat
Horst Feddermann heute. Foto: Ortgies
Horst Feddermann heute. Foto: Ortgies

Brigitte Junge

Brigitte Junge (65) wurde am 17. April 1963 an der Evangelischen Joachimschule Essen-Kray eingeschult. Sie habe es kaum abwarten können, wie ihre ältere Schwester auch endlich zur Schule zu gehen. „Da fühlte ich mich groß“, sagt die langjährige Leiterin des Historischen Museums Aurich, die zum Monatsende in den Ruhestand geht. „Es war ein schöner Tag, ich habe mich gefreut.“ Was in ihrer Schultüte war, weiß sie nicht mehr. „Bestimmt was Gesundes.“ Süßigkeiten seien damals rar gewesen. Die Schultüte sei eine typische Mädchen-Schultüte gewesen, besetzt mit Spitze. Ihr kleiner Bruder, damals drei Jahre alt, habe ebenfalls eine Schultüte bekommen, eine Nummer kleiner als die der echten Erstklässlerin.

Brigitte Junge bei der Einschulung. Foto: Privat
Brigitte Junge bei der Einschulung. Foto: Privat
Brigitte Junge heute. Foto: Archiv
Brigitte Junge heute. Foto: Archiv

Rico Mecklenburg

Rico Mecklenburg (73) wurde im Frühjahr 1955 in der Schule am Waffenplatz in Oldenburg, dem heutigen Standort der Volkshochschule, eingeschult. Von dem Schulgebäude ist dem heutigen Emder und Präsidenten der Ostfriesischen Landschaft vor allem die riesengroße Außentreppe in Erinnerung geblieben. Dass dieser Junge mal Lehrer und sogar Schulleiter werden würde, hätte damals niemand gedacht. Sein Lehrer bezeichnete ihn als phlegmatisch. Schule sei ihm damals nicht so wichtig gewesen, sagt Mecklenburg. „Ich habe mich an anderen Dingen erfreut.“ Zum Beispiel am Schwimmen, das er schon mit fünf gelernt habe. Auf dem zweiten Bildungsweg machte Mecklenburg dann doch noch Abitur und studierte. Wegen seiner Vergangenheit habe er als Lehrer immer Verständnis für Schüler gehabt, die sich schwertaten.

Rico Mecklenburg bei der Einschulung. Foto: privat
Rico Mecklenburg bei der Einschulung. Foto: privat
Rico Mecklenburg heute: Das Foto zeigt ihn mit dem Auricher Kunstsammler Dr. Walter Baumfalk (links). Foto: Archiv
Rico Mecklenburg heute: Das Foto zeigt ihn mit dem Auricher Kunstsammler Dr. Walter Baumfalk (links). Foto: Archiv

Cathrin Meenken

Cathrin Meenken (42) wurde 1987 an der Nordschule in Aurich eingeschult, der heutigen Finkenburgschule. Dort wird heute ihre Tochter eingeschult. „Ganz schrecklich“ findet die Pastorin der Auricher Lambertigemeinde das Foto von ihrem ersten Schultag – wegen der Frisur. Aber so trug man die Haare in den 80er Jahren nun mal: vorne kurz, hinten lang (Vokuhila). Mit dem Satz „Nun beginnt der Ernst des Lebens“ habe sie nichts anfangen können, da er nicht zu ihrer Freude passte, sagt Meenken. Ein Schock sei es allerdings gewesen, dass sie vom zweiten Tag an ihren geliebten Stoffhasen Bunny, bis dahin ständiger Begleiter, nicht mehr mitnehmen durfte. So etwas passe nicht zu einem Schulkind, habe ihre Mutter gesagt.

Cathrin Meenken bei der Einschulung. Foto: Privat
Cathrin Meenken bei der Einschulung. Foto: Privat
Cathrin Meenken heute. Foto: Ortgies
Cathrin Meenken heute. Foto: Ortgies

Alfred Meyer

Alfred Meyer (72) wurde im April 1956 in seinem Heimatort Mullberg eingeschult. Kurze Hose, Kniestrümpfe, Schultüte: So lächelt der kleine Alfred ein wenig schüchtern vom Schwarz-Weiß-Foto. „Das Wesentliche war, dass man die Schultüte bekam und fotografiert wurde“, sagt der ehemalige Bürgermeister von Wiesmoor, der sich im vergangenen Jahr aus der Kommunalpolitik zurückgezogen hat. An den Inhalt der Schultüte erinnert er sich kaum: „Das werden Süßigkeiten und Stifte gewesen sein.“ Der Weg zur Schule war drei Kilometer lang. Die ging er täglich zu Fuß. „Ein Fahrrad gab’s erst später.“ Am ersten Tag brachte ihn seine Mutter mit dem Rad. Er kannte sich schon aus, da sein Bruder ein Jahr zuvor eingeschult worden war.

Alfred Meyer bei der Einschulung. Foto: Privat
Alfred Meyer bei der Einschulung. Foto: Privat
Alfred Meyer heute. Foto: Archiv
Alfred Meyer heute. Foto: Archiv

Rüdiger Musolf

Rüdiger Musolf (55) wurde 1972 an der Sandhorster Grundschule eingeschult, der heutigen Waldorfschule. Der Leiter des Gymnasiums Ulricianum in Aurich war schon als Kind schulbegeistert – so sehr, dass er die Einschulung gar nicht abwarten konnte. An seinem ersten Schultag, der fast auf den Tag genau 50 Jahre zurückliegt, war Musolf erst fünf Jahre alt. Seine Schultüte war knallorange und mit Verkehrszeichen verziert. „Das war ein Spleen von mir“, sagt der Latein- und Geschichtslehrer. „Ich kannte alle Verkehrszeichen.“ Da er gerne malte, enthielt die Schultüte bunte Filzstifte und Wachsmalstifte. Seinen Klassenlehrer Heinrich Rocker habe er sehr verehrt. „Er war streng, aber gerecht, gütig-väterlich.“ Unter den Klassenkameraden in Sandhorst waren viele Bauern- und Soldatenkinder, erinnert sich Musolf. „Das war prägend.“

Rüdiger Musolf bei der Einschulung. Foto: Privat
Rüdiger Musolf bei der Einschulung. Foto: Privat
Rüdiger Musolf heute. Foto: Archiv
Rüdiger Musolf heute. Foto: Archiv

Anna-Lea Oltmanns

Anna-Lea Oltmanns (22) wurde am 6. September 2006 in Hinrichsfehn eingeschult. Die noch amtierende Blütenkönigin von Wiesmoor denkt gern an ihre Einschulung zurück, denn: „Meine Einschulung war zum Blütenfest.“ Sie erinnert sich, „wie wir Kinder mit unseren Schultüten in der Freilichtbühne saßen, damals noch auf Holzbänken“. Die ganze Verwandtschaft sei dabei gewesen. „Das war ein ganz toller Tag, an den ich auch heute noch gern zurückdenke.“ Die Freilichtbühne ist der Ort, an dem die Verwaltungsfachangestellte 2021 zur Königin gekrönt wurde. Am 3. September wird ihre Nachfolgerin gewählt.

Anna-Lea Oltmanns bei der Einschulung. Foto: Privat
Anna-Lea Oltmanns bei der Einschulung. Foto: Privat
Anna-Lea Oltmanns 2021 als frisch gewählte Blütenkönigin (Mitte). Foto: Ortgies
Anna-Lea Oltmanns 2021 als frisch gewählte Blütenkönigin (Mitte). Foto: Ortgies

Arno Ulrichs

Arno Ulrichs (60) wurde 1968 in Großwolderfeld (Gemeinde Westoverledingen, Landkreis Leer) eingeschult. Das war eine kleine Schule mit nur zwei Klassenräumen, erinnert sich der heutige Bürgermeister der Gemeinde Ihlow. Die Kinder hätten viele Freiheiten gehabt. „Wir durften uns auch auf dem Schulhof prügeln.“ Ulrichs erinnert sich an einen mächtigen Ölofen und an den Geruch von Bohnerwachs. Der Tag sei „auf jeden Fall etwas Besonderes“ gewesen. Eine große Feier habe es aber nicht gegeben.

Arno Ulrichs bei der Einschulung. Foto: Privat
Arno Ulrichs bei der Einschulung. Foto: Privat
Arno Ulrichs heute. Foto: Ortgies
Arno Ulrichs heute. Foto: Ortgies

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